Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 35,2.1842

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1842

S». 31. HEIDELBERGER
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Ulrich, Herzog von Wirtemberg. Ein Beitrag zur Geschichte Wirtem-
bergs und Deutschlands im Zeitalter der Reformation von Dr. Lud-
wig Heydy Stadtpfarrers zu Markgröningen. I. Band. 592 S.
II. Band. 502 S. 1841. Tübingen bei Fues.
Mit grossem Vergnügen wird jeder Deutsche bemerken, dass
aus den an und für sich vielleicht nur aus einer Zeitbewegung
hervorgegangenen Interessen an der Reformationsperiode und der
politischen Geschichte des Vaterlandes, ausser den unzähligen Mo-
deartikeln und den gewöhnlichen Fabrikarbeiten auch einige wahr-
haft bedeutende Werke über deutsche Specialgeschichte hervorge-
gangen sind. Zu diesen rechnet Ref. vor allen andern des Herrn
von Langenn Kurfürst Moritz und das oben genannte Leben des
Herzog Ulrich von Wirtemberg. Das letztere erhält besonders
dadurch ein sehr grosses Interesse, dass es verbunden mit von
RommePs Philipp den Grossmüthigen von Hessen auf die Zeit
des ersten Religionskriegs aus urkundlichen Nachrichten ein neues
Licht wirft, und das Leben und die Verhältnisse zweier, und ver-
bunden mit v. Langenn’s Moritz, dreier deutscher Länder auf eine
ganz andere Art anschaulich macht, als sie es bisher wraren.
Der Verf. berichtet mit Recht nur wenig von Eberhard I. und
fasst auch die Geschichte des Unfugs, den Eberhard II. trieb, so
wie die der Vertreibung desselben durch die ständische Oligarchie
und durch Kaiser Maximilian ganz kurz. Schon S. 35. geht er
im dritten Capitel auf die Geschichte der Regentschaft wäh-
rend Herzogs Ulrich Minderjährigkeit über. Die ganze Geschichte
der Vertreibung Eberhard’s II. zeigt übrigens, dass im Grunde
die ganze deutsche Einrichtung und alle Rechte der Stände nur
darauf beruhten, dass die Bürgerschaften und die Ritter damals
noch das einzige Militär waren, und dass die Fürsten weder Gens-
dWmes noch andere Soldaten hatten; denn wie stiefväterlich selbst
Kaiser Maximilian sein Richtergeschäft besorgte, berichtet uns
Herr Heyd, obgleich er zugleich zeigt, dass die Wirtemberger
Oligarchen dem Kaiser aüszuweichen verstanden.
XXXV. Jabrg. 4. Doppelheft

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