Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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Römische Literatur-Litenärgeschichte.

diesem Schriftsteller an 5 aber, wo er dessen Mafsbestimmun-
gen mit der Antike an Ort und Steile selber verglich, kam
es ihm vor, als hätte Vitruv Griechenlands Bauwerke weder
gesehen noch gekannt! „die Lehre Vitruv’s ist römischer
Natur, ist Erbe nicht Erwerb“ (S. 46 vergl. auch S. 61). Bei
dem grofsen Ansehen, dessen sich bisher Vitruv erfreute,
als einzige Quelle des Alterthums, bei dem grofsen Einflufs,
den er auf diese Weise ausübte, werden solche Urtheile dop-
pelt zu berücksichtigen seyn!
Die nun folgenden drei Aufsätze des Herausgebers oder
Nr. IV bis VI haben Leistungen der neueren Kunst zu ihrem
Gegenstände; der erste schildert „Julius Schnorr von Karois-
feld und seine neuesten Compositionen“, der zweite wirft
einen „Blick auf Peter von Cornelius und die Frescomale-
reien in den Loggien der Pinakothek zu München“ 5 der
dritte: „Maximilian I, Kurfürst von Baiern. Standbild von
L. Schwanthaler“ giebt von dieser Colossalstatue Nachricht
und dient so selbst zur Erklärung des beigefügten, in Stein
gravirten Umrisses dieses Standbildes. Ähnliche Zeichnun-
gen sind den beiden vorhergehenden Aufsätzen beigefügt 5
so wie eine Erläuterungstafel der architektonischen Abhand-
lung. Dafs diese Zeichnungen und Umrisse ganz vorzüglich
ausgeführt sind, dürfte zu bemerken kaum nöthig seyn, so
wie auch die ganze äufsere Ausstattung höchst befriedigend
genannt werden kann.— Correspondenznachrichten aus Mün-
chen machen den Beschluß.

Denkschriften und Briefe zur Charakteristik der Welt und Lite-
ratur. {Bon Dr. Durow). Zweiter Band. Berlin, ferlag von
Alexander Duncker. 1838. VllL und 251 S. in gr. 8. (Mit dem Motto
auf dem Titel: Bleiht der Welt in keinem Falle Ein Geheimnif's doch
verhehlt, Keinem Einz’gen wird’s erzählt, Und am Ende wissen’s Alle).
Das Interesse, das die Mittheilungen des ersten Bandes er-
regt haben (s. diese Jhrbb. 1838 p. 924f.), wird durch den Inhalt
dieses Bandes nicht verringert, ja in manchen Beziehungen noch
erhöht; es genügt zu diesem Zwecke nur Weniges daraus an-
zuführen, und dabei zugleich unsere Leser wiederhokIt zu
versichern, dafs bei dieser Bekanntmachung einzelner Briefe
bedeutender und einllufsreicher Männer einer bald mehr oder
minder an uns schon vorübergegangenen wichtigen Zeitpe-
riode stets die gebührende Rücksicht beobachtet worden,
die weder persönliche noch andere Verhältnis* verletzt und
so dem Andenken der Briefsteller selbst, von denen nur noch
ein und der andere am Leben ist, keineswegs in einer Weise
nachtheilig ist, wie sie in der neuesten Zeit mit Recht Ge-
genstand ernster Rüge geworden ist.

( Der Schlufs folgt.)
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