Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 51,1.1858

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Quintus von Smyrna von Platz.

legat, welcher übrigens etliche Monate vor dem Concordat starb
£Aug. 9. 1122), nicht stützend und zusammenhaltend dazwischen-
getreten. Als Lieblingswaffe gebrauchte derselbe den Bannfluch;
„er hat, heisst es S. 78, nach den uns immerhin spärlich erhalte-
nen Nachrichten 16mal die Excommunication wirklich ausgespro-
chen, 7mal sie eventualiter verhängt oder angedroht; 3mal sie auf
Concilien beantragt oder für sie gestimmt“. — Wenn tadelnd be-
merkt wird, er habe mit dem wichtigen Streitschwerte gleicherweise
nach dem Löwen wie nach der Fliege, nach dem Kaiser und etwa
eigensinnigen, die Annahme eines Briefes verweigernden Mönche
geschlagen, so ist das in Betreff der Zweckmässigkeit irrig. Die
Gleichheit vor dem Gesetz, welche keinen Unterschied nach oben
und unten macht, und die moralische Stärke der Folgerich-
tigkeit (Consequenz) scheinen für den eben so klugen als uner-
schütterlichen Cardinallegat zu sprechen; denn gutta cavat lapidem.
Kortüm.

Quintus von Smyrna. Ueberselzt von C. F. Platz, Hofrath, Professor am
Lyceum in Karlsruhe. Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler’sehen Buchhand-
lung 1857. Erstes Bändchen. Einleitung und Buch 1—IV. Zweites Bänd-
chen. Buch V—X. 255 S. in 12.

Wir erhalten hier die erste vollständige Uebertragung der Werke eines
Dichters, der wenn gleich der späteren Zeit des Verfalls hellenischer Poesie
angehörig, darum doch und vielleicht selbst eher, als manche Producte der
ihm vorausgegangenen Zeit es verdiente, auch in deutschem Gewände unter
uus verbreitet zu werden. Schon der Inhalt, der an die Ilias sich uumittelbar
anknüpft und diese gewissermassen fortsetzt, konnte in den Lesern der ho-
rischen Ilias ein natürliches Interesse erregen, auch den Fortgang und den
weiteren Verlauf des Heldenkampfes in poetischer Weise dargestellt zu sehen;
dazu kommt aber noch, dass die ganze Art und Weise, in welcher dieser
allerdings späte Dichter den epischen Stoff behandelt hat, wesentliche Vor-
züge erkennen lässt, die ihn selbst über seine Zeit erheben und als einen
würdigen Nachahmer des Homerischen Liedes darstellen, dessen natürliche
Einfalt er nicht ohne Glück nachzubilden verstanden, so wenig auch sonst
die unvermeidlichen Spuren der Zeit, in welcher er dichtete, sich verkennen
lassen. Die Frage nach dieser Zeit, so wie überhaupt nach der Persönlich-
keit des Dichters hat der Verfasser in einer Einleitung behandelt, die unter
sorgfältiger Benutzung Dessen, was darüber bisher ermittelt worden ist, das
Wenige, was überhaupt mit einiger Sicherheit zu ermitteln steht, hervorhebt,
und damit eine gerechte und beachtenswerthe Würdigung seines hinterlassenen
Werkes verbindet.

(Schluss folgt.)
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