Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Nr. 17. HEIDELBERGER 1857.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Verhandlungen des naturhistorisch-medizinischen Vereines.

(Schluss.)
Die bereits gekeimten Samen der gewöhnlichen Futterwicke,
vicia sativa, wurden in eine Anzahl Blumentöpfe, die mit ausge-
glühtem Sande und etwas Pflanzenasche versehen waren, einzeln
gepflanzt und die Töpfe an einem vor Regen und Thau geschütz-
ten Orte aufgestellt. Die zur Anwendung gekommenen Ammoniak-
und Salpetersauren Salze waren in solcher Dosis abgewogen, dass die
einem Topfe einverleibte Menge ein gleiches Quantum 0,218 grm.
Stickstoff enthielt, welches, in 4 Bittres destillirten Wassers gelöst,
während der Versuchszeit allmälig zum Begiessen der Pflanzen ver-
wandelt wurde. Mit Ausnahme des Topfes A, der, mit unvermisch-
tem Wasser begossen, nur sehr dürftig vegetirte, war die Vegeta-
tion aller Gewächse während der ganzen Vegetationsperiode eine
sehr üppige. Die Ernte der schön und kräftig entwickelten Pflan-
zen fiel in die Mitte August, als sich schon Schoten gebildet hatten
und es ergab die Analyse folgende Resultate: In
A. „Ohne Zusatz“ war das Trockengewicht der ganzen Pflanze
15mal, der Stickstoffgehalt 3mal grösser als der des Samens.
B. „Mit kohlensaurem Ammoniak“ war das Trockengewicht der gan-
zen Pflanze 66mal, der Stickstoffgehalt 41mal grösser als der
des Samens.
C. „Mit schwefelsaurem Ammoniak“ war das Trockengewicht der
ganzen Pflanze 70mal, der Stickstoffgehalt 46mal grösser als
der des Samens.
D. „Mit Chlor-Ammonium“ war das Trockengewicht der ganzen
Pflanze 58mal, der Stickstoffgehalt 33mal grösser als der des
Samens.
E. „Mit salpetersaurem Ammoniak“ war das Trockengewicht der
ganzen Pflanze 76mal, der Stickstoffgehalt 61mal grösser äls
der des Samens.
F. „Mit Kali-Salpeter“ war das Trockengewicht der ganzen Pflanze
78mal, der Stickstoffgehalt 64mal grösser als der des Samens.
G. „Mit Natron-Salpeter“ war das Trockengewicht der ganzen Pflanze
72mal, der Stickstoffgehalt 46mal grösser als der des Samens.
Aus diesen Ergebnissen geht hervor:
1) Dass sowohl die Ammoniak- als salpetersauren Salze nicht
allein von der Pflanze absorbirt, sondern auch zur Pflanzenernährung
verwandt werden.
2) Dass die salpetersauren Salze die Vegetation, wenn nicht
mehr, doch eben so viel begünstigen als die Ammoniak Salze.
L. Jahrg. 4. Heft. 17
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