Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 33,2.1840

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43. HEIDELBERGER (840.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Considerations sur la nature de l'homme pur le comte
de Redern.
(Beschluft)
Absolut-Negative, die Negation des Positiven sey: es ist bloss
das völlige Auslassen alles bestimmenden Inhalts, ohne auf Affir-
mation oder Negation zu sehen; das Nichts, wenn es irgend Et-
was seyn kann, führt hingegen etwas Negirendes mit sich, ob es
gleich eben so bestimmungs- und gehaltlos als das reine Seyn
ist, also in dieser Rücksicht aber nicht an sich, dasselbe heis-
sen mag.
Hegel’s eigentlich zeugendes Princip ist die wesentlich con-
crete Idee (!) mit Bewegung, stehend unter einem höchsten Be-
griff, der höher als alle allgemeinen Begriffe ist, dem Freien,
der für sich seyenden Macht der Substanz. Der Gang ist ziem-
lich derselbe wrie bei Schelling, nur dass dieser einmal das Ab-
solute und das andere Mal das Ich wegen seiner doppelten Cos-
mogonie gebraucht. Die Idee wird zu Unterbegriffen logisch con-
struirt, und diese werden zur Construction alles Wirklichen an-
gewendet, so wie es nach dem jetzigen Zustande des menschli-
chen Wissens thunlich ist. Schelling ist mehr Kantisch, Hegel
im Gegentheil tadelt Kanten bei allen Gelegenheiten. §. 39—-40
sagt er sogar in Beziehung auf den Empirismus: Es ist die
richtige Reflexion gemacht worden, dass in Absicht auf die bei-
den Elemente der Erfahrung, nehmlich ihren Inhalt und ihre Form,
sich in letzterer die Allgemeinheit und Nothwendigkeit befinden,
welche sich aus der Erfahrung nicht ergeben können. Die kri-
tische (Kant’sche) Philosophie geht ebenfalls von dem Unter-
schiede dieser Elemente aus, welche sie der Spontaneität des Den-
kens, also a priori zuerkennt. Die Thatsache, dass sich die Be-
stimmungen der Allgemeinheit und Nothwendigkeit in der Er-
kenntnis befinden, stellt der Hum e’sehe Skepticismus
nicht in Abrede. In der Kant’schen Philosophie ist es auch
weiter nichts, als eine vorausgesetzte Thatsache, nur hat Kant
eine andere Erklärung dieser Thatsache aufgestellt.
XXXUT Jahrg 5. Heft 43
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