Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 38,2.1845

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Sintenis: De hiatu in Plutarchi vitis.

er hat sich darüber jetzt S. 32 mit mehr Bestimmtheit und Entschieden-
heit ausgesprochen. Uebrigens kann Ref. doch im Ganzen den Abstand
von dem ersten Pariser Codex (A}, wie selbst von den Heidelberger
Codices für nicht so bedeutend ansehen, um jener Handschrift einen so
entschiedenen Vorzug zuzuerkennen, obwohl er sie mit diesen einer er-
sten Familie Plutarcheischer Handschriften gern zuweisen würde, die un-
ter sich im Ganzen doch zu wenig verschieden sind, um auf verschiedene
Urquellen zurückgeführt zu werden, indem sie nur Eine gemeinsame Quelle
erkennen lassen: und dass in dieser die ursprüngliche Stellung der Worte
schon manchen Veränderungen unterlegen, die im Laufe der Zeit, und
bei Vervielfältigung der Abschriften nur zunehmen konnte, ist ein vom
Verf. S. 28 aufgestellter Satz, der uns wenigstens sehr einleuchtend er-
schienen ist. ^Auffallend aber mag es auf der andern Seite erscheinen,
warum der Text der übrigen Schriften Plutarch’s, die wir unter dem
Gesammtnamen der Moralia kennen, in einer ungleich verdorbenen Gestalt
in den bis jetzt bekannt gewordenen Handschriften auf uns gekommen
ist, als die Biographien, die wir in einem weit besseren, gleichmässig
gestalteten Texte jedenfalls besitzen; in der grösseren Rücksicht, welche
Grammatiker oder gelehrte Leser und Abschreiber auf die Biographien,
,als den interessanteren Theil, genommen, kann der Grund kaum hegen,
da diess eher Vervielfältigung der Handschriften und damit auch grössere
Verderbniss des Textes herbeigeführt hätte: eher wohl in der Mannig-
faltigkeit des Stoffs und der, theilweise wenigstens, grösseren Schwierig-
keit des Verständnisses, sowie in einer grösseren Nachlässigkeit, unter
welcher diese Schriften gelitten haben, welche immerhin durch ihren In-
halt eine grössere Berücksichtigung verdienten, als ihnen im Ganzen in
neuerer Zeit, insbesondere seit Wyttenbach, zu Theil geworden ist.
Hoffen wir, nachdem so Manches für . die Biographien, namentlich was
die Texteskritik betrifft, jetzt geleistet und damit für Vieles doch ein
weit sicherer Boden gewonnen ist, dass die Texteskritik der übrigen
Schriften Plutarch’s nicht Zurückbleiben, dass sie vielmehr in gleicher
Weise gefördert werden möge, um uns einen urkundlich getreuen und
wahrhaft lesbaren Text zu schaffen, wie er für manche derselben ein
dringendes Bediirfniss ist.

Chr. Bähr.
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