Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — 2.1880

Seite: 60
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HERMANN STEINFURTH.

Ein Nekrolog.


|NSERE Gesellschaft hat den Verlust Hermann Steinfurtk's zu beklagen, eines wackeren Künstlers, der ihr
seit der Gründung ein treuer Anhänger gewesen und ihre Zwecke in seiner Stellung als Obmann des
Hamburger Kunstvereines wiederholt wesentlich gefordert hat. Ihm gebührt insbesondere das Verdienst,
den für die anfänglich bescheidenen Verhältnisse unserer Gesellschaft materiell viel zu bedeutenden Auftrag zum
Stich der „Schule von Athen" durch die Theilnahme des Hamburger Kunstvereines ermöglicht zu haben, und auch
später hat Steinfurth, der dem Curatorium unserer Gesellschaft angehörte, sein warmes Interesse an deren Bestre-
bungen stets an den Tag gelegt.
Am 18. Mai 1823 zu Hamburg geboren, erhielt Steinfurth den ersten Unterricht in der Kunst in seiner
Vaterstadt von Gerät Hardorff, kam 1841 nach Düsseldorf in die Schule von C. Sohn, unter dessen Leitung er 1843
sein erstes grösseres Bild, eine Pietä, malte, und machte seine erste Bildungsreise nach Belgien und Holland. Dort
copirte er vornehmlich Bildnisse von van Dijch, was seiner späteren Thätigkeit als Porträtmaler zu Gute kam. Einige
mythologische Gemälde, darunter das im Kölner Museum befindliche, unter W. Schadow's Leitung gemalte Bild
„Die Erziehung des Jupiter", sowie das in der Hamburger Kunsthalle aufbewahrte Gemälde „Diana und A6täon"
entslammen der Zeit bis 1847, in welchem Jahre Steinfurth nach Hamburg wieder zurückkehrte. In der 1849
ausgeschriebenen Concurrenz für das Altarbild der neuerbauten St. Petri-Kirche Sieger geblieben, malte er eine
„Auferstehung Christi" mit zwei Seitenbildern, den Aposteln Paulus und Petrus, in Düsseldorf, brachte 1850 die
Bilder nach Hause, trat 1851 eine längere Reise durch Deutschland, Österreich und Italien an und nahm seit 1853
seinen bleibenden, nur durch kleine Reisen unterbrochenen Aufenthalt in seiner Vaterstadt. Unter den zahlreichen
Bildern Steinfurth 's gehören die meisten dem Porträtfache an, in welchem er, wie die drei in der Hamburger
Kunsthalle befindlichen Bildnisse, darunter sein Selbstporträt, an den Tag legen, gediegene Leistungen aufzuweisen
hat; es verdienen aber auch mehrere Historienbilder und Compositionen, sowie einige reizende in Sgrafitto
ausgeführte Friese volle Anerkennung. Steinfurth nahm als Mensch wie als Künstler in seiner Vaterstadt eine sehr
geachtete Stellung ein und war Vorsitzender des Hamburger Kunstvereines, dann des dortigen Künstlervereines,
sowie des dortigen Localvereines der deutschen Kunstgenossenschaft, von welch' letzteren Körperschaften die Anzeige
von dem am 7. März 1880 nach schwerem Leiden erfolgten Tode des unvermält gebliebenen Künstlers ausgegangen ist.
Wenn es auch Steinfurth nicht beschieden gewesen, die hohen Ziele der Historienmalerei, die ihm, dem unentwegten
Idealisten, während seiner ganzen Lebenszeit vorgeschwebt, völlig zu erreichen, so wird ihm doch das Verdienst
ungeschmälert bleiben, auf die Verbreitung der Kunst in seiner Vaterstadt einen weitreichenden Einssuss geübt und
im Porträtfache einige Werke geschaffen zu haben, welche der gesammten deutschen Kunst zur Ehre gereichen.
Sicherlich wird daher die Gesammt-Ausstcllung seiner Werke, welche die Hamburger Kunsthalle pietätvoll
vorbereitet, der lebhaftesten Theilnahme begegnen und das erfreuliche Bild der Entwicklung eines Künstlers
bieten, der nach dem Höchsten redlich gestrebt und Tüchtiges geschasfen hat.
Wir sind in der erfreulichen Lage, diesen kurzen Nachruf mit einer reizenden Composition Steinfurth's begleiten
zu können, einer im Besitze einer Freundin unserer Gesellschaft befindlichen und uns zur Publication gütigst über-
lassenen Zeichnung, deren heliographische Reproduktion besonders gelungen ist. Die Zartheit der Empfindung und
die durch eindringliches Studium der classischen Meister erlangte Gediegenheit der Zeichnung, welche Steinfurtk's
Arbeiten charakterisiren, finden wir auch in unserer Composition, und die zu einer anmuthigen Gruppe vereinigten
Kinderfiguren deuten auf eine Verwandtschaft mit den edlen Gestalten der italienischen Renaissance.
O. B.
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