Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — 26.1903

Seite: 116
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ZU EINER RADIERUNG

ERZHERZOG HEINRICH FERDINANDS.

Wir bringen diesmal in den Blättern unserer
Zeitschrift eine Probe der künstlerischen Bestre-
bungen eines jungen Mitgliedes unseres Kaiserhauses.
Es ist ein Blatt von der Hand des Erzherzogs
Heinrich Ferdinand, des jüngsten Sohnes des Groß-
herzogs Ferdinand von Toscana. Der Erzherzog
widmet sich in den letzten Jahren mit steigender
Hingebung, voll Lust und Feingefühl, zeichnerischen
und malerischen Arbeiten —■ nebenbei ist er ein
eifriger Botaniker — Alles aber nur so weit, als es
seine militärischen Dienstpflichten erlauben. Erzherzog
Heinrich Ferdinand hat soeben die Korpsschule zu
Innsbruck absolviert und ist heute, im 25. Lebens-
jahre stehend, Oberleutnant im 6. Dragonerregiment.
Bis 1891 im elterlichen Hause erzogen, erhielt er
seinen ersten Unterricht im Zeichnen von dem
jetzigen Inspektor, Schulrat Hermann Lukas. Es
folgten die Militär-Oberrealschule zu Mährisch-Weiß-
kirchen und (von 1894—1897) die Theresianische
Militärakademie in Wiener-Neustadt, mit den Herren
Hauptleuten Zimburg und Loidolt, von denen der
letztere akademischer Maler ist, als Leitern des
und individueller aber gestalteten sich die malerischen
Bestrebungen des Erzherzogs erst durch das Bekanntwerden mit Professor William Unger, unter
welchem die ersten Radierversuche entstanden. Aber immer noch gab es sehr wenig Zeit. Erst der
Sommer von 1902 brachte eifrige und glückliche Aquarellstudien unter der Leitung des Schreibers
dieser Zeilen in dem alten und malerischen Enns (seit 1897 Garnisonsort des Erzherzogs), und im
darauffolgenden Herbst wurde wieder unter Meister Unger fleißig radiert. Die beiliegende Original-
radierung und die nebenstehend abgebildete Lithographie sind gewiß erfreuliche Talentproben.
Sie machen den Wunsch rege, daß es Seiner kaiserlichen Hoheit gelingen möge, »des Dienstes
ewig gleich gestellter Uhr« möglichst viele Muße- und Urlaubsstunden für seine künstlerischen
Neigungen, für sein Talent abzuzwingen.

Eduard Zetsche.

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