Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 51,1.1858

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Neueste Schriften über deutsche Universitäten.

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Forschung entsprechenden Weise erörtert zu haben, so sei man na-
mentlich auf genauere Entwickelung der Verfassung der Universität
und deren Geschichte bisher so gut wie gar nicht eingegangen.
Zum Gegenstände seiner Darstellung wählte sich der Herr
Verfasser die ersten 150 Jahre (1409 —1559) des Bestehens der
Universität und von diesem Zeitraum gibt er eine Zusammenstellung
und Charakteristik aller ihm bekannt gewordenen urkundlichen Quel-
len. Diese sind aber um so wichtiger und bieten ein um so höheres
Interesse, als sich durch sie der Uebergang aus der katholischen
Zeit in die protestantische deutlich verfolgen lässt. Sie zeigen, wie
die Einführung der Reformation nebst den mit dieser zusammen-
hängenden Veränderungen unter den Kurfürsten Moritz und Au-
gust beinahe die Bedeutung einer neuen Gründung der Universität
hat. Die wesentlicheren Umänderungen dieser schliessen mit dem
Jahre 1558 11). Seit dem Jahre 1558—1830 ist keine durchgrei-
fende wesentliche Veränderung vorgegangen, „eine völlige Stagnation
hat seitdem alle Institute ergriffen.“ Was diesseits des Jahres 1558
liegt, wird von Herrn Zarncke weiter berichtet, besteht entweder
aus Elementen, die schon der neuern Zeit angehören, oder aus ver-
alteten nicht mehr lebenskräftigen (S. 527. 528).
Die Zusammenstellung und Charakteristik dieses reichen Quel-
lenmaterials sollen, wie Herr Zarncke S. 528. 529 sagt, Prolego-
mena sein für einen doppelten Zweck. Erstens sollen sie die Grund-
lage bieten „für eine ernst eingehende Geschichtschreibung“ und
zweitens bezwecken sie, da weder eine noch so umfängliche und
eingehende Geschichtsschreibung, noch die hier mitgetheilten Aus-
züge genügen, um mit völliger Anschaulichkeit in das Leipziger
academische Leben der altern Zeit einzufübren, das Bediirfniss nach
einem mehr oder weniger vollständigen Abdruck der Quellen
nahe legen und seine baldige Ausführung zu ermöglichen (S. 530).
Der Aufzählung und den Charakteristiken der Quellen ist als
Einleitung die sehr gründliche Verfassungsgeschichte der
Universität Leipzig (S. 511 — 532) vorausgeschickt. Diese Geschichte
bietet aber ein um so grösseres Interesse, einmal, weil unter allen
Universitäten des Mittelalters nur die Leipziger die verschiedenartig-
sten Elemente der Nationen und Facultäten zu einem einheitlichen

11) Dieselbe Bedeutung, wie für die Universität Leipzig hatte die Kirchen-
Reformation auch für die Universität Heidelberg. Auch ihre Geschichte weist
den Uebergang aus der katholischen Zeit in die protestantische genau nach,
bis sie durch die ihr von dem Kurfürsten von der Pfalz, Otto Heinrich,
gegebene „Reformation“ in demselben Jahre wie Leipzig (1558) in eine pro-
testantische umgewandelt wird. Nur trat in Heidelberg von dieser Zeit an
nicht, wie in Leipzig (S. 527) eine „Stagnation“ ein, sondern die Universität
erreichte hierauf durch die den Anforderungen der Zeit von dem Kur-Admini-
strator Johann Casimir (1588), dem Kurfürsten von der Pfalz, Karl
Ludwig (1672) und dem Kurfürsten Karl Friedrich (1803) entsprechen-
den gegebenen Einrichtungen und Verbesserungen eine so hohe Bedeutung,
dass sie eine der ersten und blühendsten Hochschulen Deutschlands wurde
und es noch bis heute ist.
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