Günther, Hubertus [Editor]; Bode, Michael [Contr.]
Deutsche Architekturtheorie zwischen Gotik und Renaissance — Darmstadt, 1988

Page: 194
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XV. REINHARD GRAF ZU SOLMS

„Ein Kürtzer Auszug unnd Überschlag, Einen Baw anzustellen, und in ein
Regiment und Ordenung zu pringen, mit denen so darauf! mit aller arbeit
seyn wurden." Köln 1556 (Abb. 2).

Reinhard zu Solms wurde am 12. Oktober 1491 geboren und in der Stifts-
kirche in Lieh getauft. Dies sind die einzigen bekannten Daten über seine
Kindheit; darüber hinaus weiß man nur, daß sein Vater Philipp (1468-1544)
für eine standesgemäße Ausbildung seines Erstgeborenen sorgte. Prägend
für den jungen Solms war wohl der Kontakt mit der Kriegswissenschaft,
für die sein Vater große Leidenschaft hegte. (Einen Überblick über den
Ursprung des Hauses Solms gibt Uhlhorn 1931; vgl. auch Gundlach 1897,
981-982. Alle Angaben zur Biographie Reinhards stützen sich im wesent-
lichen auf Uhlhorn 1952. Weitere grundlegende Lit. bei Bury, 17.)

Seit 1516 befand sich Solms im Gefolge Franz von Sickingens. Es war da-
mals Brauch adliger Familien, die Söhne einem berühmten Feldherrn zur
Erlernung der Kriegskunst anzuvertrauen. Diese Ausbildung trug bald er-
ste Früchte: Schon im Jahre 1518 wollte Herzog Albrecht d. Ä. von Bran-
denburg-Ansbach den jungen Grafen für ein halbes Jahr nach Preußen
holen, um dessen Rat in seinen Kriegsanordnungen zu benutzen (Voigt
1839, 533).

1522 schloß sich Solms wieder Franz von Sickingen an, der einen Feldzug
gegen den Trierer Erzbischof plante; im Heer Sickingens dienten berühmte
Männer wie der kaiserliche Feldzeugmeister Michel Ott. Philipp zu Solms
hielt schließlich seinen Sohn vom Feldzug gegen den Erzbischof ab, der
Franz von Sickingen die Reichsacht und den Tod bringen sollte (Baumann
1964. 38). Auch in der folgenden Zeit hielt Philipp seinen Sohn von der po-
litischen Bühne fern. Die Reichstage von Speyer 1526 und Augsburg 1530,
der Kampf zwischen Kaiser Karl V. und Franz I., der Abschluß des Schmal-
kaldischen Bündnisses 1531 und die Verhärtung der konfessionellen Fron-
ten wurden von Reinhard zwar verfolgt, doch noch konnte er sich nicht
entschließen, einer der beiden konfessionellen Parteien beizutreten.

Erst 1534 nahm Solms an einer großen kriegerischen Auseinanderset-
zung teil. Die Wiedertäufer in Münster vertrieben die bischöfliche Regie-
rung und die lutherisch Gesinnten aus der Stadt und errichteten ihr eigenes
Regiment (Barret/Gurgand 1984). Truppen katholischer und evangelischer
Reichsstände belagerten unter Führung von Fürstbischof Franz von Wal-
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