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Felder, Ekkehard [Editor]; Bär, Jochen A. [Editor]; Universitäts-Gesellschaft <Heidelberg> [Editor]
Heidelberger Jahrbücher: Sprache — Berlin, Heidelberg, 53.2009

DOI article:
Wiegand, Herbert Ernst: Nichtnatürlich über natürliche Sprache schreiben
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.11275#0260
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Nichtnaturlich iiber natiirliche Sprache schreiben

Zu einigen formalen Aspekten von Worterbuchartikeln

HERBERT ERNST WIEGAND

Einem aus dem Adressatenkreis dankbar
gewidmet: Michael Schroder, Chef der HNO-
Klinik im Klinikum Kassel

i. Vorbemerkungen zum Adressatenkreis

Dieser Beitrag ist nicht fur diejenigen meiner Fachkollegen geschrieben, die
Experten fur Lexikographietheorie sind. Als den Adressatenkreis betrachte ich
vielmehr akademische Kollegen, die Lust und ab und zu ein wenig Zeit ha-
ben, sich dariiber zu informieren, was die Kollegen in anderen Fachern oder
anderen fachzugehorigen Forschungsfeldern denn eigentlich so treiben, was
sie bewegt und wie sie argumentieren. Lexikographietheoretische Kenntnisse
werden im Folgenden nicht vorausgesetzt, sondern gelegentlich en passant ein-
gefiihrt. Allerdings muss ich mathematische und logische Kenntnisse auf Ab-
iturniveau voraussetzen. Der folgende Text hat allenfalls ein mittleres Abstrak-
tionsniveau; das bedeutet, dass ofters Vereinfachungen auftreten und manche
Argumentation verkiirzt ist.

2. Zwischenbemerkungen zur Einstimmung auf das Thema

Natiirliche Sprachen sind z.B. Deutsch, Griechisch und Franzosisch; aber auch
Hessisch und Schwabisch sowie z. B. die Fachsprache der Juristen gelten als
natiirlich. Nicht nur natiirliche Sprachen gehoren zur Natur des Menschen,
sondern auch - um es im Hinblick auf die Titelformulierung dieses Beitrages
dichotomisch zu sagen - die nichtnaturlichen Sprachen, die auch kiinstliche
Sprachen heiften. Diese sind semiotische Werkzeuge ftir das Denken in hoch-
spezialisierten Bereichen und fiir Teilbereiche der fachlichen Kommunikation,
besonders in ihrer schriftkonstituierten Form. Durch sie werden die Werk-
zeugkasten mit Werkzeugen fiir die handische Arbeit erganzt. Viele von ihnen
sind eine der Voraussetzungen fiir die Moglichkeit moderner Technik. Es gibt
sehr unterschiedliche Typen von nichtnaturlichen Sprachen, z. B. Plansprachen
wie Volapiik und Esperanto, alle formalen Logiksprachen, wie z. B. die Spra-
chen der Pradikatenlogik und die der Modallogik, alle Programmiersprachen,
 
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