Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — N.F..1933

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dienen, und aus dem Vereinsdirektor wird der erste Konservator der ge-
schichtlichen Denkmäler124.
So schreitet die Entwicklung über die Sinsheimer Gesellschaft hin-
weg; an die Stelle der privaten Initiative tritt jetzt diejenige des Staates.
Die Romantik wird abgelöst vom Realismus; gründete sich der Verein
zur Ausgrabung der 14 Hügel auf eine von Begeisterung getragene frei-
willige Mitarbeit, so ist jetzt die Zeit schon nahe, in welcher man glaubt,
die vorgeschichtliche Denkmalpflege auf dem Verordnungswege regeln
zu können. Für die Romantik bedeutete die Erforschung der vorge-
schichtlichen Vergangenheit, die ja großenteils zugleich als die Rettung
eines gefährdeten Stoffes betrachtet wurde, eine vaterländische Ange-
legenheit; jetzt ist sie viel mehr eine solche der Wissenschaft und der
Berufsarbeit. In ihren letzten Jahresberichten ragt die Sinsheimer Ge-
sellschaft über die Zeit hinaus, welche sie einst ins Leben gerufen hat. Sie
entsprang einer Gedankenwelt, die dem jungen Wilhelmi im Verlaufe
seiner Studienzeit mitgeteilt wurde. Während aber die Universität von
diesen Ideen nur wenig und nur vorübergehend beeinflußt wurde, schlu-
gen sie in dem jungen Geistlichen tiefe Wurzeln. So wurde ihm die
deutsche Vorzeit, die er aus den Gräbern steigen sah, ein tiefgehendes
Erlebnis. Und er zehrte noch von ihm, als die Zeit eine andere ge-
worden war.
WILHELMI UND DIE SYSTEMATIK DES FUNDSTOFFES
Die Sinsheimer Gesellschaft ist eine der vielen Vereinigungen zur Er-
forschung des deutschen Altertums, welche von der Romantik ins Leben
gerufen werden. Im Gegensatz zu denjenigen unter diesen Vereinen, die
noch heute bestehen, ist ihr kein längeres Leben beschieden; entstanden
in einer Kleinstadt ohne große geschichtliche Vergangenheit, und von
Anfang an im wesentlichen nur auf zwei Äugen gegründet, fehlen ihr von
dem Augenblick der Entstehung an die wichtigsten Voraussetzungen einer
gedeihlichen Entwicklung. Wenn sie trotzdem eine Zeit der Blüte erlebt
und man sich ihrer auch heute noch erinnert, so ist dies lediglich in der
Person ihres Direktors begründet. Denn Karl Wilhelmi ist nicht einer
von den Dutzenden der Fachgenossen seiner Zeit, die ausgraben, Fund-
berichte veröffentlichen und sich wenig Gedanken über die zeitliche und
volkliche Zuteilung der Altertümer machen. Er zeigt von Anfang seiner
archäologischen Arbeit an eine starke Veranlagung zu planmäßiger
124 Ganz kurze Angaben über diese Entwicklung bei E. Wagner, Fundstätten
und Funde 2, 1911, 78 f.

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