Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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882 Grüneisen: Niclaus Manuel; Leben u. Werke.
theils berichtigt, theils vervollständigt sind $ die Bernischen
Pakten- und Testaments-, Missiven- und Instructionsbücher,
die Simmlersche Sammlung in Zürich, die noch ungedruck-
ten Chroniken von Stettier und Bulünger, die gedruckten von
Anshelm, Stettier, Schilling, Tschachtlan, Justinger, Wursti-
sen; nebst Mittheilungen aus Tschudi, Salat und Kefsler. Die
Schriften Manuels hat der Yerf. nächst der Schweiz in Mün-
chen, Stuttgart und Weimar aufgefunden, und 8 Jahre lang
danach geforscht, dennoch ist von einem unzweifelhaft vor-
handenen Werke erst ein Bruchstück gerettet. Dann wer-
den vom Herrn Yerf. auch noch die entfernteren Hülfsmittel
aufgezählt, und es wird noch besonders von ihm darauf auf-
merksam gemacht, dafs über Manuels öffentliche Wirksam-
keit im Staatsdienste in unzähligen Fällen nur die obrigkeit-
lichen Aufträge vorliegen, dieser Theil der Erzählung also
am meisten fernerer Aufhellung bedürftig sey. Die Schriften
Manuels sind je nach der muthmafslichen ältesten Ausgabe
genau abgedruckt, mit Beimerkung wichtigerer Varianten.
Hinsichtlich der künstlerischen Seite macht der Vf. gerechten
Anspruch darauf, einen der gröfsten deutschen Meister des
Jahrhunderts zu verdienter Anerkennung gebracht zu haben.
Das Werk selbst beginnt mit einer Einleitung, die sich
vor allen Dingen mit der Vielseitigkeit jener ausgezeichneten
Männer, in deren Zahl Manuel durch die historischen Reve-
lationen des Verfs. hinfort einzureihen ist, und mit den Ur-
sachen dieser vielfachen Tüchtigkeit geistvoll und in gedrun-
gener Darstellung beschäftigt (S. 1—7), und sodann uns den
Schauplatz von Manuels Leben und Wirken durch den ge-
schichtlichen Rahmen der Vor- und Mitzeit näher vor die Au-
gen rückt. Der Zustand der weniger alten, als schnell wohl-
begüterten und volkreichen Stadt Bern, um die Wende des
fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts, und die cigen-
thümliche Gestalt, welche hier das Princip der Freiheit er-
halten, wird geschildert. „Eine in einfacheren Zeiten und
bei guten Sitten wohlthuende aristokratische Verfassung hatte
sich gebildet, und anfänglich demokratische Elemente theils
abgestreift, theils in sich verschmolzen, und stand den Bräu-
chen und Ordnungen der Volksfreiheit und des Gesammtwil-
Iens in den Urkantonen in eigentümlichem Gepräge gegen-
über. “ Dann wird gezeigt, wie neben diesen eigentümli-
chen Verhältnissen das gemeinsame Interesse der Eidgenos-
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