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Paul Graupe <Firma> [Editor]; Paul Graupe (Firma) [Editor]; Kunsthandlung Doktor Otto Burchard (Berlin) [Contr.]
Auktion / Paul Graupe, Antiquariat (Nr. 20): Literatur und Kunst, Luxusdrucke: enthaltend: die Bibliothek des Herrn Dr. Hanns Boelcke, Heidelberg und eine andere Sammlung aus Privatbesitz; die Miniaturensammlung Schoppmeyer; Versteigerung am 13. und 14. Dezember 1918 — Berlin, 1918

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.33093#0017
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LITERATUR UND KUNST

Schätzung

waren hierbei zu überwinden, und nur unermüdliche und zäheste Qeduid hat es
ermöglicht, das ungeheure Material zu sichten und diese Techniken und be-
sonders die mit dem Verfall der Buchmalerei verlorsn gegangene herrliche
Reiiefvergoldung auf Pergament in einer den Originalen vöilig gleichwertigen
Weise auszuführen. — Besonders wertvoll sind heute die Aüfnahmen aus den
Bibliotheken von Paris, Reims, Laon, Epernay, Amiens, Arras, Douai, Rouen
usw., weil manches davon in den Flammen umgekommen sein dürfte.

Durch immer neue Fortschritte auf dem G'ebiete der Technik sowie des
Materials, die genaue Unterscheidung zwischen glattem (genetztem), rauhem
oder halbrauhem, gut oder mangeihaft zubereitetem Kalbs-, Ziegen- oder
Schafspergament, sowie die sehr verschiedene Ausfiihrung des Qoldes und
dessen Tönung waren oft Verbesserungen durch Neuausfiihrung von Tafeln
erforderlich. Die Sammlung beginnt mit altrömisch-alexandrinischen Proben,
enthäit byzantinische Beispiele der drei Perioden, merowingische Tafeln der
fränkischen, langobardischen und westgotischen Qruppen, irische Formen, angel-
sächsische Beispiele der Schulen von Lindisfarne und Canterbury und zeigt an
60 Tafeln die herrlichen Formen der karoiingischen Kunst mit frühkarolingischen
Beispielen, den Erzeugnissen der Palastschule, der Schule des Gottschalk,
der Schule von Tours mit ihren drei Perioden, den Sch.ulen von Reims, Metz,
der fränkisch-sächsischen Schule und der von Corbie. Ueber die spätkarolin-
gischen Einzelwerke und den neuen Federzeichnungsstil führt die Entwicklung
der Buchmalerei zur frühromanischen Kunst (Ottonischen Renaissance) mit den
Schulen der Reichenau, der Schule von Trier-Echternach, der Kölner Schule,
den norddeutschen, Regensburger, böhmischen, angelsächsischen, nordfran-
zösischen Schulen und den Erzeugnissen Südfrankreichs uhd ltaliens. Eine
Zeit hoher Blüte zeigt der hoch- und spätromanische Stil mit seiner Gliederung
in die Schulen von Salzburg, Regensburg, Pass.au, die schwäbischen, elsässi-
schen und andere siiddeutsche Schulen, die niederrheinische, westfälische,
sächsische und böhmische Schule, die romanische Kunst Nordfrankreichs, Bel-
giens, Burgunds und Südfrankreichs mit der Limousiner Schule, sowie Englands
An einem arabischen Evangeliar des 10. Jahrhunderts wird die prachtvolle
Kunst des Islam dargelegt und 11 Tafeln zeigen den Uebergangsstil zur Qotik.

Die Hochgotik Deutschlands, Frankreichs, Englands tind der Niederlande ist mit
31 und die Spätgotik mit 23 Tafeln vertreten, während die Renaissance an
51 Tafeln zeigt, wie der Name Miniatur (minium = Mennige) zum heutigen
irrtümlichen Begriff , Kleinmalerei“ führt. Der Verfall der Kunst wird durch
4 Tafeln veranschaulicht.

Von den 330 Tafeln des Werkcs, das eine vollständige Geschichte der Buch-
malerei darstellt, sind 295 im Format von 33 5 : 26 5 cm, 28 im Format von
48,5 : 33 und 7 im Format von 58 : 40 cm hergestellt.

Neben der großen Mehrzahl von Ganzblättern geben eine Reihe von Tafeln
eine Fülle von Initialen, Zusammenstellunge.n von Randleisten und Textproben
mit Initialen, um die Geschichte dieser Kunst möglichst vollständig zu gestalten
Auf Wunsch wird ein genaues Verzeichnis der Manuskripte, denen die Nacli-
bildungen entnommen -sind, zur Verfügung gestellt.

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