Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 33,2.1840

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N°. 42.

HEIDELBERGER

1840,

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Consideralions sur la nalure de Vkomme par le comte
de Hedem.
{Fort setz ung.)
Wir müssen also ein Erstes suchen, ein Höheres, aus wel-
chem die Einheit entquillt. Dieses ist das Eine, xo ev. Um
es zu begreifen, muss man sich über Alles erheben, von Allem
losmachen. Es sicht höher als die Vernunft, als das Denken. Es
steht über Alles: es ist das Ursprüngliche, ein Urseyn, ein Seyn
ohne Prädicate. Sein Wesen ist die zeugende Urkraft, die Mög-
lichkeit aller Dinge, welche es virtuell ent hält, jedoch ohne dass
sein eigenes Seyn auf irgend eine Weise bestimmt werde. Es
hat weder Quantität noch Qualität, weder Bewegung" noch Ruhe,
es ist weder im Raume noch in der Zeit, man kann cs unter kei-
nen Begriff bringen, denn es ist über allen Begriff. Das Eine ist
der Grund aller Dinge; alles entspringt aus demselben, aber ohne
irgend eine Veränderung seines Seyns, es bleibt immer in seiner
Ganzheit identisch.
Das Eine schauet sich an, und aus der Fülle, dem Ueberströ-
men seines Seyns, wird die Intelligenz (kW) erzeugt. Die In-
telligenz ist das Nachbild des Einen, und hat von demselben die
Möglichkeit aller Dinge empfangen. Indem die Intelligenz das
Eine anschauet, gelangt sie zur Duplicitüt (Subjectivität und Ob-
jectivität), in welcher sich das Anschauende von dem Angeschaue-
(en unterscheidet. Indem sie sich selbst anschauet, schauet sie
ihre Vorstellungen alles Möglichen an, und in dieser beständigen
Thätigkeit und Bewegung schafft sie die intelligible Welf, welche
mit ihr eins und in ihr ist. Die intelligible Welt ist ein lebendes,
ein Wclt-Thier (Schelling's organisches Ganze , denn alles, was
von der Intelligenz ausgeht, hat Beben. Ihr Denken kann nicht
Statt finden ohne Identität und Differenz, welche in jedem Objecte
enthalten sind, und der Gedanke ist mit dem Seyn identisch. Was
die Intelligenz denkt, das setzt sie auch. Ihr Denken ist eine
Bewegung, welche alles Leben und alle Realität begreift. Alle
XXX111. Jahrg. 5. Heft. 42
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