Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — N.F..1933

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ist aber auch er nicht in der Lage, eine solche Karte zu geben, ob-
wohl er zu den besten Kennern dieses Stoffes gehört. So reich die Ernte
dieser Zeit sich auch gestaltet, so sehr entzieht sich die große Ueberschau
vorläufig noch dem suchenden Auge. Das große Werk, das er mit
seiner „Vergleichenden Darstellung..." im Jahre 1840 beginnt, gelangt
über eine Sammlung des Materials nicht hinaus; wie er es 1848 beendet,
kann er sich nicht dazu entschließen, ihm in einem Kapitel wirklich ver-
gleichenden Inhalts die Krone aufzusetzen. Wenn wir die Entwicklung
verfolgen, die er uns in seinen Buchanzeigen veranschaulicht, dann ver-
stehen wir dies. So kommt Wilhelm! nicht zu einem geschlossenen Sy-
stem; aber seine Leistungen auf dem Gebiete der Systematik sind nicht
aus der Geschichte der süddeutschen Vorgeschichtsforschung hinweg-
zudenken.
SCHLUSS
Am 8. April 1857 schließt Karl Wilhelmi die Augen. Er reicht also
noch in das Jahrzehnt der Pfahlbauten und der Auffindung des Neander-
talmenschen hinein. Aber er beschäftigt sich in den letzten Jahren fast nur
noch mit der Merowingerzeit, neben welcher Aufgabe der Abschluß seiner
landesgeschichtlichen Studien in Gestalt der geschichtlichen Darstellung
Sinsheims einhergeht. Hier allein, das ist wohl mehr und mehr sein Ein-
druck, kann er noch etwas Greifbares und Geschlossenes bieten. So legt
er denn Ostern 1852 gemeinsam mit Ludwig Lindenschmit der Oeffent-
lichkeit den Entwurf eines großen Werkes über die Grabaltertümer der
Merowingerzeit vor167, der wenige Monate später auch das Interesse der
ersten Versammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und
Alterthumsvereine in Mainz findet168. Aber er kommt nicht mehr dazu,
es abzuschließen169.
Ganz in der Romantik wurzelnd, ist Wilhelmi wohl der bedeutendste
unter denjenigen Prähistorikern, welche die Frühblüte der vaterländi-
schen Altertumsforschung erlebt. Den Mecklenburger Lisch vielleicht
noch überragend, steht er gleichwertig neben dem Dänen Worsaae, der
das Erbe Thomsens ausbaut. Seine Arbeit mündet unmittelbar in die-
jenige Lindenschmits aus, der schon in den letzten Lebensjahren Wil-
167 Anlage 6.
168 Bericht über die Versammlung, S. 7. (Beilage zum 1. Jahrgang des Kor-
respondenzblaffes des Gesamtvereins, Dresden 1853.)
169 Erst 1880 beginnt Lindenschmit, das Werk in Lieferungen herauszugeben.
Ist es ein Zufall, daß auch er nur auf diesem Stoffgebiet zu einer abgerundeten
Leistung gelangt?

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