Universität Heidelberg [Hrsg.]
Akademische Mitteilungen für die Studierenden der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg: Winter-Halbjahr 1897/98

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1897/98

Heidelbekgee Akademische Mitteilungen

Nr. 11

Göttingen. I)r. Martin Brendel, bisher Privatdozent
in Greifswald, hat einen Ruf als ausserordentlicher Professor
der Astronomie an unsere Universität erhalten und ange-
nommen.

Jena. Der Privatdozent für Physik an hiesiger Uni-
versität, Dr. Kudolf Straubel, wurde zum ausserordentlichen
Professor ernannt.

München. Die philosophische Fakultät der hiesigen Uni-
versität hat dem Ingenieur und Elektriker Friedrich v. Hefner-
Alteneck, sowie dem Ingenieur und Fabrikbesitzer Sigmund
Kiefler die akademische Würde eines Doktor philosophiae
lionoris causa verliehen.

Utrecht. Hier starb, 66 Jahre alt, der Professor für
Strafrecht S. M. Pols.

Wien. Der Professor der Reichs- und Rechtsgeschichte
an der hiesigen Universität J. A. Tomaschek ist am 9. Januar
gestorben.

Sprechsaal.

Ohne Verantwortung der Schriftleitung.

Zuschriften ohne Namensangabe werden nicht berücksichtigt. Die Namen der Ein-
sender hält die Schriftleitung natürlich geheim.

l)ie Moldenhauer’sclie Broschiire.

Ein Herr X. hält es für nötig, in der letzten Nummer
der „Heidelberger Akademischen Mitteilungen “ mein Referat*)
iiber Moldenhauer: „Das Korpsstudententum und seine Be-
deutung“ zu besprechen. Es ist erfreulich, dass der Yerfasser
der Erwiderung unparteiisch genug ist, die Moldenhauer’sche
Broschüre für berechtigt zu halten. Er steht auch auf dem
gleichen Standpunkte wie ich: Die Angriffe gegen den Waffen-
studenten abzuwehren.

Wenn jedoch Herr X. behauptet, ich hätte für die Korps
Propaganda machen wollen, so befindet er sich im Irrtum.
EineReklame brauchen dieKorps nicht! Hätte
ich eine solche beabsichtigt, so würde eine nackte Korps-
statistik genügt haben. Bei der Abfassung des Referates
hat mich das Gefühl geleitet, grade den Korps, über welche
die meisten Vorurteile im Publikum herrschen, ein gerechtes
Urteil angedeihen zu lassen. Herr X. darf daher überzeugt
sein, dass sich das Referat weder gegen die alten angesehe-
nen Burschenschaften noch gegen andre Waffenverbindungen
richtet.

Auch ich stimme nicht mit allen Ansichten Moldenhauers
überein, so z. B. nicht mit dem Urteil über die Fachvereine.
Diejenigen wissenschaftlichen Vereine, welche, wie die natur-
wissenschaftlichen, eineallgemeine Bildungswissenschatt
ihren Mitgliedern bieten und ihre Abende auch andern Fakul-
tätsangehörigen zugänglich machen, erfiillen den Wunsch
Zieglers vollkommen.

Herr X. wendet sich hauptsächlich gegen den Schluss
meines Referates:

„Die Begeisterung, mit der Moldenhauer seine Saclie ver-
teidigt, ist erklärlich: Moldenhauer ist alter Korpsstudent.
Aber wer aueh als Nicht-Angehöriger eines Korps (wie der
Referent) seine Erfahrungen im täglichen Verkehr mit der
akademischen Jugend gesammelt hat, wird bestätigen müssen,
dass das Ansehen der Korps, das weit über deutsche Grenzen
reicht, ein wohlbegründetes ist. Dieses Ansehen beruht nicht

*) Heidelberger Tageblatt Nr. 288. Das Tageblatt hat folgenden
Vassus fortgelassen: „In Parlamenten, in denen man zwar nicht mit
scharfer Klinge, oft aber mit scharfer Zunge kiimpft und wo der Prä-
sident als „Unparteiischer“ den Paukanten nicht einmal wegen Unge-
hörigkeit abtreten lassen kann, ist gegen den Geist der schlagenden
Verbindungen gewettert worden. In der Presse, besonders demjenigen
Teil der Tagespresse, der unter dem Motto: „ Was dementieren wir
morgen“ das Sensations-Bediirfnis seiner Leser zu befriedigcn sucht,
werden fortgesetzt unwahre oder übertriebene Mitteilungen über die
Waffenverbindungen, hauptsächlich tiber die Korps verbreitet.“

allein auf dem Alter der Korps, sondern vor allem auf der
straffen Disciplin und dem Umstande, dass die Korps
gleich dem Offizierskorps sich aus den besten Erziehungs-
kreisen rekrutieren.“

Herr X. meint dem gegenüber, dass die straffeDis-
ciplin sich auch bei anderen Korporationen finde. Das
ist für einzelne Fälle auch nicht zu bestreiten. Herr X.
findet ferner, dass die bestenErziehungskreise, wenn
man sie nicht nach dem „Geldbeutel“ schätzt, nicht nur
bei den Korps, sondern auch in der übrigen Studentenschaft
vertreten sind.

Dieses generelle Urteil ist schon deshalb nicht aufrecht
zu erhalten, weil die Zusammensetzung der Studentenschaft
sich auch nach lokalen Verhältnissen richtet. Heidelberg
beispielsweise zählt eine Reihe von schwarzen Verbindungen,
die sich aus den gleichen Elementen, wie die Korps zu-
sammensetzen und auch ein vorzügliches Ansehen geniessen.
Es wäre jedoch verfehlt, das Urteil über diese exquisiten
Verbindungen auf manche schwarze Verbindung anderer Uni-
versitäten zu übertragen. Dass dem Korpsstudenten der
„Geldbeutel“ zur Verfügung steht, halte ich für kein Un-
glück, dass aber der angehende Korpsstudent neben sonstigen
guten Eigenschaften durchwegsdienationale Gesinnung
von Hause mitbringt, halte ich für ein Glück.

Als Beweis, dass auch innerhalb des Korps nicht die
beste Erziehung herrscht, führt Herr X. die Theaterskandale
an. Es ist jetzt das vierte Mal, dass die Presse an den
letzten Theaterskandal anknüpft, — beinahe mehr Lärm, wie
der Theaterskandal selbst. Niemand wird die Theaterskandale
billigen; wer aber von diesen Einzelfällen einen allgemeinen
Schluss auf die Erziehung im Korps zieht, zeigt sich als
vorsätzlicher Gegner der Korps.

Die persönliche Schlussbemerkung des Herrn X. er-
widere ich nicht in gleicher Weise. Ieh nehme an, dass der
Herr Verfasser mich nicht kennt, ebenso wie mir X. eine
unbekannte Grösse ist. M—e.

Yeranstaltungen tler Vereine.

Sozialökonomische Vereinigung. Freitag, den 21. Januar,
8 Uhr c. t., Museumswirtschaft. Vortrag des Herrn
stud. med. Neu: „Zur Hygiene des Arbeiters des Ge-
werbes und der Industrie“.

Theater. — Kunst. — Konzerte. — Vorträge.

Stadttheater in Heidelberg. Sonntag, den 16. Januar:
„Der Obersteiger“. Operette von Zeller. Montag: „Die
goldene Eva“. Lustspiel von Schönthan und Koppel-Ellfeld.

Ermässigte Preise fttr Stndierende
Parterre .... Mk. —.70
Sperrsitz .... „ 1.20

Hof- und Nationaltlieater Mannheim. Sonntag, den
16. Januar: „Lohengrin“. Oper von Richard Wagner. An-
fang 6 Uhr.

Karten sind gegen Vorzeigung der Immatrikulationskarten zu er-
mässigten Preisen an der Theaterkasse erhältlich. Zum Kassenpreis
sind Sperrsitze in Heidelberg bei Herrn Hochstein, Musikalienhandlung,
Hauptstrasse 122, zu haben.

Im grossen Saal der Harmonie. Dienstag, den
18. Januar 1898, abends x/28 Uhr: Quartett-Soiree des
Miinchener Streich - Quartetts: Benno Walter, K. Konzert-
meister und Professor (I. Violine); Hans Ziegler, K. Kammer-
musiker (II. Violine); Ludwig Vollnhals, K. Kammermusiker
(Viola); Franz Bennat, K. Kammermusiker (Violoncell).
Studentenkarten Mk. 1.— bei Eugen Pfeiffer, Musikalien-
handlung.
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