Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Nr. 11. HEIDELBERGER 1857.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Briefe des Grossherzogs Carl August und Goethes an Doebereiner.
Herausgegeben von Oskar Schade. 147 S. in 8. Weimar
bei K. BÖhlau. 1856.
Mittheilungen von Briefen hochgestellter, berühmter Männer,
deren Inhalt ein wissenschaftlicher, welche geschrieben wurden, ohne
die Möglichkeit einer spätem Veröffentlichung zu ahnen, gewähren
stets Interesse in mehr als einer Hinsicht. Vollkommen bestätigt
fanden wir diess in vorliegendem Buche; es gilt uns als erfreuliche
und keineswegs unwichtige Gabe.
Wie befreundet Goethe gewesen mit den verschiedenartigsten
Zweigen der Naturkunde, weiss die gebildete Lesewelt. Weniger
bekannt, zumal was gewisse Einzelnheiten betrifft, war das Verhält-
niss des Grossherzogs Carl August zu jenem Wissen. Seine
Zuschriften an Doebereiner erlangen besondere Bedeutung da-
durch, dass sie den rastlos wohlthätigen Sinn des seltenen Fürsten für
das öffentliche Wohl darthun. „Um boden- und landwirtschaft-
liche Cultur und Productionen aller Art war er rationell, mit Hülfe
der Wissenschaft, unaufhörlich bemüht, auch selbst eingreifend und
experimentirend, so dass man oft eher einen tätigen Landwirt,
einen grossen unternehmenden Industriellen zu hören glaubt, als je-
nen hochgebildeten, kunstliebenden Fürsten, um den die grössten
Dichter wie Sterne standen.“ — Schade belegt diesen seinen Aus-
spruch durch eine Reihe beweisender Beispiele, meist entnommen
aus frühem Zeiten.
Achtundzwanzig Briefe des Grossherzogs an den bewährten Fach-
mann, den berühmten Lehrer der Chemie in Jena gerichtet, enthal-
ten viele Fragen, aus denen sich die Verdienste des Fürsten um Pflege
der Natur-Wissenschaft ergeben, so wie dessen stete Sorge für sein
Land durch Ausbeutung dieser und jener Wahrnehmungen und neuen
Entdeckungen. Nicht wenige der Zuschriften sind von eigener Hand.
Wir können uns nicht versagen, aus einigen der letzten Bruchstücke
zu entnehmen. So heisst es im siebenten Briefe:
„Mein Luft-Electrometer hat sich bei dem gestrigen Gewitter
sehr empfindlich gezeigt und bis 25° marquirt. Bei jeder vorbei-
ziehenden oder detournirenden Wolke bewegte es sich anders. —
Diesen Herbst lasse ich den Teich bei Berka fischen, um der Haupt-
quelle näher zu kommen, die vermuthlich in selbigem befindlich ist,
weil zu gewissen Zeiten ein weisses milchiges Wasser dorten quillt, das
sehr schwefelartig riecht und die Fische absterben macht. — In
Tiefurth werde ich mich auf eine Runkel- und Kartoffel-Branntwein-
Brennerei einschränken, mit oder ohne Schwefelsäure; das wird sich
L. Jahrg. 3. Heft. 11
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