Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 54.1931

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Georg Mayer-Marton, Lussinpiccolo. Zeichnung.

ZUR GRAPHIK GEORG MAYER-MARTONS.

Als Georg Mayer-Marton' nach dem Kriegsende zur Kunst kam, stak der Karren schon überall
tief im Dreck. Gefährliche Psychosen hatten die Massen auswärts und hierzulande, in Österreich
und in Ungarn, wo Mayer-Marton zuhause war, erfaßt. Die Muße, in der allein die einzigartige
Spannung erstehen kann, die zur künstlerischen Schöpfung führt, war ein für allemal ausgelöscht;
die Bedürfnisse des Tages, die so bald zur Not des Tages wurden, ließen das geheimnisschwere
stille Feuer nicht glimmen. Es gab keine Morgen mehr im Halbdämmer, in dem sich die Kräfte
sammelten, in dem sich das Werk selbst den Weg bereitete, in dem es sich selbst gebar. Es gab
kein Warten mehr, bis sich das Herz auftat. Es gab das alles nicht mehr, und auch die Künstler
selbst wollten es nicht mehr. Sie drängten selbst zur Leistung, zum Ertrag. Sie wollten einheimsen,
um ausschütten zu können, und hatten doch nicht einmal Zeit zum Säen genommen! In diese Über-
hetze brach der Antichrist des Künstlers ein: die Konjunktur. Das Publikum, das neue, das plötzlich
reiche, das keine Achtung vor dem Gelde hatte, das es erraffte und hinschmiß, weil es keine Achtung
hatte und nur Ware dafür wollte, recht viel Ware, wohlfeile Ware, mehr und mehr, soviel als nur
möglich . . . Das waren die fetten Jahre der Graphik.

Wenn ich diesen Prospekt einer Vergangenheit wieder aufziehe, die noch keine zehn Jahre
zurückliegt und doch schon so unsagbar historisch für uns geworden ist, so geschieht es, um die
Persönlichkeit des jungen Künstlers davon abheben zu lassen, die als ein Opfer dieser Zeit begann.

1 Mayer-Marton ist 1807 in Raab (Ungarn) geboren; er bildete s^ch an den Akademien in Wien (unter Jungwirth) und München (unter Marr),
zum Maler aus; als Graphiker ist er Autodidakt.

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