Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Nr. 4. HEIDELBERGER 1857.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Fontes rerum Austriacarum.

(Schluss.)
„Ich hab, heisst es neben anderm, solch meine Reisen, Dienste
und Belohnungen zum Theil hievor beschrieben, dass meine Nach-
kommen meines Namens und Geschlechts sich auch wollten in Arbeit
und Dienste und in kein Müssiggang, übrige Gesellschaft ergeben,
— und dass sie sich der Titel und Standes nicht begnügen lassen ;
denn die geben nichts gen Küchel noch Keller, sondern wo nicht
ein fleissig, emsig und arbeitsam Gemiith dabei wirdet, d. h. Werth
verschafft, mehr zu Verderben und Schaden reichen u. s. w.“ —
So enge und beschränkt bei dem ersten Blick diese sittlich-häusliche
Tendenz erscheint, breitet sich der Kreis dennoch sehr weit aus.
Denn die Denkwürdigkeiten oder Familienchroniken rühren von einem
Verfasser her, welcher vielseitig und gründlich vorgebildet in Kriegs-
und Staatsgeschäften sein Leben zubrachte, namentlich aber unter dem
Kaiser Maximilian, dem R. König, Erzh. Ferdinand, theilweise auch
dem Kaiser Karl V. den Reisediplomaten darstellt. Stets, so zu
sagen, marschbereit, sitzt er plötzlich auf Befehl bei Tag und Nacht
zu Ross oder zu Schiff, durchzieht heimische und fremde Lande,
trotzt mit Muth und Besonnenheit allen Gefahren und Beschwerden,
übernachtet, wenn es sein soll unter freiem Himmel, verkehrt mit
Teutschen aller Stämme, mit Italienern, Franzosen, Spaniern, Dänen,
Polen, Ungarn und Russen, selbst den gefürchteten Türken ohne
Scheu und Hehl, oft in den manniclifaltigen Sprachen der Völker,
welche er neben dem Latein erträglich erlernt hat, schauet weder
rück- noch vorwärts, sondern immer nur auf die Gegenwart oder
das übertragene, treu vollzogene Geschäft, kennt keinen Willen als
den seines Herrn, ist aber in den Mitteln, welche zum Ziel führen,
eben so erfinderisch und gewandt als, wo es Noth thut, ritterlich
derb, kühn und tapfer, kurz ein edelmännischer Diplomat,
welcher Feder und Degen auf gleich tüchtige Weise gebraucht, un-
gefähr wie Ulrich von Hutten auf seine Art. Die Sprache ist kräf-
tig und so rein, dass sie einen wahrhaften Schatz damals noch le-
bendiger Wurzelworte und Wendungen fast auf jeder Seite bietet,
die Darstellung anschaulich, hier und da etwas breit, die Sorgfalt
für geographisch-statistische Kunde so stetig und gespannt, dass die
genauesten Meilen- und Wegweiser gegeben werden, die ethnogra-
phische, bisweilen auch geschichtliche Auffassung besonders entle-
gener Völker und Gebiete so einlässlich und klar, dass man bis-,
L. Jahrg. 1. Heft. 4
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