Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 49.1926

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ZWEI SCHILDERER DES TSCHECHISCHEN LANDES

(ANTON MAJER UND KARL VIK).

Zwei Künstler, deren Arbeit »Die
graphischen Künste« diese Seiten ge-
widmet haben, gehören zu den ur-
wüchsigstenTalenten derjungen tsche-
chischen Graphik. Sie hängen weder
mit der von T. F. Simon nach Prag ein-
geführten, im Impressionismus tief ein-
gewurzelten, auf malerische Wirkungen
und Stimmungs werte abzielenden Rich-
tung, noch mit der von Svabinsky
gegründeten, die Klassizität der gra-
phischen Form anstrebenden Schule
zusammen. Durch enges Freundschafts-
verhältnis miteinander verbunden, be-
gannen sie um 1910 als Autodidakten
die Graphik zu pflegen, indem sie nur
die damals freilich noch geringen tech-
nischen Erfahrungen des mit ihnen
befreundeten Malers und Graphikers
F.Kobliha ausnützen konnten.Bis dahin
sind sie Maler gewesen, die während
der schönsten Monate des Jahres in
einem zauberhaften, von Majer ent-
deckten Winkel des Isertales ihr künstlerisches Milieu gefunden haben. In Mala Skala, dem schönsten
Orte des »tschechischen Paradieses« (so wird bei uns die Umgebung von Turnau genannt), malten
sie die ersten Bilder, in welchen sie den sinnlichen Natureindruck unumwunden und geradeaus
niederlegten, ohne sich viel um Form und Stil, um den einige ihrer Zeitgenossen krampfhaft rangen,
zu kümmern. Es war die Zeit, in welcher den Jungen die Überwindung der in der Prager Kunst-
akademie erlernten Malmethoden als Gebot galt und in welcher die impressionistische Anarchie
noch nicht ihren Reiz gänzlich eingebüßt hatte.

Für Majer, der 1882 in einer Proletariervorstadt Prags geboren wurde, bedeutete der wiederholte
Sommeraufenthalt in Maid Skala die Entdeckung der Natur, des Landlebens und zugleich die
Eröffnung einer ausgiebigen Quelle der künstlerischen Inspiration. K. Vik, der aus einer Kleinstadt

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Anton Majer, Der Morgen (1917). Nach dem Holzschnitt.
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