Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

Page: 206
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1864a/0206
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
wie Vieles in Baden für die Erhaltung der
Sluwrität der Kirchc und für dic Bewahrung
des katholischen Glaudeus der Jugend iu den
katholischcu Volksschuien geschichr. (Schl. f.)

Z»r Tchleswig-Holstein'schen
Lache.

Den „Hamb. Nachr." wird aus Lübeck vom
25. dS. mitgethcilt, daß dcr Preußische Aviso-
dampser, die „Griile", gestern aus der Trave
sestgerathen »nd noch nicht flott geworden jei.

Wien, 24. Aug. Da§ einzige Hinderniß
eincr sosortigen Eröffnung der Friedensverhand-
lung ist die Frage wegeu Berusung eines zweiten
finanziellen Erpcrten oder Vertreters der Her-
zogthümer. Oesterreich wüuscht, daß Scheel-
Plefsen in dieser Eigenschasl einen Collegen er-
halte. Auf dic an sie ergangene Aufforderung
hin habcn nnn die östcrr. - preuß. Commissäre
den Bankier Reincke in Altona in Borschlag
gebracht. Wahrscheinlich wird dessen Berusung
hente noch ersolgen. Hr. v. Scheel-Plessen ent-
faltet eine große Thätigkeit; bereits hat er eine
Denkschrift ausgearbeitet, worin schlagend »ach-
gewiesen sein soll, daß die Herzogthümcr durch-
aus nicht im Stande sein wnrden, die Quote
der dänischen Staatsschuld nnd zugleich die
vollen Kriegskosten, also eine Schuldenlast von
60 — 7V Mill. Thlr. prcuß., zu nbernehmen.
Die Denkschrift befindet sich in den Händen
der Herrcn v Rechberg und v. Bismarck nnd
scheint Eindruck gemacht zu taben. — Preußen
macht bercits Anstalten, das schleswig - holstei-
nische Poftregal nach Berlin zu verlegcn. Es
ist jedoch gelungen, überhaupt wcitcren preu-
ßischen Versuchen, die ZnterimSregicrnng zu
einer bloßen preußischcn Regierungsmajchine zu
machen, vorzubeugen. (Nürnb. Corr.)

Pnris, 24. Aug. DaS halbanitlichc Pays
bringt folgende Botschaft aus Wien: „Ein voll-
ständiges und herzlichcS Einverständniß ist zwi-
jchen dem Kaiser Franz Zoscph und dcm König
Wilhclm crzielt wordcn.' Der König von Preu-
ßcn hat dem Grascn Rcchberg den Schwarzcn
Adlcrorden vcrliehen. Dic Ansprüchc dcs Groß-
herzogs von Oldcnburg aus Schleswig-Holstcin
gewinnen an Boden. Prcußcn wird sich nicht
zurückziehen, ohne gebietliche oder politischc und
militärische Vorthcile crlangt zu habcn. Dic
österreichische Rcgierung niißbilligt diese An-
sprüche nicht mchr."

Kvpenhagen, 25. Aug. Jn der Sitznng
des Folkethings erklärtc der Finanzminister,
von Personalunion könnc nimmermchr die Rede
scin, doch wären die Großmächte vielleicht im
deutschcn Jnteresse zu bcwcgcn, das dänisch-
redende Schleswig hcranszngcben.

Berlin, 25. August. Die „iMilitärischcn
Blätter" schreibcn: Wcnn auch rin WiederauS-
bruch der Feindscligkeite» gegen DLncmark cben
so wenig in Ansjicht isi wic gar ein Krieg in
grötzerem Maßstabe, so wird die Rückkehr der
Trnppen sich jedenfalls noch auf lange Zeit
hin verzögern, da Schleswig, Holstein und
Lauenburg bis zur definitiven Lösung der dor-
tigen Verhältnisse und bis zur Entscheidüng
der Frage, ob und in wclcher Art dort Trnppen

Menge stürzte auS bem Wahlgebäudk, dic Radi-
kalcn nack St. Gervals, dic Jndependenten nach
der ?laee llu Slolnrel, wo der Letztcrn 2000 bis
3000 stch fammelten. Nachdem dic Indepcndenten
hier eintgc Zeit dcrathcn hattcn und haranguirt

verlangtcn vom Staatsrathe dtc Proclamirung
Lhcneviere's. Der Staatörath erklarte, er habe
nlcht das Recht, in bie Befugnlsse deS Central-
bureau'S cinzugretfcn, -r wolle aber dle Wahlre-
fnltate proclamiren laffen, nntcr Vorbchalt -iner
zwciten Prüfung der Giltigkeit der Wabl durch daS
sofort wicder zusamm-nznbeinf-ndc C-ntralburean
selbst. Hicrmlt sch-inen di- Jndepcndenten stch zu-
frieden gegeben zu haben; st, cmpstngc» die Mit-
thellung mit Beifall. UebungSgrmäß machten stch
-in Polizeicommiffär fammt Trommlcrn und zwci
W-ibeln tn den CantonSfarben aus den Wcg und
trugen dle Wahlproclamation durch dic Slraßen.
Dle Jndependinten schloffc» fich ihnen an. AlS
das Geleite auf dkr klaco äe Okevcln anlangte,
fiel aus der ltue äu Oeneirier ein Schuß auf die
unbewaffnete Menge und traf einen Mann am
Knte. Hi-raus stob «l» Th-il dcs G-leiteS aus-

errichtet werdcn jollen, bcsetzt bleiben müssen.
Wie man hört, würoe eintretenden Falles eine
aus der 10. und 21. Jnfanteriebrigade com-
binirtc Division prcußischerseits zu dieser Be-
setzung bestiininl sein, obwohl der Natur der
Sache nach hiernber noch nichts definitiv fest-
gesetzt sein kann.

Wien, 26. Angust, Abends. Zwei Con-
ferenzen haben nnter Bisinarcks Anwesenheit
gestern und heute stattgefnnden. Gerüchtweise
verlautet, der JnterimSplan ware ausgegeben.

Hamburg, 26. Ang., Abends. Die ge-
strige Kopenhagcner „Flyveposten" melden noch,
daß das Folkcthing oas außcrordentliche Ein-
nahmen- und AuSgabcngesctz mit 73 gegen 13
Stimmen angenvmmen hat, nnd betrachtet dies
als eine Wirkung der Auflösungsdrohnng dcs
Finanzministers. Jm Lause der Debatte er>
klärte der Finanzminister aus das Allerbestimm-
teste, daß die Znstructionen sür die Wicner
Friedensverhandlungen auf die Wiedergewin-
»ung Nordjchleswigs gerichtet seien,

Berlin, 27. Aug. Die „Nordd. Allgem.
Ztg." benierkt über die am letzten Donucrslag
vom dänischen Finanzmiuifter im Folkething zn
Kopcnhagen abgegebene Erklärnng, daß die
deutjchen Großmächtc nur unter dcr Boraus-
setzung, daß das dänische Kabinet loyal und
ohne Hintergedanken die Friedenspräliminarien
unterschrieb, zu dcn eingegangenen Vertrags-
bedingungin bereit waren.

Alton», 27. Ang. Die „Schlesw.-Holst.
Zlg." thcilt mit, daß Magistrat und Dcpntir-
tencollcginm von Kiel gcstern ihrc volle Zu-
stimmung zu den Beschlüssen dcs Slädtctages
auSgcsprochen haben

D e u t s ch l a n d.

-- Vom Neckar, 27. Aug. Nächst der
Freifinnigkcit, Frcimüthigkcit und theologischen
Grnndlichkeit dcS oberkirchenrathlichcn Eriasses
au die 117 verdicnt Nichts mehr Bewnnderung
als die mit dcr größten Duldsamkeit gcpaarte
Klughcit, womit dcrsclbc den thcologijchen Ge-
halt und Werth des Schenkel'schen Bnches un-
erörtcrl läßt und damit dcr orthodoxeu S-treit-
und VerketzerungSsncht der Gegner alle Ver-
anlassung zur Uebnng ihrcr Kechtkunst abschnci-
dct. Wärc der Erlaß aus eine theologische
Würdigung dcS WcrkcS eingcgangcn, so hätte
er sich wcgen dcr Berschiedenheit dcr dogma-
tischen Richlung der einzelnen Mitglicdcr deS
Collegiums nicht allcin jcine Arbeit sehr cr-
schwert und eine Einstimmigkeit des zu sassen-
dcn BeschluffeS unmöglich gemacht, sondcrn er
HLttc anch den strcitlustigen Gegnern nianche
nicht hinlänglich gesicherte und geschützte Stcllen
zum Angriffe dargeboten; nicht zn gedenkcn,
daß die Behörde dadurch in cinc ihrer amt-
lichc» Ausgabe widcrstreitende Parteistellung
gedrängt worden wärc, die sie verlcitet haben
könnte, durch cinen, wemi auch theologijch mo°
tivirtcn, Machtspruch zu cntscheiden, was allein
dcr Wisscnschast zusteht und die Aufgabe des
fortarbeitcndcn Geistcs dcr Wahrheit im Schooße
dcr Zeit ist. Statt dcsscn sinden wir hier das
auS der liebcnSwürdigsten Bescheidenhcit flic-
ßendc Geständniß, daß die oberste evangclische

cinander. Elne Schaar von mehr als Tausend

mer dcn Commissär an der Spitze. Hler waren
2—300 Radikale, wic eS heißt, untcr dcm Befehle
Jvhn P-ri-r'S aufgcstellt und -mpstng-n di- wehr-
losc Schaar mit einer Salvc von 69—70 Schüsscn,
welche 3 — 4 Personen todr, noch mehr verwundet
zu Boden streckte. Dic Radikalen hatten stch aus
dem llrsensl ckll 6rsnck l'cä mit Waffen und Ka-

Corraterie aufgeprotzt. Elner der Verwundetcn
war ctn IkjShriger Iiingling, drr einrn Schnß in
dcn Sch-nkel erhiclt und bald darauf unter fllrcht-
baren Schmcrzen perschied. Nun l-id-nschaftllch-
Erregung und Schrcckcn unter d-n Jndependenten
und bald allgemeiner Aufruhr ln der Stadt. Die
Sturmglocke läutet. Die Radikalen verbarrikadiren
di- Brücken und Thorc und stellen Kanoncn auf,
di- Jndependcntcn schrcien: Zu den Waffcn, zum
Zcughaus, man crmordet uns! Dleser Ruf fand
-in- rasch, und -uerglsch- AuSsühruug. Die Maffe
der Indrprudenteu wälzt fich zum Rathhaus. DaS
l-tztere wird umstellt, der StaatSrath, der flch in

Kirchenbehörde kein wiffenschastlicher Gerichtshof
sei und wider Berns noch Bollmachl have, eine
thcologische Lehrweije zu autorisiren oder zu
verpönen. Ans dcmsclden Grunde spricht sie
aber auch ihren scharfen und entschicdenen Tadel
aus, daß eine Anzahl von Geistlichen sich hcr-
ausnimmt, nber einen AmtSbrnder sclber zn
Gericht zu sitzen unb ihn abzuurtheilen, — ei»
Schritt, der mit der bestehenden kirchiichcn Ord-
nnng unvereinbarlich sei. Edenso bestimmt be-
zeichnet sie aber auch das Berhältniß der prote-
stantischen Forjchnngs- und Lehrsreiheit zn den
sogenannten Bekemiriiißschriftcn nnd vindicirt
allen Mitgliedern der Kirche das nnantastbare
Recht, jene aus einer gcwiffen Zeitanjchauung
hervorgcgangenen Schriften einer sortdauerndcn
Prüfung und Berichligung zn unterwerfen.
Dabei bekennt sie nnumwunden, daß die ein-
zclnen Mitglleder des Gesainmtcollegiums per-
sönlich verjchiedene Stellungen zn den in dem
Schenkel'schen Bnche niebergelegten Ansichten
eimiehmen. Um so nbereinstlmmender hatte»
aber alle den großen Grundjatz der evangcli-
schen Freiheit feft; und das gibt dicscm Acten-
stücke einen unschitzbaren bieibenden Werth,
der um so größer ift, je verjchiedener die theo-
logischen Standpnnkte derjenigcn stnd, die bei
demselben zujaminengewirtl haben. Wcnn die
Protefterheber je noch eiuer befferen Erkeiintniß
fähig sind, so muß diese Thalsache ihnen die
Augen ösjnen.

Psorzheiin, 24. Aug. Die gestern'ab-
gehallene Verjammlung des Prolestantcnvcreins,
welche von gegcn 80 Theilnehmern besucht war,
hat folgende Beschlüsse einstimmig angcnom-
mcn: 1) Zn Bezug auf den von 117 Geift-
lichen unserer Laudcskirche erhobenen Proteft
gegen den Kirchenrath Dr. Schenkel und sein
„Charakterbild Zesu" schließt sich die Verjamm-
lnng der zweitcn und drittcn Resolntion der
Durlachcr Conferenz vom 13. Zuli d. Z. an.
2) Zn dem in glcichem Betreff von der Diö-
cesanjyiiode Psorzheim auf der Synobe vom
3. Augnst gefaßten Beschluffe crkemit die Ber-
jaminluug nicht nur einc Beschräiikung des
unverLnßerllcheii protcstantischcn RcchteS sreicr
Forschung nach Wahrtzeit, jondern cine voll-
ständige Untcrdrückung aller cvangelischcn Lehr-
uno Glaubenssrcihcit, und darui», wie in bcr
Voraussicht, daß ein Vorgehen, wie dieS der
fragliche Bcschlnß voranSsetzk, einen nnheil-
volle» Zwicspalt in der evangelijchelt Kirche
herbeiführcn würde, mnß sie gegcn den gcsaßtcn
Bcschluß als unxrotestantijch protestiren. —
Gegenüber der von dem „Bad. Beobachter"
verbreitetcn Eingabe an den Großherzog gcgen
das neue Schulgejctz erklärten die Amvcsen-
den: 3) Die Vcrsammlung beklagt auf's Liesste
die fortgesctzte, mit schlimmen Mitteln genährlc
Bewegung gegen das neuc Schulgesetz, zu wel-
cher sich dic ultramonlane und ein Theil der
orthodoxcn Partei verleiten licß; ste erkennl
dagegen in diesem Gesetze einen längst gewnnsch-
tcn Fortschrilt aus dcin Gebiete der Volksbil-
dung und wird sich bemnhen, cin Jcder in
scinem Kreise und jo vicl an ihm liegt, die
vollständigc Ausführung dieses Gesetzes zu un-
terstützen. (Ps. B.)

dnrch dlc Fcnster AlleS mit Waffen vcrfeb-n. Bls
7 Uhr AbrndS dauertr die Blokade d-s Staats-
ratheS. Um s Uhr lirß cr dle Rekrllten aus d-m
Lagcr kommen.

(Schluß folgt.)

Dcr Wicner Spaß vrrsäumt keine Gelegenhell,
um seinc Zunge zu üben. So erzählt man, bci dcr
Ankunft des KönigS von Prcußen hätte Btsmarck,
im Eifcr, AUeS zu arrangiren, seincn eigciien
Wagen ^bcrsehen und fei genöthigl gewcseu, dcr

angelangt, ubcrrrichk Bickmarck drm Fiaker, drr mtt
rhrfurchlSvoll gczogenem Hittc d-n Schlag öffnct,
zwei Guldrn. „Aber Er' Gnaden," rnctiit dcr
Fiakcr, »daö ist ja doch zu wenrg für fo cinen
Herrn." Erfreut übcr feine Popularilät in Wlrn,
fragt der prenßische Mtnister: „Kcnnst Du mich
dcnn, mein Sodn?" — „O, schon lang, Er'Gna-
den," antwortetc der Fiakcr. „Und woher denn?"
— „Aus unsrrn BtSttrrn," erwtdert rasch grsaßt
der privllrgirte Wtener Witzbold, und rnthält für
dtrse Antwort «lnc Künsguldrn-Banlnote.
loading ...