Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

Page: 65
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1857_1/0073
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
HEIDELBERGER

1857

V
Nr. 5.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Die Urzeit der Erde. Ein Gedicht von Franz von Kob eil. 92 S. München.
Literarisch-artistische Anstalt. 1856.

Der rühmlichst bewährte Fachmann im Gebiete naturkundigen Wissens
lösste längst auch als Sänger den Meisterbrief. Die Veranlassung zur will-
kommenen Gabe, welche uns jetzt gereicht wird, ein geologisches Gedicht,
ist aus den Einleitungs-Worten zu ersehen. Hier wird unter anderm gesagt:
So kam es einst da ich gepflegt der Jagd
Im gemsereichen Berchtesgadner-Land,
Ich dachte träumend der Vergangenheit,
Wie sie geschrieben an der Felsenwand.
Und in die graue Zeit sah ich zurück
Und das Bekannte meinem Blick verging,
Verändernd Alles fremd und wunderbar
Ein zauberisch’ Bewegen mich umfing.
Und Bild auf Bild erschien die Erde mir
In ihrer Wandlung räthselhaftem Gang,
Ihr grosses Leben spiegelte sich d’rinn,
Und was ich schaute künde mein Gesang.
Inselzeit — so nennt der Verfasser jene Epoche, welche begann, nach-
dem die Abkühlung der, im feuerigen Schmelzflüsse befindlichen, Erde so vor-
geschritten war, dass ein feste Rinde gebildet worden und das Wasser in flüs-
siger Gestalt erscheinen konnte — Berg-IIebungen, Hochland und Zerstörun-
gen , Zeit der Riesenthiere und die Eiszeit werden in fünf Gesängen ge-
schildert, ein sechster macht den Schluss, Blicke in die Zukunft bietend.
Wir gestatten uns einige Mittheilungen und wählen Stellen aus dem fünf-
ten Gesang, wo die Rede davon ist, dass Gletscher früherer Zeiten, theils
ganz verschwunden, theils auf verhältnissmässig kleinen Regionen, in errati-
schen oder Wanderblöcken die Zeugen ihres einstigen Daseins erhielten. Hier
heisst es:
Verborgen oft ist jenes stille Thun,
Womit erfüllt das Wesen der Natur
Und manch’ Geheimniss schliesst sie sorglich ein
Und führt zu seinem Räthsel keine Spur.
Doch gingen grosse Tage über sie,
Nicht trügend soll’s entzogen sein dem Blick,
Sie bietet ohne Hehl was daran mahnt
Und offenbart ihr vielbewegt, Geschick.
Bei Lützen, wo der Schwedenkönig fiel,
Da liegt im Feld ein Block von Urgestein,
Ein Fremdling in der Gegend ruht er dort,
Von welchem Land mag er gekommen sein?
L. Jahrg. 1. Heft.

5
loading ...