Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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D 2«S

rrscheint, MontagS auSgenommen, taglich.
PreiS vierteljäbrlich 5t kr.

Dienstag, L. Teptember

Znsertionsgebuhrell sär die Zspalttge Petit-
zeile werden mit 3 kr. berechner.


» Auf die „Hei'delberger
Zei'tung" konn man sich
noch für den Monat
Neptember mi't 18Kreuzern abonniren bei allen
Postanstalten, den Boten und Trägern, svwie
der Erpedi'tion (Schiffgaffe Nr. ä).

* Politische Nmschan.

Die deutschen Farbcn haben, bei Begehung
des Schützenfestes, nach 13jähriger Unter,
brechung zum ersten Male wieder in Marburg
von den Häuseru geweht.

Die Wiener Blätter sind mit dem wieder«
holten Wegbleiben der österreichischen Abge-
ordneten von dem deutschen Abgeordnetentag
durchaus nicht cinverstanden. Die Bertreter
des östcrretchischcn Volkes hättrn dädurch den
gleichen Fehler begangen, wie der König von
Prenßen durch seig Wegbleiben von dem Für-
stentag. Unfere Zeit sei nicht zum Schmvllen
angethan; nur Demsenigen werde scin Recht,
welcher es mannhaft vertheidigc.

Die „Opin. nat." spricht die Besorgniß
eines Bündniffes zwischen England u. Oester-
reich aus. Oesterreich sptelc in dcn gegen-
wärtigen schwierigen Verhältniffen die Rollc
der Helena. Der Czaar habe ihm Anerbieten
gemacht; Napoleon lll. habe ihm alS Pfaud
seiner Aufrichtigktit die Kaiferkrone von Meriko
angeboten; aber man dürse nicht überschen,
daß die Nachharn jenseits des Kanals schon
früher von einem zarten Ehcbündiß mit Oester-
reich geträumt hätten.

Times bemerken, die Aenderungen, welche
Kohlen, Gas und Electricität bewirkt hätten,
könne der König von Preußen sclbst im Ber-
ein mit den Fürsten von Lippe-Detmold nicht
rückgängig machcn.

Die Fallimente vermehren sich in Paris in
beunruhigcnder Wcise; in einer kl'nzigen Sitzung
deS HandelsgcrichtS wurden 21 Geschäftsleute
fallit erklärt. »

Courr. du Dimanchc berichtet über das der
französischen Notc beigegebene Memorandum.
Darin werde nachgewiesen, daß Rußland die
Bcrbindli'chkeit eingegangen sei, in dem Köni'g-
reich Polen ein consti'tutionellcs Regime ein-
znführen, und die Mächte daher die Erfüll-
ung dieses Brrsprechens zu fordern berechtigt
seien.

Das Tribiilial von Schlettstadt (Elsaß) hat
cinen Agenten des Regierungscandidaten bei
den letzten Wahlen der Vcrbreitung eines ver-
leümderischen Flugblattes schuldig befunden
und damit erklärt, daß die Bürgermeister,
welchc die Vcrbreitung beförderten, mitschul-
dig sind.

Die mericanische Throncandidatur des Erz-
herzogS Ferdinand Mar ist noch immer nicht
so weit gediehen, als die inspirirtc französische
Presse schon vor Wochen melden zu dürfen
glaubte. Nicht nur daß der Kaiser seine Ein-
willigung an die beiden Bedingungen knnpft:
erstens, daß sich der Wille Merikö's, ihn zum
Hcrrscher e inznsetzen, in bündigcrer Weise als
bisher ausspreche, und zweitens, daß nicht
blos Frankreich, sondern anch England die
Garantie der oenen Ordnung dcr Dinge über-
nehme. — Jst von beiden Bedingungen zur
Zeit noch keine erfüllt, s» wird sich doch der
Erzherzog nicht über die Normen hinwegsetzen,
welchc seine Emschlüffc an die Zustimmung
des Hauptes der Famtlie binden.

Nach dem im Monit. veröffentlichten Berichte
Forep's aus Meriko sind sranzösische und meri-
kanische Truppenabtheilungen zum Schutz des
Landvolks gegen die Banden abgesandt wor-
den; der Gesuiidhkl'tszustand der Ärmec sei
befriedigend. Näheres behält sich der Moniteur
por.

D e « tsch l a n d

Karlsrube, 28. Aag. Da» heute erschienene großh.
Regbl. Nr. 37 enthält eine Bekanntmachung LeS großh.
MtnisteriumS ber auSwärttgerr Ängelegenhettär: Den Ab-
schluß etner Etappenconventton zwtschen Baden und Oestec-
retch betreffend.

Karlsruhe, 27. Aug. Nach der „Bad.
Laiidesz." wird die Rückkchr S. K. H. des
Großherzogs von Frankfurt in wenigen Tagen
erwartct. Et» Theil der Equipagen, Pferde
unv Dienerschaft ist bereiks zurückgekehrt. Nach
ei'nem kurzen Aüfcnthalt in Baden wird sich
sodann Se. KLnigl. Hoh. nach Osborne, zum
Besuche der durchlauchtigsten hohen Verwandten
und zum Gebrauche der Scebäder, begeben.

Karlsruhe, 30. August. Die ossizielle
Karlsruher Zeitung enthält in ihrer neuesten
Nummer etnen bemerkcaSwerthen Artikel über
dse Stellung Badcns gcgenüber den Beschlüffen
der Fürstenconferenz, woraus die Situation
in Franksurt klarer hcrvorgeht, als aus dcn
muthmaßli'cheii Berichten verschi'edener inspirirt
sein wollender Blättcr. Dic Miltheilung in
der K. Z. lautet:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog hält es
zunächst, wi'e wir hören, für seine Psiicht, dcn
konstltutioneüen Slaudpunkt streng zu wahren,
welcher eS verbietet, ohne Mitwirkung der
verfassungsmäßig vazn berufenen Organe an
bindcnden Beschlüssen Theil zu nehmen, welche
das Laud verpslichten würden, oder auch nur
Anträge zu stellen, die, vhne daß der Antrag-
steller selbst stch bindet, nicht erhoben werden
können.

Diescr staatSrechtlich nothwendig festzuhal-
tende Standpunkt hinderte aber nicht die wärmste
Theilnahmc an den Besprechungen der Konfe-
renz, da ein Meinungsaustausch, und womög-
lich ei'ne Verständtguilg über die lei'tendcn Zveen
der ersehnten Reform untcr den Souveränen,
dcren Sankti'on daS Werk zu vvllenden haben
wird, von größtem Werthe ist.

Dem Veruehmen war Sc. Königl. Hoheit
der Großhcrzog bei diesen Di'skusstonen unab-
lässtg bemüht, aus der angenommenen und sür
jetzt nicht zu nberschreitenden Basts des völker-
rechtlichen Staatenbundes cincrsei'ts auf die
Bedingungcn aufmerksam zu machen, an welchc
diese Form der Vereinigung gebunden ist, an-
dercrseits den namentlich in der gemeinsamen
Nationalvertretung gelegenen Keim weiterer
Entwicklüng zu stärken und zu kräftlgen.

' Die Feststellung bestimmter Resultate scheint
aber namentlich dadürch erschwert worden zu
sein, daß eS der hohen Vcrsammlung an einer
festen Gcschäftsordnung fehlt, aus welcher
stchere Entschei'dungen hervorgehen könncn,
mögen dieselken im Uebrigen von den einzel-
nen Thei'luchmern als rechllich oder moralisch
verpfll'chtend oder als bloßer Meinungsaus-
druck betrachtet werden.

So viel dürste aber schon jetzt seststehen,
daß die Ansichten, zu welchen die Mehrheit der
versammelten Fürsten stch neigtc, und welche
wohl schließlich eincn kollektiven Ausdruck finden
werden, vvn den durch Sc. Königl. Hvh. den
Großherzog vertrcienen Grundsätzen zu weit
abweichen, als daß derselbe sein Einverständ-
niß damit dürftc aussprechcn können. Eine
solche zunächst bestehende Dtfferenz der Mein-
ungen, welche bei weiterer geschästlicher Be-
handlung sich ausgleichen kann, schließt aber
nicht aus, daß Se. Königl. Hoheit der Grvß-
herzog seine Ncgierung ermächiigc, an etwa
solgendcn, durch beide Großmächte zu bernfen-
ven Ministerconserenzen Theil zu iiehme», um
dürch dieselben, wenn irgeüd möglich, die Bun-
desresorm nach Grundsätzen zu verwirklichen,
welche in der solgkri'chtigen Durchführung deS
einmal angenommcnen Prinzips des Staaten-
bundeS Gcwähr-gegen eine bedenkliche Ein-

seitigkeit in den Bundesverhältniffen, und in
der vollen Anerkennung drr nationalen Jdce
und der konstitutioneüen Rechke des Volkes
eine Gaxantie dasür bieten, daß auf der stchern
RechtsHrundlag« einer Vercinbarung mit einer
dcutschen Volksvertrctung ein der Weiterent-
wicklung fähiges Werk errichtet werde.

Frankfurt, 26, Aug. Die „Cob. Ztg.«
bringt «tne, wie es scheint osficiöse Corre-
sponvenz aus Franksurt, worin namentlich über
die Haltung des Kaisers bei den Berathungen
der Fürsten intereffante Mitiheilungen gemacht
werden. Der Kaiser, s» heißt es u. A., soll
das Amt des Prästdenten mit einer geradezu
überraschenden Sicherhei», Würde und Kennt-
niß verwalten. Hofrath v. Bi'egeleben pro-
tocollirt; daS Protocoll wird verlesen und
jevesmal von den Betreffeuden elnzeln unter-
schrieben. Unter den mächtigeren Bundesfür-
sten soll der Kaiser vorzugsweise derjentge sein,
welcher nicht nur fast in allen Fragen die
liberalcre Auffaffung mit größter Wärme und
aus unverkennbarer innerer Ueberzcugnng ver-
tritt, sondern der anch AUes ängstlich vermei-
det, was irgend als gegen Preußen gerichtct
angesehen werden könnte. Am schwierigstcn
sollen sich dagegen in erstgenannter Beziehung
die Mittelstaaten zeigen. Unter den Ucbrigen
soll das Bestreben der Herzoge von Coburg,-
von Braunschweig, des Großherzogs von Ol-
denburg und Anderer unverkennbar dahin gehen,
den österreichischen Pdoposttionen, sv viel auch
daran auszusetzen scin möge, doch als fortbil-
dungsfähigen Vorlagen Eingang zu verschaffen
und für jetzt nnr solche Aendernngen daran
zu erwirken, w»e sie einstweilen praktisch mög-
tich seien, so daß sie einerseits wenigsteuS
mäßig billigen Forderungen dcr Nation ent-
sprächen und andererseits Ausstcht aus Annahme
von Seiten Preußens habeü könnten. Nicht
genug weiß man die persönlichc Einsachheit
und Liebenswürdigkeit des Kaiscrs zu riihmen;
gerade entgcgengcsetzt gegen die Verdächtigung
gewiffer Blätier soll derselbe auch den leisesten
Schein ostenstblcr Bevorzugung, geschweige
denn kaiserlicher Gelüste, vermeiden, vielmehr
lediglich seine Stellung als Bundessürst i'n
Anspruch nehmen und bei den Conferenzen in
seiner Wohnung eS stch angclegen sein laffen,
seinen Mitsürsten und den Bertretern der srei'en
Städte auf das chevalereskeste die HonneurS
zu machen.

Frankfurt, 29. Angust. Der Fürstentag
war heuie Mittag zu einer dreistündi.ien
Sitzung versammelt, in welcher die Beräthung
der Reformacte so weit vollendet wurde, ais
ste Gegenstand der fürstlichen Beschlußsaffung
sein soll. Es findet Montag noch eine Sitznng
statt, in welcher der kaiserlichckAufruf an das
deutschc Volk vorgelegt werdcn soü. Am Dien-
stag wcrdcn die meisten Fürsten Frankfurt ver-
laffen. Wie gestern fanden auch im Lauf detz
hciitigen TageS Verhandlungen in verschiedc-
nen engeren Kreiscn von Fürsten unv zahl-
reiche Ministerconferenzen stalt. — Am 3.
September wahrscheinliche Zusammenkunft des
Kaisers mit der Königin Victoria.

Mainz, 26. Aug. Dik gestrige erste Ple-
iiarsitzung ves Juristenlags, welchx in dem
herriichen Academiesaale des kursürstlichen
SchlöffcS staitfand, dauerte von 9 bis 3 Uhr
und galt fast ausschlicßlich drr hochwichtigen
Frage, ob der Richter das versaffungsmäßige
Zustandekvmmen dcr Gesetze zn prüsen das
Rech! und die Pflicht habe. Wächter (Leip-
zig) wurde wieder zum Präfldcnten gewählt;
er ist noch iinmer in ungeschwächtem Grade
der -crkorene Liebling Aller. Seiu Neserat
über die vorerwähnte Fraae knüpsle daran an,
daß der Beschluß deS vorjähriaen Juristen-
tags, wpdurch dem Richter daS Prüsuugstecht
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