Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 24,2.1831

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N". 65 HEIDELB JAHRB. D. LITERATUR. 1831.

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Der Genius in subjektiver Gestalt 1) ist, was
wir Schönheit der Seele nennen können, in drei-
facher Art, als Gemüth (wobei wir auf den höchst
eigentümlich entwickelten Gegensatz von Geist und
Seele aufmerksam machen, der auch sonst wohl viel-
fach zur Sprache kommt (S. 372 ff), als Talent, und
als Genius (im engem Sinne). In letzterm durchdringt
sich lebendig Gemüth und Talent, worüber Neues und
Treffliches gesagt wird, wie über die weltgeschicht-
liche Bedeutung desselben. — Die objektive, unmit-
telbare Form der Erscheinung des Genius 2) ist nun
zuerst die Naturschönheit, sich darstellend in dem
Totalbilde der selbstlosen Naturdinge; sodann der phy
siogno mische Ausdruck, als die unmittelbare
und äufserliche Gestalt einer geistigen Individualität
überhaupt, wohin der Verf auch das rechnet, was in
der Kunst Stil und Manier heilst, das unmittelbare und
oft ünwillkührliche Sichgebehren derselben in der ein-
zelnen Persönlichkeit. Endlich findet er drittens die
höchste objektive Gestalt des Genius in der National-
sitte, als dem Ausdrucke der Volksindividualität, und
seiner unmittelbaren Auffassung und Gestaltung der
ästhetischen Ideen (Thl. II. S. 443.). Aber warum
nur der ästhetischen, und nicht auch der rechtlichen
und sittlichen? Ueberhaupt drängt sich in dieser
Sphäre der Betrachtung, was hier freilich nur ange-
deutet werden kann, die Sittlichkeit so nahe an den
Begrifl der Schönheit heran, dafs beide kaum ohne ein-
ander scheinen recht begriffen werden zu können, ein
Umstand, auf welchen wir überhaupt bei dieser Gele-
genheit hinweisen wollen. Es konnte nicht fehlen, dafs
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