Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 38,2.1845

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822 Dante’s prosaische Schriften, übersetzt von Kannegiesser.
Gesanges zu ihr zurückkehrte.“ Cantata la canzone heisst niemals: die
gesungne Kanzone, sondern ist ein Nominativus absolutus, und der Satz
heisst: „damit, wenn die Kanzone gesungen wäre, man (der Sänger}
mit einem gewissen Theil der Melodie zu ihr zurückkehrte.“
S. 75. Z. 16. muss es statt: „mich erhoben fühlend von dem
Gedanken der ersten Liebe zu deren Kraft“ — vielmehr heissen:
zu der Kraft der zweiten (Liebe}. Dass der Gegenstand dieser zweiteü
Liehe die Philosophie sey, ergibt sich dann aus dem Folgenden.
S. 77. Z. 19. „dann sind zwei Himmel über diesen beweglichen
und* Ein ruhiger über allen“, — ist nicht richtig. Das Adjectivum mo-
bili gehört zu due Cieli, nicht zu questi; es muss also heissen: „dann
sind uoch zwei bewegliche Himmel über diesen, und Ein ruhiger über
allen.“ Das mobili steht am Ende des Satztheils, um einen Gegensatz
gegen das quieto zu bilden, das auch am Ende des folgenden Satzthei-
les steht.
S. 81. S. 20. ist weiseste wohl ein Druckfehler und soll heis-
sen : weisseste.
S. 108. Z. 10. „wo, wenn er ein Mensch wäre, das Gestirn ihm
immer mitten über dem Kopfe seyn würde.“ Hier wäre es wohl nicht
überflüssig gewesen, zu erklären, dass das Gestirn die Sonne bedeutet,
oder lieber es gleich so zu übersetzen.
S. 134. Z. 29. der Satz: „So werden aus langer Gewohnheit die
Wissenschaften, auf welche am heissesten die Philosophie ihren Blick
richtet, mit ihrem Namen benannt, wie die Naturwissenschaft, die Moral
und die Metaphysik, welche, weil am nothwendigsten sie auf diese ihren
Blick richtet, Philosophie genannt wird“ —- ist höchst unverständlich,
fast sinnlos, und hätte auf keinen Full so ohne Erklärung stehen bleiben
sollen. Da der Herr Uebersetzer in der Vorrede erklärt, dass er zu
seiner Arbeit die in Florenz bei Allegrini und Mazzoni erschienene Aus-
gabe der Opere minori di Dante gebraucht hat, so ist schwer zu begrei-
fen, warum er nicht S. 291. die Note 35. benutzte, wo Pederzini
eine eben so einfache als gute Verbesserung vorschlägt. Nach seinem
Vorschlag würde der letzte Theil des oben herausgehobenen Satzes heis-
sen: „welche (nämlich Metaphysik}, weil die Philosophie am nothwen-
digsten auf diese (d. h. die Metaphysik} ihren Blick richtet, die erste
Philosophie genannt wird.“ Die Einschaltung des Wortes prima in den
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