Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 24,2.1831

Page: 1008
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1008 Herbst, HibHothcb christlicher Denker.
reine Denken, wird sieh nie über die Form der Negation
des Seyns erheben können , ein Positives giebt es nur
aufser und über dem Begriff; und da ferner der blofse
Begriff das Uebersinnliche, das Ewige nie erfassen kann,
sondern dies nur a!s unmitteibare Thatsache der Vernunft,
aiso ais Positives der Vernunft, gefunden werden kann,
so ist es aiierdiugs wohibegründet, wenn man diese ietz-
tere phiiosophische Ansicht, ais die der reiigiösen Weit-
ansicht aiiein fähige, vorzugsweise eine christiiche Phi-
losophie nennt. Wenn wir nun aber weiter Zusehen, in
weichem Sinne derVerf dieses Positive ais nothwendigen
Charakter der christiichen Phiiosophie fordern, und dies
in die Phiiosophie einzuführen als die höchste Aufgabe
der Phiiosophie unserer Zeit ansieht, so bemerken wir
bald, dafs er noch etwas anders damit woiie, als das,
was so eben dargestelit wurde. Dies wird zunächst schon
darin sichtbar, wie er, mitFr.Schiegel, Kant als den-
jenigen betrachtet, der den Begriff des Negativen in die
Weltweisheit eingeführt habe, und nun diesem gegen-
über die Einführung des Begriffs des Positiven sucht.
Zwar soli die theiiweise Wahrheit dieser Behauptung in
Beziehung auf Kant nicht in Abrede gestellt werden;
nur darf man auf keinen Fall in demselben Sinne Kants
Philosophie einen blos negativen Charakter zuschreiben,
wie der ihm vorausgehenden Phiiosophie der Aufklärung
oder der Wölfisch-eklektischen Pepularphilosophie in
Deutschland, denn im Gegensatz gegen diese mufs man
gerade Kant das Verdienst zuerkennen, das Positive in
die Philosophie eingeführt zu haben, indem er gegen
die leere Logik und den flachen Empirismus dieser Schule,
eine reine Vernunftwahrheit des Seyns an sich, wieder
geltend machte, und so der Philosophie, die in Natura-
lismus versunken war, wenigstens im Moralischen, einen
reinen Gehalt, also etwas Positives, wieder gab.

^Per Besc7i?u/s
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