Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 35,2.1842

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802 Arnold: Beiträge zürn deutschen Privatrecht.
Statut modifieirt worden ist, muss als eine höchst verdienstliche
Arbeit anerkannt werden. Vorzüglich wird diess wichtig’ bei Lo-
kalg’esetzen jener Landestheile , welche später einem anderen
Staate einverleibt wurden, in welchen entweder das Gesetzbuch
des Hauptlandes, an welches die Provinz oder die Gegend fiel,
auch auf alle neu erworbenen Landestheile ausgedehnt wurde,
oder wo einzelne Landesgesetze erlassen wurden, die in allen
Landestheilen Anwendung haben sollten. Im Königreich Baiern
ergingen viele solche allgemeine Landesgesetze, und schon die
Verfassung und ihre Beilagen mussten die Anwendung einzelner
Statuten niodificiren; in einigen Landestheilen wurde auch das
bairische CiviJgesetzbuch eingeführt und die entgegenstehenden
Statuten wurden aufgehoben; allein diess geschah nicht überall
und insbesondere gelten im heutigen Mittel-Franken ausser dein
gemeinen , dem bairischen und dem preussischen Rechte noch
zwanzig verschiedene Gesetzgebungen fort. Ein solcher Zustand
erschwert die Rechtsanwendung; viele dieser Provinzialgesetze
waren selbst schwer zugänglich; sie waren oft nur in unvoll-
ständigen und häufig untreuen Auszügen gedruckt und das ganze
Provinzialgesetz, das oft nur in einzelnen Blättern existirte, sich
zu verschaffen war schwierig. Am schlimmsten war es die Kennt-
niss der Fortbildung der Statuten durch die ergangenen Urtheil-
sprüche und die Ansichten über Modifikation alter Rechte durch
spätere Landesgesetze zu erlangen. Der Verfasser der vorlie-
genden Sammlung hat sich ein bleibendes Verdienst erworben,
indem er nicht bloss die Statuten von Mittel-Franken sammelte,
sondern bei jedem Statute in der Einleitung die Geschichte des
Statuta, und das Verhältniss desselben zu späteren Gesetzen an-
gab und durch zahlreiche Anmerkungen über den Sinn und die
Anwendbarkeit einer Stelle theils durch Berufung auf ergangene
Präjudizien, theils durch literarische Nachweisungen und wissen-
schaftliche Entwicklungen zahlreiche treffliche Materialien zur
richtigen Erkenntniss des Statuts lieferte. Dem literarischen Pu-
blikum ist der Verf. bereits durch eine Reihe ausgezeichneter Ar-
beiten über einzelne Rechtslehren oder Rechtsfragen in der schätz-
baren Zeitschrift: Blätter für die Rechtsanwendung, herausgege-
ben von Seuffert, als ein Jurist bekannt, der ebenso gründlich
die Wissenschaft kennt, als er mit acht praktischem Sinn die
Gesetze anzuwenden versteht. Das vorliegende Werk ist auch
nicht bloss dem bairischen Juristen, sondern auch dem ausländi-
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