Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 35,2.1842

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N*. . 37. HEIDELRERGER fg42.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Morris und Chamisso's Lehen und Schriften.
(Beseht us s.)
Im Jahr 1824 trat seine Biographin Caroline Bernstein in
den Kreis der Freunde Horn’s ein, in welchem sie bald ein un-
entbehrliches Glied der unzertrennlichen Kette wurde. Wir thcil-
ten oben einen Umriss von Chamisso’s Jugendgestalt aus der Fe-
der einer Frau mit. Auch Horn den Mann hat uns eine Freundin
geschildert. Er war „keineswegs schmal gebaut, von ungezwun-
gener, doch nicht nachlässiger, eher straffer Haltung; der pla-
stisch geformte Kopf von bedeutender Wölbung aus den Schultern
herausgewachsen, und er trug ihn und das Gesicht entschieden
aufrecht und bei’m Gehen zurückgebogen. Die Stirn erschien sanft
gewölbt, edel und denkend, bis zum letzten Augenblicke runzel-
frei; die Geist und Milde blickenden Augen waren vergissmein-
nichtblau; die Backenknochen ein wenig hervortretend, die Nase
unmerklich gebogen, unten etwas breit; der Mund mit etwas zu
breiter Oberlippe, von dem unverkennbarsten Wohlwollen umspielt,
die Vorderzähne licht und wohlgeordnet, bis ans Ende, trotz alles
Medicinirens, vollzählig; das Haar kastanienfarb, damals schon grau
untermengt, von vollem Wuchs, das dichtanliegende Ohr fast ganz
bedeckend, etwas lang getragen; sein Gang war festauftretend
und sicher, gemässigt aus Grundsätze und weitausschreitend. Die
Gesichtsfarbe und ganze Erscheinung verriethen Krankheit und
tieferes Leiden. In seiner Kleidung hielt er sich sauber und be-
quem. Der Dose konnte er ziemlich zusprechen; geraucht hat er
nie.u —
Von 1826—1827 erschien der 2.-4. Theil des erläuterten
Shakspeare. Am 18. Juni 1825 überraschte ihn Göthe mit der
letzten Ausgabe Werther’s und einigen eigenhändigen, sein Stre-
ben und Gelingen freudig anerkennenden Zeilen; der alte Fessler
sandte ihm „von der äussersten Grenze Europa’s als Gegengabe
für Anregung, Rath und Trostu seine Lebensgeschichte, und 1826
XXXY. Jabi-g. 4, Doppolheft. 37
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