Universität Heidelberg [Hrsg.]
Akademische Mitteilungen für die Studierenden der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg: Winter-Halbjahr 1897/98 — Heidelberg, 1897-1898

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Nr. 14

Heidelbehgeii Akadehische Mitteilungen

1897/98

danke besonders wohlthuend gewesen sei, den ärztlichen
Kollegen Nützliches zur Erfüllung ihrer eminent humanen
Aufgaben in die bewährten Hände gegeben zu haben.

In seiner folgenden Hauptarbeit wiederum von der
Nierenfunktion ausgehend und nach seinen schönen Unter-
suchungen über die Wirkung des Cotfei'ns, fand er keine
ßuhe, bis er nicbt alle den Zweck des Mittels oft vereiteln-
den Nebenwirkungen durch zahlreiche Thierexperimente aus-
geschlossen hatte. In dem, chemisch dem Cott'ein unmittel-
bar verwandten Theobromin fand er dann das vollkommenere
Mittel und indem er dieses in eine löslichere, leiclit in den
lebenden Körper eintretende Yerbindung umzuwandeln wusste,
gelangte er an die Herstellung des dem Menschen geeigneten
Medikaments.

Unsere nächsten Kollegen sind Zeugen der Wohlthat,
die er damit in den schwersten Erkrankungen Leidenden
ohne Zahl gewährt hat, welche Linderung und wie oft Ver-
längerung des Lebens.

Diese Untersuchung war nicht nur durcb ilire unmittel-
bare praktische Verwendung höclist wertvoll geworden, son-
dern sie darf an sich als eine der grössten Leistungen der
Pharmakologie gelten, ja für ein klassisches Muster exakter
induktiver Forschung. Gründliche Kenntnis der organischen
und der physiologischen Chemie, ausgedehnte Erfahrung
auf dem schwierigen Gebiete des Einflusses der Nerveri auf
den Blutkreislauf und vollendete Kunst des Experimentierens
am Lebenden mussten sich vereinen, um diesen Erfolg zu
erreichen. Jahre sind seit diesefr Entdeckung dahingegangen,
ohne die allgemeine Anerkennung dieser, nur einem Forscher
von Schroeders Feinheit und Sorgfalt möglichen Leistung
vermindert zu haben.

Mit Schroeders im Oktober 1890 nach Heidelberg er-
folgter Berufung hat unsere Universität einen Lehrstuhl ge-
wonnen, der vorher mehr dem Namen nach und in zweck-
widriger Verbindung mit andern Fächern, als in Wirklichkeit
bestanden hatte. TJnser nharmakologisches Institut ist seine

|gerichtet, alte Käume
’ den Unterricht darin
Publikationen seiner
^e Ausbildung unserer
der Schülerarbeiten,
iemacht haben, beruht
ler’scher Gedanken und
1 und persönlichen An-
jitige wissenschaftliche
|ie breite kräftige Ge-
Experimentiertischen,
Jditigen Kopfes zeigend
|i ein Wort über den
liess.

■tiat, wusste, dass ihn
lit vollkommen befrie-
lrdentliche Bescheiden-
ler theoretischen Seite
pte Natur. Hätte er
[jtischen Chemie über-
dieser Wissenschaft
Ikonnten ihn zu heller
jirnder Hingebung hing
lunserer Grundwissen-
Iseines Lebens schätzte
ast täglichen Verkehre
|zehrt bis in die letzte
es erfahren hat, was
:es bis in das höchste
bedeutet.

3 und Erhebendes ent-
Jene sollte es, solange
Das tückische Leiden,
deiteten, erzwang sich

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zu oft Beachtung und warf ihn wiederholt für Wochen nieder.
Fast immer beängstigt war er genötigt auf grösseren Ver-
kelir beinahe zu verzichten. Behagen fand er vorwiegend
in ernstem Gespräch mit Wenigen, das ihn um so mehr
erfrischte, je vielseitiger es war. Altersgenossen erinnern
sich besonders seines lebhaften Interesses für Deutsche Lit-
teratur, aber auch für archäologisch-historisches Wissen.
Was aus der Enge der Fachwissenscliaft heraustrat, bewegte
ihn am meisten. Man brauchte nur Helmholtz’s Namen aus-
zusprechen, um bald mit ihm in die Tiefen physiologischer
Erkenntnistheorien zu gelangen, unter oft leidenschaftlichen
Ausbriichen gegen nicht wenige philosophische Schulen.

Manche unter uns haben in ihm einen warmen Freund
verloren; denn Zuneigung zu gewinnen und sich zu erhalten,
war ilim Bedürfnis. Nicht jedem mochte seine ausgeprägt
nordische Natur diesen Anschein erwecken, am wenigsten,
wo der ihm eigene baltische Partikularismus hervortrat, den
er bei aller Hingabe und Begeisterung für Deutschlands Grösse,
bewahrte. Politiscbe Ditt’erenzen haben ihn aber niemals ge-
hindert, mit den Freunden die alten Verbindungen zu erhalten,
gleichviel in welcher Ferne sie lebten.

In dem Optimismus, der Leidenden seiner Art zu ihrem
Gliicke eigen ist, belebte ihn jede wirkliche oder vermeint-
liche Besserung zu neuen Hoffnungen und zu neuer Thätig-
keit. Immer wurde der Kampf wieder aufgenommen mit
bewunderungswürdiger Energie, besonders nach jeder Heim-
kehr aus dem Süden. War es ärztlicher Fürsorge und eigener
Vorsicht mehrfach gelungen die inneren Störungen zu ver-
langsamen und selbst zum Stillstande zu bringen, so sollte
er ihnen endlich doch erliegen. An Momenten traurigen Ver-
zagens, ja der Verzweiflung iiber die drückende Thätigkeit,
immer nur mit halber Kraft, hat es begreiflich nicht gefehlt.

Dennoch sahen wir ihn wie zu neuem Leben erwacht
in der Zeit, da er sich Heim und Herd geschaffen liatte.
Ihn verklärte das eheliche Glück, die Begründung der Familie.
Wolil ilirn, dass es ilitn noch geworden ist, das immerdar
echte Menschenglück, wie kurz es auch bemessen sein sollte.
Ahnungslos, am Abend vor dem Ende sich noch einmal merk-
würdig kräftiger fühlend, ist er von uns geschieden, ohne
Kampf, im Schlafe entschlafen.

Wir werden ihn niemals vergessen. Ehre und Liebe
seinem Andenken!

Yeranstaltimgen rter Yereine.

Histor.-philos. Verein. Montag, den 7. Februar 1898,
8 x/4 Uhr im roten Saal des Museums: Vortrag des Herrn
L. W i 1 s e r: „ Die Entwicklungsgeschichte der Buchstaben-
schrift“.

Sozialökonoinisclie Vereinigung. Freitag, 11. Februar,
8 Uhr c. t„ Museumswirtschaft. Vortrag des Herrn
stud. cam. Hormuth: „Wirtschaftliche Betrachtungen
über die Zeitpacht“.

■w

Theater. — Knnst. — Konzerte. — Yorträge.

Stadttheater in Heidelberg. Sonntag, den 6. Februar:
„Dr. Klaus“. Lustspiel von L’Arronge. Montag, 7. Februar;
„Der Troubadour“. Oper von Verdi.

Ermässigte l’reise fiir Stndierende
Parterre .... Mk. —.70

Sperrsitz .... „ 1.20

• Hof- und Nationaltheater Mannlieim. Sonntag, den
6. Februar: „Undine“. Oper von Lortzing. Anfang 6 Uhr.
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