Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Nr. 21.

HEIDELBERGER

1857.

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Die Geschichtsquellen des Bisthums Münster. Dritter Band. Die
Münsterischen Chroniken von Röchelt, Steuermann und Corfey.
Herausgegeben von Dr. J oh. Janssen, Prof, der Geschichte
zu Frankfurt a. M. Münster 1855. 8.
Annalen des historischen Vereines für den Niederrhein, insbesondere
die alte Erzdiöcese Köln. Herausgegeben von dem wissenschaft-
lichen Ausschüsse des Vereins. Erster Jahrgang, Köln 1855,
zweiter, erstes Heft 1856. 8.
In diesen Annalen für den Niederrhein hat Janssen auch seine
Forschungen über die Kölnischen Geschichtsquellen niedergelegt.
Daher habe ich beide oben angegebenen Werke unter dem gemein-
schaftlichen Titel zusammengefasst: „Joh. Janssen’s historische Schrif-
ten über Münster und Köln.“ Die Münsterischen Chroniken bilden
den dritten Band eines Werkes, dessen erste Theile, herausgegeben
von Ficker und Cornelius, unter dem Titel: »Die Münsterischen
Chroniken de3 Mittelalters“ und „Berichte der Augenzeugen über
das Münsterische Wiedertäuferreich“, 1851 und 1853 erschienen.
Es reiht sich also an dieselben in chronologischer Ordnung der
Münsterischen Quellensammlung die Ausgabe obiger drei Chroniken
des 16. und 17. Jahrhunderts an.
Westphalen, im engeren Sinne als die jetzige preussische Pro-
vinz, hat äusserlich keine bedeutende historische Rolle gespielt, was
seinen Mangel an historischen Aufzeichnungen erklärt. Es zeigt sich
in den schwachen Anfängen einer Historiographie das westphälische
Stillleben auch auf dem Gebiete des Geistes. Erhard gesteht diess
in der Vorrede zu seinen Regesta Historiae Westphaliae ein, indem
er angibt, dass alles, was das Sächsische Volk überhaupt betrifft,
hereingezogen werden musste, um die Lücken der westphälischen
Geschichte auszufüllen und die Bruchstücke derselben verbinden zu
können. Im Mittelalter hat daher auch Münster, das Gebiet des
Bisthums und die nah’ gelegenen Territorien keinen bedeutenden
Geschichtsschreiber oder Chronisten aufzuweisen, obschon man nach
der grossen Zahl, dem Reichthum und Alter der dortigen Stifte und
Klöster solche Quellenschriften erwarten sollte. Weder vom Dom-
stifte, noch dem Stift St. Mauritius oder dem Kloster Ueberwasser
in Münster sind Annalen vorhanden, die mit denen von Strassburg,
Colmar oder St. Gallen und Reichenau verglichen werden könnten.
Dem ungeachtet ist in neuerer Zeit ein reger Sinn für Lokalge-
schichte gerade in Münster bemerkbar geworden. Die frühere lokale
Geschichtsforschung wurde von dortigen Jesuiten, Minoriten und
Weltgeistlichen gepflegt, die wie gewöhnlich die Träger der histori-
schen Wissenschaften im 17. und 18. Jahrhundert waren. Die ältere
L. Jahrg. 5. Heft. 21
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