Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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Grüneisen: Nielaus Manuel; Leben u. Werke.

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senschaft ihre politische Selbstständigkeit und jedem einzel-
nen Stande seine Wohlfahrt hätte sichern sollen; wie aber
aus der Siegesfreude bei Murten der Ühermuth und die trotzige
Kampflust bei den Schweizern erwachte und fremden An-
erbietungen nur zu willig mit der Unabhängigkeit die Ehre
zum Opfer brachte. (Schilderung des sog. Reislaufens. S. 9 ff.)
Bern, obgleich mit dem Könige von Frankreich innig ver-
bunden, sträubte sich gegen diesen Unfug, und behielt die
gemeinsamen Angelegenheiten, neben dem eigenen Vortheile,
mehr im Auge. „In diese bereits verworrenen Zustände trat
nun die Kirchenverbesserung ein, und hatte den Sauerteig
einer veredelnden Durchbildung der bürgerlichen wie der
geistlichen Verhältnisse zum Inhalte, aber im Gegentheil eine
noch entschiedenere und bleibende Zerstreuung der Eidgenos-
senschaft zur Folge.“ Zwischen dem reformatorischen Eifer
Zürichs und der katholischen Reaktion versuchte Bern zuerst
die Rolle einer besonnenen Vermittlung, trat dann auf die
Seite der Glaubensänderung herüber, trachtete aber dieselbe
mehr durch ruhiges An- und treues Zusammenhalten der pro-
testantischen Eidgenossen unter sich und mit ihren Glaubens-
genossen in Deutschland, als durch Sturm und Kriegslärm zu
befestigen und sicher zu stellen. Auf diesem Schauplätze und
in diesem Sinne sehen wir auch den Helden des gegenwär-
tigen Buches handeln. (S. 7 — II.)
Hierauf folgt eine detaillirte Darstellung desjenigen, was
der Reformation zu Bern zunächst voranging, insbesondere
des durch Manuel selbst geschilderten ärgerlichen Jezer’schen
Handels, d. h. der Geschichte der vier schweizerischen Ke-
tzermönche, welche neuerlich dem grofsen Publicum sogar
aus einer mit Recht gerühmten Novellensammlung bekannt
geworden, in welche sie jedoch unsers Dafürhaltens nicht mit
Recht eingereiht worden ist. (S. 11—25.) „Diese und ähn-
liche Geschichten, welche nur einzelne lautschreiende Zeugen
von dem Zustande des Glaubens und der Geistlichkeit jener
Zeit sind, fallen mit dem Eintritte Manuels ins männliche Al-
ter und in die öffentliche Wirksamkeit zusammen, und sind
vorzugsweise die Gegenstände und Veranlassungen seines
Thuns und Dichtens geworden.“ Die Art, wie Manuel wirkte,
wird sodann weiter aus den Sitten seiner Zeit und dem Ein-
drücke dieser Vorfälle und Verhältnisse, den er bereits unter
seinen Zeitgenossen vorfand, erklärt. Es wird gezeigt, wie
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