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Muskau

15. KAP.

Gärten mannigfachster Länder gesehen und studiert hatte, trotzdem er die italienischen
Renaissancegärten fortwährend als vorbildlich im Munde führte, ist die Schöpfung seiner
Gärten um das Haus ein Unding und voll der bösesten Folgen gewesen. Schon der See,
von dem er eine Seite des Schlosses begrenzen läßt, hat keinen Zug von der Größe, die
in den Wasserpartien am Neißefluß im Parke überall herrscht. Die andern Seiten des Ge-
bäudes aber hat er mit sogenannten Blumengärten umgeben. Zum ersten Male tritt uns hier
in Deutschland die Teppichgärtnerei entgegen, Beete, die „malerisch", d. h. ohne Ordnung
und Plan auf den Rasen ausgestreut sind, bald als Füllhorn, bald als Stern, bald als Blumen-
korb oder Blumenpyramide, die nichts zu tun haben mit der Umgebung und selbst die
Blumen in ihrer Mischung und Zusammendrängung häßlich und kleinlich erscheinen
lassen (Abb. 607). Unter dieser traurigen Erfindung der Teppichgärtnerei hat das ganze
XIX. Jahrhundert zu leiden gehabt. Es war zugleich einer der am meisten mißlungenen
Versuche des XIX. Jahrhunderts, etwas von der Heiterkeit der alten Parterres herüberzu-
retten und die Blumen, die sich mehr und mehr scheu aus der Nähe des Hauses hatten
zurückziehen müssen, wieder dem Blick aus dem Fenster nahezubringen — das Resultat
ist aber nur ein Zeichen der Barbarei des Geschmackes. So steht Fürst Pückler da als
der letzte, der nach einer Seite mit feinem Sinne das Große und Bedeutsame des Land-
schaftsgartens lebendig erfaßt hat und doch als der erste das völlige Versagen dieses
Stiles für den Garten im engeren Sinne, die nächste Umgebung des Hauses, klar beweist.
Noch sollte der Landschaftsgarten lange Jahrzehnte eine fast unbedingte Herrschaft
ausüben, aber es war nach der Seite der Kunst hin eine Herrschaft der Unproduktivität.
 
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