Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 33,2.1840

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N°. 47. HEIDELBERGER 1840.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

SCHOENE LITERATUR.

(Erster Artikel. )
I. Faust. Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten von F. Mar-
loiv. Leipzig, bei Ludw. Herrn. Bosenberg. 1839. kl. 8. XX. und
218 S.
II. Die Belagerung von Kolb erg. Drama in drei Abtheilungen,
von Wilhelm Wägner. Darmstadt, Leske. 1839. gr. 8. 224 S.
III. König Kodrus. Eine Missgeburt der Zeit. Kon Karl Stahl.
Leipzig, Verlag von Gebhardt und Beisland. 1839. 8. 102 S.
IV. Urivasi und der Held. Indisches Melodram von Ralidasa, dem
Dichter der Sakuntala. Aus dem Sanskrit und Prakrit, metrisch über-
setzt von Dr. Bernhard Hirzel. Frauenfeld, Druck und Verlag
von Ch. Beyel. 1838. 8. XXX. und 164 S.
V. Scöpes vidsidh. Sängers Weitfahrt. Aedhelstani- Sieg
bei Brunaburg. Angelsächsisch und deutsch von Ludwig Ett-
müller. Zürich, Druck und Verlag von Friedrich Schulthess. 1839.
gr. 8. 28 S.
VI. Altfrunzösische Sagen, gesammelt von H. A. Keller. Erster
Band. Tübingen, Osiander. 1839. 8. 265 S.
Die Reihe von Beurtheilungen, welche Referent diessmal für
die Jahrbücher übernommen, ist er so glücklich, mit einem Buche
voll Poesie eröffnen zu dürfen. Unter dem alten Dichternamen
Marlow tritt uns hier ein junges und, wir sagen nicht zu viel,
Grosses versprechendes Talent entgegen. Wenn sich das Wo-
genmeer dieser Phantasie etwas beruhigt hat, wenn Humor etwas
weniger anglisirt, der Witz etwas minder cynisch, der Styl ge-
drungner geworden seyn wird, wenn sich die Gestalten von der
Allegorie mehr abgelöst haben und ihr Seyn mehr durch Handlun-
gen als durch Worte offenbaren, wenn auch aus des Verfassers
philosophischem Glaubensbekenntnis einige Aenderung vorgeht:
— so kann dereinst aus diesem wallenden Schaume die reine
Schönheit, die mit Wahrheit und Sittlichkeit im innersten Grunde
eins ist, ausgeboren werden, wie sie schon in einzelnen Theileu
dieses Gedichtes in vollendeten Formen sichtbar ist.
XXXIII. Jahrg. 5. Heft.

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