Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Hrsg.]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 2.1892

Seite: 280
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Hugo Donellus in Heidelberg

(1573—1579).

Von

Heinrich Buhl.

Auf dem grossen Bilde von Ferdinand Keller in der neugeschmückten
Heidelberger Aula schreitet links im Vordergründe ein Gelehrter in
schwarzer Tracht, dessen zierliche Körperhaltung an so manche Heiligen-
gestalten auf umbrischen Altarbildern erinnert. Den Namen des Mannes
liest man auf einer der Inschrifttafeln, auf denen die bedeutendsten Lehrer
der Heidelberger Hochschule aus alter und neuer Zeit verzeichnet stehen:
der Gelehrte, dessen Andenken durch Bild und Schrift geehrt worden
ist, ist der Franzose Hugo Donellus, der an der Ruperta von 1573 bis
1579 römisches Recht gelehrt hat und 1579 ihr Rektor gewesen ist.

Hugo Donellus, mit seinem ursprünglichen Namen Hugues Doneau,
wurde in der burgundischen Stadt Chalon an der Saöne am 23. Dezember
1527 Q geboren, fünf Jahre später als sein berühmter Landsmann Jakob
Cuiacius aus Toulouse. Die beiden grossen Volks- und Zeitgenossen haben
die französische Rechtswissenschaft des sechszehnten Jahrhunderts auf
die höchste Stufe ihrer Entwicklung emporgehoben und für die Erforsch-
ung und Bearbeitung des römischen Rechts eine neue glänzende Blüte-
zeit herbeigeführt1 2). Gemeinsam ist ihnen beiden, dass sie stets und
grundsätzlich aus den Quellen selbst schöpfen, die einst von den Glossa-
toren mit so viel Fleiss und Sorgfalt erschlossen, aber bei ihren Nach-
folgern durch einen Wust von Litteratur oft fast verschüttet worden

1) Vgl. über das Geburtsjahr Donells: Eyssell, Doneau, sa vie et ses Oeuvres,
Dijon 1860, p. 25; Stintzing, Hugo Donellus in Altdorf, Erlangen 18G9, S. 54.

2) Über das Verhältnis von Cuiacius und Donellus s. z. B. Stintzing, a. a. 0.
S. 10 f.; Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft, I, München 1880,
S. 376 f. 381; Karlowa in der Ruperto-Carola, Heidelberg 1886, S. 57.
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