Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 24,2.1831

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N°. 74. HEIDELB. JAHRB. o. LITERATUR. 1831.

Dr. Rö/tr's ordere jP?*ec??^e7z.
(Resc7^M/s.^
Mit aller Verehrung, die ich für den Verf. unaus-
gesetzt habe, gebe ich fo!gende Betrachtungen zu be-
denken : Der Glaube, dafs Gott Christus von den Todten
erweckt habe, kann bei nachdenkenden Zuhörern nicht
unentwickeit bleiben. Sie werden sich viehnehr fragen :
Sollen wir diese Wiederbelebung so denken, wie alles,
was geschieht, nicht ohne Gott, das ist, nur durch den
Zusammenhang der unvollkommenen Kräfte mit Gott als
dem vollkommenen Kraftwesen geschieht? Oder haben
wir zu denken, dafs diese Thatsache durch einen anders-
artigen , nichtbegreiflichen Einflufs der vollkommenen
Kraft erfolgt sey? Die Behauptung, dafs jener unbe-
streitbare Erfolg in das Gebiet des Unbegreiflichen ge-
höre, oder als Etwas für immer Unbegreifliches gesche-
hen sey, können die Nachdenkenden doch nur alsdann
annehmen, wenn sie erst versucht haben, ob das Be-
wirkte durch keine begreifliche Möglichkeit von zusam
menwirkenden Ursachen aus der uns bekannten göttlichen
Weltordnung, das heilst, von dem regelmäfsigen Zu-
sammenhang der vielfachen Naturkräfte mit Gott, abzu-
leiten sey? Denn von dem Unbegreiflichen ist doch
nicht eher zu reden, bis man im Gebiet des Begreifli-
chen die Möglichkeiten aufgesucht hat, und durchaus
keine zu finden gewifs ist. Auf jeden Fall wäre dem-
nach das Rathen über begreifliche Ursachen des Erfolgs
nicht zwecklos, noch weniger etwas Verkehr-
tes, weil selbst der Zweck, eine Unbegreiflichkeit der
Thatsache zu behaupten, nicht zu erreichen ist, ohne
dafs alle (nicht ganz ungehörige) Versuche, sie zu be-
greifen , vergeblich gemacht wären. Es scheint also da-
durch, dafs man die Auferstehung Jesu vorerst im Gebiet
XXIV Jahrg. 12 Heft. 74
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