Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — N.F. 3.1938

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1. Wien, Nat.-Bibl.. Lateinische Bibel v. 1443, fol. 337v

2. Wien, Nat.-Bibl., Korczek-Bibel, fol. 76v

später sehr häufig zu beobachten, z. B. in den beiden Wiener Handschriften der Autobiographie
Karls IV., cod. ser. nov. 2618, von 1472 und cod. 581, die ebenso wie das Bergrecht Wenzels I.,
cod. 2264, mit seinen bilderlosen Initialen der späteren Epoche entstammen, die sich in
verhärteten Formen ausgeleiert wiederholt.

Die Entwicklung der Generation des Hasenburg-Meisters ist auch für die Wiener Schule
von großer Bedeutung, die ja die Prager in ihrer Vormachtstellung im Südosten ablöst und
weiterhin die Führung innehat. Ihre Ausläufer und Anregungen sind bis weit nach dem Westen,
nach Salzburg, ja bis nach Brixen zu verfolgen. Diese Wiener Schule übernimmt wichtige
Elemente der Prager Kunst und wahrt ihre Traditionen in einer Linie, die über den sogenannten
Albrechtsminiator und den Meister der Lehrbücher des jungen Maximilian bis zu dem ursprüng-
lich in Salzburg ansässigen Ulrich Schreier führt,5 welcher schließlich, schon zu Ende des
15. Jahrhunderts, von der ebenfalls über Salzburg vordringenden Augsburger Buchmalerei ab-
gelöst wird.

Die Wiener Schule, die Miniatorenwerkstatt, die unter kräftiger Förderung der in Wien
regierenden habsburgischen Herzoge arbeitete, ist schon zu Beginn ihrer Tätigkeit und dann
um 1400 von Böhmen-Mähren oder vielleicht genauer gesagt: von Brünn stark beeinflußt
worden. Ein Beispiel dafür bietet der durch Oettinger bekannt gemachte Meister Nikolaus.8
Aber auch die nächste Stufe, die des entwicklungsgeschichtlich für das ganze 15. Jahrhundert
bedeutendsten Meisters, der als Albrechtsminiator bekannt und der schon oben erwähnt worden
ist, scheint ihre Wurzeln zum Teil in der deutschböhmischen Kunst zu haben. Abgesehen vom
Ornament, ist dafür von großer Bedeutung eine Handschrift, in der diese Verbindung und

5 Die jüngste Zusammenstellung der genannten Handschriften und auch der Literatur findet sich in den
betreffenden Abschnitten des oben erwähnten Bulletin de la Soc. Franc, de Bepr. de Mss. ä Peint. a. 1937 1938.

6 Vgl. K. Oettinger, Der Illuminator Nikolaus. Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, 1933, p. 221 ff.

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