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Günther, Hubertus
Bramantes Tempietto: die Memorialanlage der Kreuzigung Petri in S. Pietro in Montorio, Rom — München, Univ., Diss., 1973

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https://doi.org/10.11588/diglit.5896#0081
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*• Dorische Ordnung und Metopen-Reliefs

In der Wahl der Dorica als einheitlicher Ordnung
löste sich Bramante nicht nur von der modernen, son-
dern auch von der römischen Architektur.* Sie trat
dort fast ausschließlich in der Superposition aufj
Vitruv warnt vor ihrem Gebrauch,2 und schließlich gab
es keine sicheren Regeln für sie. Serlio beruft
slch deshalb bei der Behandlung der Dorica im vierten
Buch auf Bramante, statt auf Vitruv.^ Abgesehen von
formalen Überlegungen schien vielleicht die einfache
Und strenge Dorica einer Memorie besonders angemes-
sen. Die doppelte Ordnung, die Bramante für St. Peter
Plante, Dori ca und Korinthia, mag auf die zweifache
Bedeutung der Basilika als Grabbau und Kirche der
Päpste hinweisen.

In den Metopenfeldern des Gebälkes sind liturgische
Sjt^äte dargestellt. ~* Ihre seltsame Auswahl und Anord-
nutlg, die etwas an Bramantes für den Cortile del Bel-
vedere vorgesehene Hieroglyphen erinnert , kann nicht
S1cher gedeutet werden. Die Schwierigkeit ergibt sich
Vlelleicht nur daraus, daß eine notwendige Ergänzung
am Gebälk der Ringloggia fehlt. Immerhin scheint doch
eine gewisse Anspielung auf die Liturgie der Passions-
cage enthalten zu sein.

Liturgische Geräte erscheinen als durchlaufendes
Reliefband am korinthischen Fries des Vespasiaistempels.
''•'■lippino Lippi nahm dies zum Vorbild für die Fresken
der Grabkapelle der Caraffa in S. Maria sopra Minerva.
™* W. aber war nur ein dorisches Bebälk in der Art des
Tempietto bekannt, nämlich dasjenige am runden Mauso-
leum des Lucius Sempronius Atratinus in Gaeta, dessen
Ursprüngliches Aussehen Giuliano da Sangallo im Kodex
^arberini festgehalten hat.' Bramante hielt sich
 
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