Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 33,2.1840

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HEIDELBERGER

1840,

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Entwicklungsgeschichte der Lehre von der Person Christi von den ältesten
Zeiten bis auf die neuesten dargestellt von J. d. Dorn er, a. o.
Prof, der Theologie an der Universität Tübingen (jetzt ordentl.
Prof, zu Kiel). Stuttgart, bei Liesching 1839. 555 S. in 8.
Der Verfasser dieser Schrift sagt in seinem Vorworte: „es
ist erfreulich zu sehen, wie in dem langen Kampfe zwischen
Christenthum und Vernunft allmiihlig immer allgemeiner und hel-
ler der Punkt zum ßewusstseyn kommt, um den es sieh vor Al-
lem handelt, wenn der Streit zur Entscheidung kommen soll. Alle
Streitkräfte der beiderseitigen kämpfenden Partheien versammlen
sich immer mehr um die Person Christi, als um den Mittelpunkt,
wo sich die Sache entscheiden müsse: und damit ist gewiss zur
Versöhnung des harten Streits viel gewonnen: wie ja in allen
Dingen mit der rechten Stellung der Frage, um die es sich han-
delt, die Antwort schon halb gefunden ist.“ Mit Recht wird die-
ser Fragepunkt als der Alles entscheidende angesehen, wo allein
Alles zu gewiunen oder zu verlieren steht. Es kann vorläufig
schon gesagt werden, dass der Verf. einen sehr bedeutenden Bei-
trag in vorliegender Schrift zur Entscheidung dieser Frage gege-
ben hat. Es muss als ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit und
des Standpunkts der gegenwärtigen Bildung angesehen werden,
dass die Dogmengeschichte mit solchem Geiste, wie hier und in
mehreren andern Schriften anfängt behandelt zu werden. Es muss
aber zugleich auch des Verf. tiefe Einsicht in den gegenwärtigen
Stand der Philosophie und Theologie bei der Auswahl und Be-
handlung seines Gegenstandes anerkannt werden. Wir wollen
dieser letzten näher treten.
In der Einleitung macht der Verf. sogleich die wichtige Be-
merkung, dass für den Beweis der Wahrheit des Christenthums
und insbesondere seiner Alles tragenden Grundidee, der absoluten
Menschwerdung Gottes iu Christo, der beschränkte Standpunkt,
der von Einzelnheiten, Inspiration, Wahrsagung und dergleichen
ansgieng, nur verlassen werden dürfe, um von dem umfassende-
ren Standpunkt des ganzen religionsgeschichtlichen Processes von
Christo aus zu erkennen, wie die ganze vorchristliche Welt auf

XXXIII. Jahrg. 6. Heft

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