Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 19.1896

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Adols St^bli.



Adols Stabil

IE meiften Künstler-
Romane und Novel-
len entspringen —
das weiss, wer selbst
mitten in dieser Welt sleht —
einer durchaus oberslächlichen
Kenntniss des Lebens und der
Zustände der einschlägigen Ge-
scllschaftski-eilc. Das Refultat ist
in der Überzahl der Fälle ein
Elaborat, das mit der Wirklich-
keit gerade fo viel zu thun hat,
wie mit fchwachen Kräften in
Scene gesetzte, mittelmäfsige
Bühnenaufführungen dem Kerne
defsen gleichen, was wirkliche
Dichter geben. Die Figuren find
zumeift ersunden, die Vertiefung
in die allerinnerlichste, allerseinfte
Entwicklung und die daraus ent-
l'pringende Äufserungssähigkeit
sehlt; das, was »hinter den Cou-
lifsen« pafsirt und oft weit ein-
schneidender für das Ganze ift
als das fcenifch sichtbar Gebotene,
wird nicht berührt. Das ist einfach
und billig, zweiselsohne. Deshalb
haben Manche, die derlei Kosi:
gewöhnt sind, den »grünen Hein-
rich« von Gottfried Keller nicht
verftandenoderfogar angegrifsen.
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