Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Günther, Hubertus
Bramantes Tempietto: die Memorialanlage der Kreuzigung Petri in S. Pietro in Montorio, Rom — München, Univ., Diss., 1973

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.5896#0098
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
- 88 -

XIII. Bramantes Auftrag und seine Ausführung

Spaniens Aufstieg zur europäischen Großmacht spie-
gelt sich in einer stetig wachsenden Reihe von Kir—
chengründüngen und Restaurierungen in Rom. Die spa-
nische Krone maßte sich in zunehmendem Maße die Rolle
eines Verteidigers von Christentum und Papsttum an.
Diesen Anspruch bekräftigte sie durch ihre sogenann-
ten Verdienste um die Ausbreitung des wahren Glaubens
und die Vernichtung falscher Lehren: Eroberung von
Granada und Amerika. Andererseits strebte sie nach
dem Patronat über hervorragende Heiligtümer der ewige11
Stadt, an denen sie ihren heiligen Eifer beweisen
und sich Denkmäler setzen konnte.

Seit Calixtus III. Borgia erhielt S. Maria Maggiore
die prunkvolle Decke, die nach der Legende mit dem
ersten Gold, das die Eroberer aus Amerika brachten,
gefaßt wurde. Der Kardinal Pedro Gonzales de Mendoza
erneuerte großzügig S. Croce in Gerusalemme, wo das
Kreuz Christi aufbewahrt wird. Am Tage, als die Nach-
richt von der Einnahme Granadas in Rom eintraf, am
1. Februar 1492, entdeckte man im Triumphbogen den
Kreuzestitel wieder.

Das bedeutsame Zusammentreffen dieser beiden Er-
eignisse hob Bernardino de Carvajal, der Nachfolger
Mendozas als Titelkardinal von S. Croce, in der großen
Gedenkinschrift hervor, die er nach Abschluß der Reno-
vierung im Gang zur Kapelle der Hl. Helena setzte.
Die Vertreibung der Mohammedaner feiert er als Sieg
des Christentums. Einleitend würdigt er die kostbare
Reliquie seiner Basilika: Da die Hl. Helena das Kreuz
des Erlösers und die Erde des Kalvarienberges nach
Rom brachte, verdient die Stadt neues Jerusalem ge-
nannt zu werden. Hier wollte der Herr in Petrus wie-
 
Annotationen