Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 38,2.1845

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Dindorf: Annotatt. in Aeschylum.

vergleiche Hom. Odyss. XIX., 346. ει μη τις γρηϋς εστι παλαιή. XXII.,
395. γρηυ παλαιγενές, eben so Iliad. III., 386. Wäre eine Aenderung
nöthig, so würde sich Rec. mit γήραι (γήρα} für γραΤαι begnügen.
Alles Maass aber überschreitet die Willkühr des Herrn Dindorf Yers
737—747, wo nicht weniger als acht Verse als unächt ausgeworfen
werden. — Die übrigen weniger willkührlichen Conjecturen kann Rec.
nur kurz nahmhaft machen. Vs. 408. verbessert Herr Dindorf gut
κλυειν δίκαιος μάλλον η πραξαι θέλεις für δικαίως. Vs. 451. κατηρ-
τυκώς ν 6 μ ω (für όμως} , wenn man annehmen dürfe, dass κατηρτυκώς
für κατηρτυμένος stehe. Der schwierige Vs. 459. wird mit Benützung
des Scholiasten so zu verbessern gesucht: πέμπειν τε δυςπήμαντ5 άμη-
νίτως έμοί. Vs. 691 f. συ τοι παλαιάν διανομήν καταφθίσας | οί-
νω παρηπάτησας αρχαίας θεα'ς für παλαιάς δαίμονας. Viele Währ-
scheinlichheit hat Vs. 725. γαίας für και γής; endlich Vs. 1000. wird
für επιδιπλο'ίζω „έπος διπλοίζω“ vorgeschlagen. — Wir haben
noch einige Bemerkungen zu machen über die Art und Weise, wie Herr
Dindorf in Mittheilung der Varianten, die in seine Annotationes ver-
webt sind, verfahren ist. Hier müssen wir es erstlich missbilligen, dass
Herr Dindorf bei einem so schwierigen Dichter wie Aeschylus nicht
den ganzen kritischen Apparat aufgenommen hat, so dass noch immer
ein Recurs zu W eilaue r’s Ausgabe stattfinden muss. Auch gestehen
wir, dass wir kein rechtes Princip zu erkennen vermochten, warum die
einen Lesarten ausgelassen, andere aufgenommen wurden. Der zweite
Tadel, der das Verfahren des Herrn Dindorf trifft, besteht darin, dass
man sich auf die Richtigkeit in der Angabe der Varianten nicht verlassen
darf. Und diess ist selbst der Fall mit den Lesarten des Codex Medi-
ceus, obwohl Herr Dindorf in der Vorrede p. 3. vessichert: Huius
codicis lectionem ego exhibui integrum etc. Ob diess wahr ist, möge
eine Vergleichung der 300 ersten Verse der Eumeniden lehren. Vs. 18.
wird auch der Med. unter den Handschriften genannt, die χρόνοις lesen,
aber die Weigel’sche Ausgabe hat deutlich als Lesart des Med. εν
θρόνοις, Vs. 103. gibt Herr Dindorf καρδία an für καρδία, 112.
άρκυσμάτων für άρκουσμάτων, 231. κακκυνηγέτης für κακκυνηγέτης.
Ausgelassen sind die Varianten Vs. 19. δ5 εστίν, 24. Βρόμιος εχει,
114. περί. (Herr Dindorf hat in seiner Ausgabe περί}, 143. πόπαξ,
168. αίρουμενον, 239. πορευμασι, 267. σ’ ιχνάνασ5, 269. δ’ εκεί
τις etc. — Bei solcher Sachlage müssen wir es der Wahrheit gestehen,
dass wir im Ganzen eben kein günstigeres Urtheil über diese, wie es
scheint, mit zu grosser Eilfertigkeit ausgeführte Arbeit des Herrn Din-
dorf fällen können, als Herr Robert Enger (v. Praef. ad Aristoph.
Lysistr. p. VII. sq.} über die in gleicher Weise angelegten Annotatio-
nes desselben Gelehrten zu Aristophanes gefällt hat. Indess da ein Mann,
wie Herr Dindorf, auch wenn er flüchtig arbeitet, immer einiges ße-
achtenswertlie' zu geben pflegt, so ist sehr zu bedauern, dass der hohe
Preis des Buches dasselbe für deutsche Gelehrte wenig zugänglich macht.
C. Halm.
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