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muetter Ursula, da es aber ie grimer und zorniger wurt und sich in
kein weg wolte vertreiben lassen, dan man die leit herte durch die
fenster heruß rüefen zue gott, gedachte die frume muetter sich in den
zorn gottes zue lögen und als der ander Jonas sich in diß ungestime
mör zue werfen, damit nit die ganze statt zue grundt niüest gehn.
Güenge derhalben mit uferhöbten henden in unseren hoff under den
freüen und feurigen himel, füel uf ihr angesicht mit zerspanen armen
und rüefe zue gott mit nassen äugen, mit heüsserer stim und feurig
und brinentem herzen, opferte sie sich gott dem herren uf als ein
lebentiges opfer zue Versöhnung der ganzen statt, und sprach mit dem
seuftmüetigen Moyses: ,,Herr, verschon ihr und dilge mich us dem
buech der lebentigen"! Ja sie sprach mit frühlicher stim, das ir
Schwestern wol möchten hören: „Herr, hat iemandt gesindiget und
deinen zorn verschult, sich, ich gib mich fir sie und iede person in
sonderhait, zue bezaleu und zue stillen deinen gerechten zorn; straff an
mir und an meinem sündigen leib die überdröttung disser statt, dan
ich ergib mich dir genzlich in deinen göttlichen willen und wolgefallen."
Und also warf sie sich in den zorn des almechtigeu, mit dergleichen
Worten und feurigen seüfzern schuße sie hingegen durch das ge-
wilk gegen den dontern, und das geschrey kam für den thron gottos.
Wie sie dan vil mal bekente, dass sie niemals etwas begert habe,
seit sie den hailigen orten andrage, darin sie nit sey erhört Worten,
also geschach ir uf dismal auch. Dan die göttliche güetigkeit
kundte lenger nit ihre obren verschließen gegen dem wolgefelligen
geschrey seiner liebsten dienerin. In welchem eüfer sie verharent
ein merkliche zeit, mit unzallichen drähn auklopfent bey der barin-
herzigkait gottes. Ie mer sich die tonder ließen herren, ie leuder
sie ir stim erhöhte, und nette ir auch fürgenomen, von dem erterich,
da sie knüet, nit mer ufzuestehn, biß sie merken künde, das der
zorn gottes gesanftiget wurde. Bisse bestendigkait in so erschrück-
licher, forchtsamer zeit und disse volkomne hoffnung uf die barm-
herzigkait gottes war wirdig erhert [25b] zue werden. Ließe sich
sehen unverhofft ein hell und lauders gewilk als ein zirkelring, wie wol
der himel anderer orten noch ganz mit feur und zornigem gewilk über-
zogen war. Ob disser hellen wölken erfreute sich die dienerin gottes
zimlicher maßen und erhöhte ihre äugen, ob ir villeicht ein göttlicher
trost möchte komen, wie ir dan geschehen. Es erschiue in geinelten
hellen, glanzenten wolkeiicirkel die kölligin der barniherzigkeit, beUleit
muetter Ursula, da es aber ie grimer und zorniger wurt und sich in
kein weg wolte vertreiben lassen, dan man die leit herte durch die
fenster heruß rüefen zue gott, gedachte die frume muetter sich in den
zorn gottes zue lögen und als der ander Jonas sich in diß ungestime
mör zue werfen, damit nit die ganze statt zue grundt niüest gehn.
Güenge derhalben mit uferhöbten henden in unseren hoff under den
freüen und feurigen himel, füel uf ihr angesicht mit zerspanen armen
und rüefe zue gott mit nassen äugen, mit heüsserer stim und feurig
und brinentem herzen, opferte sie sich gott dem herren uf als ein
lebentiges opfer zue Versöhnung der ganzen statt, und sprach mit dem
seuftmüetigen Moyses: ,,Herr, verschon ihr und dilge mich us dem
buech der lebentigen"! Ja sie sprach mit frühlicher stim, das ir
Schwestern wol möchten hören: „Herr, hat iemandt gesindiget und
deinen zorn verschult, sich, ich gib mich fir sie und iede person in
sonderhait, zue bezaleu und zue stillen deinen gerechten zorn; straff an
mir und an meinem sündigen leib die überdröttung disser statt, dan
ich ergib mich dir genzlich in deinen göttlichen willen und wolgefallen."
Und also warf sie sich in den zorn des almechtigeu, mit dergleichen
Worten und feurigen seüfzern schuße sie hingegen durch das ge-
wilk gegen den dontern, und das geschrey kam für den thron gottos.
Wie sie dan vil mal bekente, dass sie niemals etwas begert habe,
seit sie den hailigen orten andrage, darin sie nit sey erhört Worten,
also geschach ir uf dismal auch. Dan die göttliche güetigkeit
kundte lenger nit ihre obren verschließen gegen dem wolgefelligen
geschrey seiner liebsten dienerin. In welchem eüfer sie verharent
ein merkliche zeit, mit unzallichen drähn auklopfent bey der barin-
herzigkait gottes. Ie mer sich die tonder ließen herren, ie leuder
sie ir stim erhöhte, und nette ir auch fürgenomen, von dem erterich,
da sie knüet, nit mer ufzuestehn, biß sie merken künde, das der
zorn gottes gesanftiget wurde. Bisse bestendigkait in so erschrück-
licher, forchtsamer zeit und disse volkomne hoffnung uf die barm-
herzigkait gottes war wirdig erhert [25b] zue werden. Ließe sich
sehen unverhofft ein hell und lauders gewilk als ein zirkelring, wie wol
der himel anderer orten noch ganz mit feur und zornigem gewilk über-
zogen war. Ob disser hellen wölken erfreute sich die dienerin gottes
zimlicher maßen und erhöhte ihre äugen, ob ir villeicht ein göttlicher
trost möchte komen, wie ir dan geschehen. Es erschiue in geinelten
hellen, glanzenten wolkeiicirkel die kölligin der barniherzigkeit, beUleit



