Hartlaub, Gustav Friedrich ; Poensgen, Georg [Honoree]
Georg Poensgens Wirken als Leiter des Kurpfälzischen Museums: eine Würdigung zu seinem 60. Geburtstag — Heidelberg, 1958

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Veranstaltungen mit meist älteren Malern gewidmet. Wir er-
innern uns der eindrucksvollen Karl=Rottmann=Gedächtnisschau
im Sommer 1950, der lehrreichen Ausschnitte aus Trübners Ge-
samtwerk im Februar 1951, der intimen Hinweise auf den we-
niger bekannten Christian August Koester, insbesondere auch
(im Herbst desselben Jahres) der Darbietung des gesamten rei-
chen Eigenbestandes an Werken von Ernst Fries, des führenden
Heidelberger Romantikers in der Malerei. Bei der sorgfältigen
Zusammenstellung von Studien Friedrich Prellers, des spät-
weimarischen Homerillustrators, war eine Beziehung zu Heidel-
berg freilich nur insofern gegeben, als es sich um hiesigen Pri-
vatbesitz handelte.

Mit der Gedächtnisausstellung um Liselotte von der Pfalz,Som-
mer 1952, setzte Poensgen seine groß angelegten historischen
Beschwörungen gesteigert fort. Dieser pompösen, höfisch=ba-
rocken Schau um die volkstümliche und schicksalumwitterte
Gestalt der Fürstin stellte sich anschließend im Frühjahr ein
andersartiges Unternehmen gegenüber: Einblick in das innere,
bürgerlich=geistige Heidelberg! Natürlich boten die Bilder und
Zeugnisse zur Geschichte der Universität ausstellungsmäßig
keine so dankbare Aufgabe; dafür handelte es sich um einen
uns alle viel direkter angehenden Bildungswert. Wieder häufte
sich ein großes - fast allzu großes - Material beziehungsreicher
Schaustücke aller Art, ein nicht leicht zu organisierender Stoff,
der zugleich einen großen didaktischen Apparat von erklären-
den Hinweisen erforderte, um das zu erfüllen, was sich die ehr-
würdige Hochschule selbst von dieser großartigen Selbstdar-
Stellung erwartete.

IV.

Angesichts all dieser manchmal etwas »atemlosen« Zusammen-
drängungen von ständigem und von temporärem Anschauungs-
stoff in einem und demselben, dafür doch etwas zu engen
Hause mußte es für Poensgen und seine Getreuen eine Be-
freiung bedeuten, als sich ihnen 1956 mit dem Jubiläumsjahr
des Regierungsantritts von Kurfürst Ott=Heinrich eine Chance
bot, ihre vielen Ausstellungspläne künftig in weiterem, un-
beengterem Rahmen zu entfalten. Bekanntlich war der Palast,

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