Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 53.1930

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Aber er klebt nicht an Wien; schon folgt er Benndorf nach Siebenbürgen, um für dessen Publi-
kationen die Zeichnungen der römischen Ausgrabungen anzufertigen, und als 1886 eine Re-
produktionsanstalt in Buenos Aires ein großes Unternehmen zur Herstellung von Banknoten und
Wertdrucksachen gründet, folgt er der an ihn ergangenen Berufung und geht auf sechs Jahre nach
Brasilien, wo er neben zahlreichen Porträten ganze Serien von Banknoten- und Briefmarkenbildern
in Kupfer- und Stahlstich ausführte, deren exotische Motive und Beschriftungen es keinem Öster-
reicher merken ließen, daß sie der Hand eines Landsmannes entstammten, der damit eine Fülle von
Erfahrungen sammelte und sich eine spezielle Meisterschaft erwarb, die zur Rettung seiner Existenz
werden und ihm nach seiner Heimkehr ständige Arbeitsgelegenheit bringen sollte. Der rasche
Siegeszug der auf der Auswertung der Photographie beruhenden Reproduktionsverfahren hatte
inzwischen die Erwerbsmöglichkeiten der Kupferstecher vollständig ruiniert und konnte nur den-
jenigen nichts anhaben, die wie Schirnböck ihre Kunst dort einsetzen ließen, wo die Technik des Wert-
papierdruckes in der höchsten künstlerischen Präzision ein Moment des Schutzes gegen die manuelle
Fälschung erkannte: im Stahl- und Kupferstich für Banknoten und Briefmarken. Wo so viele unter-
gingen oder umsatteln mußten, erstand ihm eine reiche Fülle von Aufträgen.

Das Jahr seiner Rückkehr nach Wien hatte aber für Schirnböck noch eine andere glückliche Be-
deutung: 1892 erschienen die Jubiläumsbriefmarken der Vereinigten Staaten, wo zum ersten Male eine
ganze Serie meisterhaft gedruckter großformatiger Kupferdruckmarken aus der Entdeckung Amerikas
die bildlichen Unterlagen für eine Emission nahm, die mit einem Schlage populär wurde. Nicht nur
wir damals Jungen, denen die ersten Gymnasialjahre automatisch die ersten Briefmarkensammler-
jahre waren, alle Welt erkannte an den »Kolumbusmarken«, daß hier an kleinen amtlichen Drucksorten
Gelegenheit zu ausgiebiger künstlerischer Entfaltung gegeben war. Sicherlich gab es schon damals
Marken, die als Kunstwerke höher standen; sicherlich gab es rein ornamentale Kompositionen, die
ernstere Lösungen des Markenproblemes darstellten, aber die geschlossene Wirkung dieser Bilder-
serie war es, die, unterstützt durch den Nimbus amerikanischer Herkunft, der breiten Allgemeinheit'die
Augen öffnete und hier erst für den künstlerischen Wert dieser kleinsten Blätter Verständnis weckte.

So konnte Schirnböck auf wohlbereitetem Boden seine Wiener Tätigkeit beginnen. Von diesem
Jahre an sind bis auf die jüngste Zeit die Bilder auf sämtlichen Noten der Österreichisch-ungarischen
Bank und der Österreichischen Nationalbank von seiner Hand gestochen. Aber ob es nun die Vorsicht
der Drucktechniker ist, die den selbst als Schutzmoment fungierenden Stich durch einen Überdruck
anderer Art wieder schützen, der natürlich die Wirkung des Stiches noch hie verbessert hat, sei es
eine etwas amtliche Reserviertheit, die diesen förmlich unter Polizeiaufsicht stehenden Scheinen
anhaftet, jedenfalls wird man nicht die Banknoten, sondern die Briefmarken ansehen müssen, wenn
man Schirnböck würdigen will. Schon ihre Kleinheit verhindert es, daß sie so brutal behandelt
werden wie das Papiergeld, das man zwar liebt, aber unbedenklich zerknittert und beschmutzt, um
es nur ja bequem und überall bei sich zu führen. Die einfacher und in weit größeren Massen gedruckte
Briefmarke aber, die noch gesammelt und schonend gehalten wird, wenn sie schon verbraucht und
seit Jahren außer Geltung ist, sie steht unserem Herzen näher, und an sie denkt auch jeder zuerst,
wenn er Schirnböcks Namen hört. Was an österreichischen Arbeiten eines Stechers bedurfte oder in
Hochschnitt erschien, ist bis auf den heutigen Tag aus seinen Händen gekommen. Seiner Ausführung
ist es zu danken, daß erste Künstler mit der Herstellung der Entwürfe betraut wurden, denn was
hätte selbst unser unvergeßlicher Kolo Moser richten können, wäre ihm nicht in Schirnböck der
Zauberer zur Seite gestanden, der des Künstlers Wunsch in des Technikers Forderung umsetzte!
Die Landschaftsserie von Bosnien-Herzegowina, künstlerisch und technisch den »Kolumbusmarken«

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