Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Günther, Hubertus
Bramantes Tempietto: die Memorialanlage der Kreuzigung Petri in S. Pietro in Montorio, Rom — München, Univ., Diss., 1973

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.5896#0075
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
- 65 -

^« Formale Vorbilder

Wir haben dargelegt, daß Bramante eine Memorie
über einem alten Heiligtum und um sie herum eine
Säulenhalle schaffen sollte, die sich den vorgegebe-
nen Klosterbauten von S. Pietro in Montorio anpaßt,
"ie besondere Form des Projektes läßt sich aus die-
sen Bedingungen, die außerordentlich kompliziert
waren, hinreichend erklären. Es läßt sich darüber
hinaus zeigen, daß die Form dem doppelten liturgi-
schen Inhalt des Projektes gerecht wurde. Als Anregung
für Bramante käme nur eine Anlage in Frage, die ähn-
liche Probleme, wie sie sich hier ergaben, bereits
Selöst hatte. Diese gab es m. W. nicht. Man darf nicht
ein Bauwerk völlig anderer Bedeutung wie das Seethea-
ter der Hadriansvilla für das Vorbild des Hofplanes
nalten, nur weil es ihm in manchen Zügen gleicht.*
Auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Grundriß des
^elsendomes in Jerusalem erweist noch lange nicht die
Absicht, auf das Hl. Grab anzuspielen.2 Da vor Bra-
■ttantes Projekt ausschließlich rechteckige oder ähn-
liche Klosterhöfe realisiert worden waren, scheint
Francesco di Giorgios Idealplan eines Observanten-
klosters mit einem runden Kreuzgang nicht unwesentlich,
wenn er auch mehr mit der schönen Form spielt, als
konkrete Zwecke erfüllt.3

Es war immer offenkundig, daO der Tempietto dem an-
tiken runden Peripteros mehr als allem anderen gleicht.
Schon Andrea Fulvio, der ihn in seinem Romführer von
*527 zum ersten Mal in einer Publikation bespricht,
betont seine Ähnlichkeit mit dem Vestatempel in Tivoli,

hier gleichsam als berühmtester Repräsentant einer
besonderen Tempelart steht.^ Bramante, der sich wäh-
rend der ersten Zeit der Planung am Tempietto vielleicht
n°ch in Mailand aufhielt, nahm keinen bestimmten antiken
 
Annotationen