Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Utidelbrrger Iritung.

Kreisüerkiilidiguilgsblatt für den Kreis Heidelberg und auitlichcs Verkiindigmigsblati für die Amts- nnd Amts-
Gerichtsbezirkc Heidelberg und WieSloch unü deu Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.


Lamstag, Zan»iar


Bcstellungen auf die „Heidelbeeger
Zcirung" nebst Beila,?e „Heidelber-
qcr Familieublätter" fiir das uiit 1.
Januar L8M begoanene l Quartal
werden fortwäkrend angenoiuinen.

Die Expedition

^ D>e Ernennung des Prinzcn
Napoleo»

zum Viccpräsidenlen dcS Geheimen Ralhes, die
der politijchen Welt noch iinmcr viel zu rathcn
und zu sprechen gibtz ivird nnn mit dcr Adsicht
des Itnijers motivirt, seinen Better durch Be-
kleidung einer officiellcn une acliven Stcllung
and der oppojitionclleii in die gouvernementale
Sphäre zu versetzen. Zn diesem Sinne sei seinc
Ernciinung seit langer Zeit beschtosscn gewcjcn,
aber wegen Einwcndungen von verschiedenen
Seiten nicht zur AuSführung gekommen, bis
das Erjcheinen der Encyclica den Kaiser be-
stiinnits, mit dieser Ernennung eincn Trumps
gegcn dieselbe auszuspielen. Äiach dem Blaltc
„Europe" wäre der Äaiser scit Aivnaleii uüt
dem Plaue uingegangen, den bis dahiu uuler
der Dccke auogeübteu Euislug des Priuzcn
Napolcon auf die Staatsgeschäste in vffene und
gcsctzliche Schranken zu verweiseu. Vvn andc-
rer Scile wird das relu diploniatische Jnleresse
alS ein wichligcr Monient bci dieser Erucnnung
bczcichnct. Daslir jprcche schon der UmstLNd, daß
die Kaiserin eS sich erbeten hgbe, deu Prinzen
pon sciner Erneiinung in Kcuutuiß zu sctzeu.
Gie soll dabei die Ueberzcugung ausgcsprochen
habcn, dasi der Prinz wcgen seiner Anhänglich-
keit an die Dhnastie und wegen jeiuer Tüchtig-
tzit in politischcn Geschqften dgs volloVcrtraucn
peS kaisers oerdicne. lliomanhast, ader ge-
rade nichl uuglaublich klingt die Behauptung
eines deutjchen Blattes,"die kaijerin habe sich
durch dieAcußeruugen eines WahrsagerSzurVcr-
söynung niil dcni kaiserlichen Vcltcr bcstiniinen
lassen. Diach der gleichen Ouellc hälte der Prinz
die hohe Slclluug nur t>»ler dcr Bcdingnug
Übernehuien wollcn, daß man ihm diesinal nicht
«icder, wie zur Zeit dcs ÄrimkricgeS, des
ilalicnischcn Fcldzugs, oder als Minister von
Algicr eine lächcrliche lltvUe aujdrängk» wolle.
Uls Gaiaitlic verlangte er namentlich einc
prompte pösung der algicr'jchcu Oiganisation
iu seinem Sinne. Dies sci auch. vom Kaiscr
zugestandcn worden. Dagegen habe Ser PriNz
pcrjprochcn, jeinc religiöscu Anjichten wenigcr
schroff znr «äian tragcn zu wollen. Daß dic
ilalieuijche Presse ihre srcudigc Geuugthuung
übcr die Ernennung des Prinzen ausspricht,
»ersteht sich von jelbst. Das Blatt „Jtalic"
nainentlich meint, Pie hvhe Auszeichnung, welche
tzem Schwiegersvhnc Victor EmanuelS zu Theil
gewprdcn, knüpfe die Bande noch engcr, welche
die beiden Nationen «ereinige, und liesere den
Beweis, daß im Rathe Napoleons III. die ita-
sienische Sache gcwichtige Stimmen besitze.

* Polittsche Uinschau.

Daß es von Seiten BahernS und Sachsens
beabsichtigt gewejcn sei, einen Äntrag am
Bunde, den badischen Gcsandten, Herrn von
Moht, früher Professyr dcr Staatswiffcn-
jchasten an der Heidelbcrger Hochschule, ais
legitimirt zur Bcrtreluug dcs HerzogS Friedrich
(er war während scincs zweijährigcn Ausent-
halts in Heidelberg ein flcißiger Zuhörer von
Mohl und HLnsser) zu crklären, zu stellcn,
daß es jedoch dem österreichischeu Einflusse ge-

lungeii sei, die beiden genaniiten Regicrungen >
von diesem Vorjatze zurück zu briugen, wird
«vn gewöhnlich gut unlerrichtcter Seite von
Neuem bcftätigt. Das Wicner Cabinet bewog
die beiden mittelstaatlichcii Höse durch das
Versprechen, sich selbst thätig der Jnteresseu >
des Augustenbiirgers anzunehmen, von einem
derarligen Borgehen, das allerdings nichts we- s
nigcr als sichere Ausstchten eröffnete, abzustehen. j
Die Haltung, welche Oefterrcich in dcn letzten
Wochen angenominen hat, findet dadurch eine
auSrcichendc Erklärung; cnergische Schritte
gegen Preußcn. dürsten übrigenS von Seiten
beS Wiener Cabincls nicht zu erwarten jein.

Die gnt österreichisch gesinnte „Allg. Ztg." >
bemerkt über die Enchclica: „Die Enchclica i
ruinort sortwährend in den Eingeweiden uujc-
res geistigcn Lebens. WaS auch die „Wiener f
Ztg." darüber sagen. mag, cin Wcndepnnkl in s
der Beurlheilung deS CvncordateS nnd seiner
Wirkungen ist offcnbar an uns herangetreten,
und die Frage seiner Rcform, am destcn jeincr
gänzlichen Aufhebung, die ohne die Anregung
Rvms viclleicht noch eine Zeitlang hätte schlum-
mern niögen, tst breiinend, unabweislich gcwor-
den. Ropl steht vermöge des Concordats uns
als Conlrahcnt gegenüber; wenn nun diejer
Contrahcnt Forderuugcn erhebt, wclche wcit
über die Schranken des gcschlossenc» Vertrags
hinauSgrcifen, so wird der Bcrlrag mchr alS
sraglich, und gerade weil er für intcrnational
oder doch internationalen Tractatcn analog
ausgcgebcn wird, kann er süglich alS erloschen
angesehcn wcrden.

Der Wiencr Corrcspondent der „Karlsr. Z."
erfährl aus sehr zuverlässiger Qncllc, daß dcr
Großherzog von Oldcnbnrg dic rnsstsche Ces-
sionsnrkunde (bczüglich dcr Erbansprüche auf
SchleSwig-Holstein), als ihm »icht genügend,
desinitiv nach L>t. Petcrsburg zurückgesendct hat,
daß dieselbe durch csiic Urkunde in dcr von ihm
gewüuschten Gcstalt nicht crsctzl ist, u»d daß cr
nisthin zur Zeit ketncrlei Cessionsact in Händen
habeu kann.

Gegenwärtig bereiset der fraiizösische ge-
heime Rash sich ans Verhandlung der Frage
des A»terrichtszwangeS vor. Prinz Napoleon
ist dcr Sache deS uiieiitgeltlichcn obligalorischeii
Unterrichts zugcthan. Hr. Dnruh. dcr Unter-
richtsminister, u»d dcssen cinflußreichcrGciicral-
sccrclär, Hr. Robcrt, sind bcide anf scincr Seile,
ebenso Hr. Rouher, und cS steht zü erwartcn,
daß noch anderc Milglicdcr dcS llltlnistcriumS,
und daß auch die Aiitglicder deS gehcinwn
Ralhes in diescr tzcbenssrage im Sinnc dcr
Civilijalion sich anssprcchcn werden. Unmög-
lich kann Frankreich nvch länger in seincr bis-
herigen untergcordneten Stellung in dicser Be-
ziehung bclasscn wcrden.

Der Pariser „Abcndnioniteiir" erklärt die
Gerüchte von Aendcrungen in dcr obcrsten
Verwaltung von Algericn und es herrschte
Zwicjpalt zwischen dem Kriegsminister nnd
dem Herzog von Magcnta, für unrichtig.

Dsik Bischos von Moulins hat den Reigen
cröffnet. Am vorigen Sonntage hat er dic
Kanzcl sciner Cathcdrate besticgen nnd die
apostolijchen Briese vom 8. Dezbr. vvllständig
vorgelesen, um, wie er ausrief, seine Unterwer-
sung unter jcneS Wort zu bestätigen, wclches
bindet und löst, und dessen Krast cS !si, nie-
malS gebunden zu sciu. Wenn der Bischos sich
aus die kirchliche Bckanntmachuiig dcr Enchclica
beschränkt, so geschieht cs nicht, wcil die Regic-
rung irgend elwaS angeordnct hat, jondern weil
die weltliche Tagespressc die Enchclica schon
genugsam verbreitet hat. Nebendem behält er

stch vor, die Gefahren dcr vom Papste bezrich-
neteii Jrrthümcr jeinen Gläubigen zu zeigen.
(S. PariS, 1I. Jan.)

Nach Berichten aus Ncuhvrk, die rn Paris
eingelroffcn, beabsichligt Sherman Augusta
anzugreifen, und zwijchen Hardee und Foster
hälte ein Zujammenstoß stattgcjiinden.

Die englische Bank hat den Disconto von 8
auf 5>/r pCt. herabgesetzt.

Zur Schleswig-Holstein'sche»
Lache.

Altoua, g. Jan. Nachdem schon am letzten
Donnerstag Abends in Franschenhof eine Schlä-
gerci zwischen hier garnisonirenden preußischen
und österreichischen Solvat^n vorgefallen war,
wovon bie hicsizen Blätter indcssen ihrer Un-
erheblichkeit wegen keinc Notiz nahmen, hat sich
diesc Schlägerei gestcrn Abend in nicht unbe-
deittendem Maße erneuert und bis zur Anwen-
dung der blanken Waffe gesührt. ES sind
Vcrwiiiidungen und Vcrhaftiingen vorgckvm-
men; zahlreiche preußische und vstcrrcichische
Patrouillen durchstreifte» bis gcgcn vicr Uhr
Morgens die von MititärS vorzngsweise sre-
qucntirten Straßen. Trotzdcm von den Mili-
tärbehörden Vorkehrungcn gctroffcn wurden,
Lhnlichcn Reibungen für die Zukunfl vorzu-
bcugen, haben sich diese Epcesse leider am hcu-
ligen'Tage wiedcrholt. (A. M.)

Dei, tschland.

Karlsruhe, 11. Jan. Das hcnte erschie-
nene Regbl. Nr. 1 enthält (außcr Persvnal»
nachrichten);

I. Versügungcn und Bekanntmachnngcn der
Miiiisterien. 1) Bckannlmachling deS großh.
ZilstizniinistcriiimS: Die Bekanittmachung der
Einträge in die Handclsregister delr. 2) Be-
kanntmachniigen deS großh. Ministeriums dcs
Znnern: s) Ucbcrsicht dcr Studirenden anf
dcn Univcrsttäten Heidelbcrg und Frcibnrg be-
treffend. b) Prüfung der LehramtScandidaten
bctrcffend. Darnach wurden vvn den zur
Staatsprüfung sür 1864 zugclaffcnen wissen-
schastlich gebildctcn Lchramts-Candidaten fol-
gcndc lliiter die Zahl dcr Lehramts» Prakli-
kaiiten aufgenoinmen: At. Wallejer von Sins-
heim. H. Hitzig von Ncumnnster, E. Oster
»°n Jbach, A Hcffner «°n Bretzingen, A.
Friedrich vvn Werrheim. E. Häußer von Anen-
heim, M. Müller von Schivandorf, Th. Weiß
von Constanz; serncr sür Malhemalik und Na-
tnrwisscnschaften: Z. Henrici von Eberbach,
L. E. Th. Heßlöhl von Lvrrach, Dr. W. E.
Schröder von Mannheim, K. W. Fr. Krum-
mel »on Obcreggenen. 3) Bckanntmachungcn
deS großh. HandelsmiriisteriiimS, Patenterthci-
lungen bctreffend: s) An Hrn. Wilhelm Balk
in Hildesheim für die von ihm ersundencn Vcr-
bcssernngen an Gebläje-Schachiöfen. und zwar:
1. Anbringung ciner gcmauertcn Höhlung unter
dem cigenllichen Schmelzraume, „Kammer" ge-
nannt; 2) Zuführung dcs GebläsewindcS senk-
rccht von untcn her und in der Mitte aus dcr
Oeffnung, welche drc sogenannte Kammer mit
dem Tiefsten deS Ofcns verbindet; 3. Schonnng
der Osenrast durch deren Baumaterial und durch
außen aufgcblasencn Wind. h) An Hrn. Al-
bert Ungercr, Chcmikcr in Psorzhcim, für die
oon ihm erfnndene ncue und eigcnthümlichc
Verbesserung an Faßjpunden zur Verhütung
der Kohnenbildung aus Wein. e) An MathiaS
Bäuerle in SI. Georgen für die von ihm er-
sundene Einrichtung des Rcpetirwerkes an so-
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