Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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schwarz-weiß« Fahn« selbst auf die fführer der
liberaleu Partei -ine größerc Anziehungdkrast
al« die dreifarbige anrüben werde. Bon ccr
Hallnng u»b den Ergebnisfen diejeö dandtag«
wird eö wesentlich abhängen, ob Deutschland
und Preußcn künftig werden zusammengehen
lönnen oser nicht.

Ltuttgark, 11. Jan. Zn der Abzeordne-
tenkammcr wurde dic Äerathnng über daS
Bolkojchnlgejetz fortgesetzl. Der Lchall-ktm-
mermüller'fchc Antrag aus Bejciligung der
bisher auSjchließlich kirchlichen Leilung dcr
schuleu wuroc nach lebhajter Debatte, in
welcher Eultuominisler v. Gollher sich wieder-
holt aus oie religiöseu Änjchauungen und Ge-
sühlc des Bolkes d-ricj. abgelchnl, obwohl Hopf,
Höloer, Römcr und Ocslerlen mlt ibcrzeugeu-
der Schärse dic istothwcndigkeit ciuer Schulre-
sorm nach den Zordcrungen dcr 'lleuzcit dar-
legien. Dic wescnllichc» Bejtimmungen über
die Leilung der Volksschulcn werden nach dcni
Gejctzentivurj die solgenocn jcini Die LolkS.
jchulen jteheu in seoeni Orte unter der Aufslcht
der Orlöschlllbchörde. Diese desteht i a) aus
dcm Pjarrer derjenigen Consession, welchcr dcr
Schuluieister angehörl, b) ans den weltlichen
Mitglicdern deS KirchenronvcnlS, v) auS cinem
oder mchreren Schulmeistcrn (vcrgl. Art. 15),
>1) auS cinem odcr mchrercn gcwahlten Mil-
glicoern der Schulgemeiudc (Art. 16). Die
nub v und >t genannlen Milgliedcr haben,
joweit jic nicht dei cinem Gegcnjtandc pcrsön-
Uch dcthciligt sind, jedcsmal an dcn Sitzungen
dcr Orlsjchutbehördc uiil vollem Slimmrccht
Theil zu nehmen. Slnd in eincm Ortc mchrere
Geistliche dersclbcn Conjcssion angcstellt, so
kann dic Ob-rschuldehöroc denjenigcn von ihnen
dczeichncn, wclqer i» die Orlsjchutbchörde cin-
zulrelen hal. Die Oberschulbehördc crncnnt
jerncr aus der Plilte der OrtSjchulbehörde dc»
Lorstano derseldcn und den OilSjchnlausseher.

Darmstadt, 14. Ianuar. Z» der ersten
Kammcr wurde yeulc einc lanocshcrrlichc Ent-
jchlicßung vom 41 Januar vorgelesc», nach
welchcr dieStänbeverjaminIung auj nubesliinnrtc
Zcil vcrtagl ist.

Vom Main. >1. Zan. Wie man sich ln
Bexlin erzählt, hal oie „Lolkszcilnng" ln Aolgc
ihrc» Kauipjcs gegen oic Elnvcrlcibung ocr
Herzogthüoicr in Prcußc» IV.lltlt) Äbonnenlcn
vcrlvren. So läßt sich dic „Franls. Postztg."
schrcibcn.

Berlin, 14. Jan., Rachmiltags 1 Uhr.
Dcr Äönig eröstnele joedcn ben Landlag mil
nachjlcheuder Lhronreve:

„Erlauchle, cdle und licbe Herren »on beidc»
Hausern des LanblagS! Eur crcignißreichcs
Zahr liegt hintcr u»s. Jn bcmselben ist cs
mir gelungen, im Bur.dc mil Sr. Majestät
dcm ltaiser von Ocsterreich eine Ehreujchuld'
Deulschlands, deren 'lliahnungcn wiedcrholl und
mil tiejer Erregung des traoitioncllen GcsühlS
an baS gesaurmlc Balerlalid herangelrele» waren,
burch bic siegrcichc Lapjcrteil vcr vereiniglen
Heerc »cimillelsl eines chrcnvollen Friedeus
einzulösen. Gehobcn burch dic Gcnuglyuung,
mll wrlchcr unjcr Bolt aus diejcn Prcußens
würdigen Erjolg zurückblirkt, wenden wir un-
sere Herzen in Dcuiuih zu Goll, durch desscn
Scgen eS mir vcrgonnt ist, nieiner Kricgs-
machl im iliamcn dcs ValcrlaudeS jür Gaden
zu dankcn, die sich dcr ruhmreichcn Kriegsgc-
schichte PreußenS cdcndürlig anrcihe». — iliach
eiuer halbhunoerljahrigen nur durch ehrenvollc
Kriegszüge von kürzcrer Daucr unlervrochcncn
Friebensperiode hai sich die Ausbilbung uno
Mannszuchl meinc» HccreS, die Zweckoiäßlg-
k-ik sciner Lerjassuug uud jcincr Ausrüjlung
in dcm vorjahrigcn, ourch Ungunjl oer Wille-
rung und durch dcn lapjcr» Widersland dcS
Fcinoes denkwüroigcn Kriegc glänzcno dcwährl.

, Es ijl der jctzige» Orgauijatw» ocs Hecrcs
zu'vcroankcn, oajj bcr dtrieg gcjührl Ivcrden
kvnnle ohnc die ErwcrdS- uud Familienvcr-
hältnisse c-r Lcvolkcrung durch 'llujdiclung der
Landwchr zu bceinirächligen. 'liach jolchen Er-
sahrungen >st >4 um jo mehr mcine landes-
hcrrliche Psticht, die besiehcnde» Elnrichlungen
aufrccht zu erhalten uno aus der gegebcnen
Grundlage zu höherer Bvllkooimcnheil auszu-
bilden. Zch darf crwarlcn, daß dcide Häuser
deS LandlageS mich in diejcr Pslicht durch ihre

versastungSmäßize Mitwirkung untersrützeu
werben.

„Besondere Pfiichtcn ersordert dic Entwick-
lung oer Marine. sie hal im Kriege surch
ihre Leistungen stch cinen gerechten Anspruch
aus Anerkennung crworbcn und ihre hohe Be-
deulung für daS Land dargcthan. soll Preu-
ßen der ihm durch jeine Lage und polilijche
Stellung zugewieseuen Aufgade genügen, so
muß für eine entiprechende AuSbildung dcr
Seemacht Sorge gckragen werden und dirfen
bcdcuiende Opser sür diejclbc nichi gescheut
weroen. Ju dieser Ucberzeugung will Jhnen
mcinc Regierung eincn Plan zur Erweiterung
dcr Flotte vorlege».

„Die Verpflichtung zur Fürsorge sür die im
Ti-nste und aus dcm Felbe der Ehrc an Ge-
sundheit und Leben bcjchädiglen Kriegcr und
sür dic Hinlerdlicbenen wird in dcr Vorlage
eincS Jnvalidcn- und Penjionsgesetzes cinen
wohlbcrechligten Ausdruck finden, und ich hoste,
daß Sie demselden cine bereitwillige Anfnahme
zuwcndcn wcrden.

„Die Ausstellung vou Truppen an der pol-
nischeu Grenzc hal nach dem Erlöjchen bcr Zn-
jurrection im Rachbarlandc wiedcr aujgehoben
wcrdcn können.

„Durch die gemäßigtc, aber seste Haltung
mciner Rcglerung wurde Preußen gegen Ueber-
giisje dcs AujstandcS jichergestcllt, währenb ge-
gcn cinzclne Theilnehuicr an Bcstrednngcn,
welchc dic LoSreißnng cincs TheilS dcr Mvnar-
chie znm Eudziel hatten, von be» zujländigen
Gerichlen aus Slrase ertannl wordc» ist.

„Daß dic günslige Finanzlage deS Slaate«
es gcjtallet hal, dcn bänijchcn ltrieg ohnc An-
lcihc durchzujühreu, muß eine großc Genug-
lhuung geiväyren. Es ist dieS oiit Hiljc eiucr
Iparjamcn uno umjichtigen Verwaltung, vor-
nehmlich durch dic dcirächllichc» Uebcrschüsje
dcr Slaatseinnahinc» in dcn bcide» lctzleu
Jahrcn, möglich gcworocn. Ucbcr dic durch
dlN Krieg veraiilaßlc» llojtcn und die zn ihrer
Bcjlreilung verwcndctcn Gcldniittel wiro Zhnen
nach dcin Finalabjchluß sür das vcrflojjcnc Jahr
mclne Rcgicrung volljländigc Vorlagc uiachcn.

„Dcr Staalshaushallelal sür da« lauscnde
Jahr wiro Zhncn unvcrzugllch »orgelcgl wer-
dcn. Zn ocinjclben sind oic au« dcr ncuen
Grund- uno Gcwcrdcjteuer zu crwarlende»
Mehrcinnahnicn in Ansatz gebracht, und auch
die jonjligen Einnahoien habe» unler Festhal-
tung der bewährleu Grundjätze einer vorsichti-
gen Leranjchlagnng zu crhöhten Belrägen ein-
gcnoininen werden könncn. Es ergebcn sich
dadnrch dic Mittcl, nicht alleln daS Gleichge-
wicht der Eiiinahmcn und AuSgaben auch in
dcm Elat wicder hcrzustellcn, jondcrn auch cine
bclrächlliche Suminc zur Bcfricdigung neuer
Bcdürsnistc in allc» Lcrwaltungsziveigen zu
bcwilligcn.

„Außcr dcn allgcmciueu Rechnungen über
den StaatShauShalt der drei Jahre von 1859
dis 1861. oercn Lorlagc von 'Rcuem ftallzu-
finben hat, wird' Jhncn nunmehr auch die Rech-
nuug sür daS Jahr 1862 zur Enklastung der
Slaatsrcgiernng übcrgeben wcrde».

»Die Arbeiten zur anderweiligen Regelung
der Grundsteuer sind in der vorgcjchriebencn
Zeit und in besricdigcndcr Wcise zum Abjchluß
gcdrachl. Daß diescs Zicl erreicht woroen, ist,
wic ich gern anerkenne, lediglich wesenllich dcn
eisrigen Beinühnngcn zn danken, mit welchen
von allcn Sciten die Löjung der jchwicrigen
und mühsamcn Ausgade angcjtrebt wurde. Auch
die Vcranlastung dcr GcdLudcstcuer ist jo wcit
gcdichcn, daß fie nur noch der schließlichen Be-
richligung dcdars.

„Meine Rcgierung ist unabläjstg bestrebt,
die Forljchriktc in dcn vcrjchledcnen Zweigen
der Pandcskullur zü besördcrn uiid für Lcr-
mehrung und L-rbcsscrung der Kommunika-
tionSmikkcl Sorge zu kragen. Der Entwurf
cincr aUgemeincnWegevrdnung wird vonNcuem
cinen wlchligen Gcgenftaud Zhrer Berathung
diiden. Auch wcgen Erweikerung und Vcrvoll-
ständigung dcs EjsenbahiinetzeS wcrden Jhnen
mehrerc Vorlagcn üdergcben werdcn. Zur An-
lage ein-r sür HandclS- und KriegSschisfc jeder
Art nutzbarcn Kanalvcrbindung zwischen der
Ost- und Nmdjee durch Schtesnng und Holstein
hat mcine R-gierung Icchnische Börarbeiten anS-

führen lasien. Bei der Wichsigkeit dieses groß-
artigcn UnternehmcnS für dic Jnteresjcn de«
HandelS und dcr preuß. Marine wird meine
Regierung bemüht sein, die Ausführnng durch
eine angcmessene B-Iheitigung des SkaateS sicher
zu stellcn und Jhnen nach Bcschlnß dcr vor-
bcreikenden Verhandlungen darüber nähere Mil-
Iheilungeu machen. Bergbau, besreit von lästi-
ge» Bejchränkungen i erlejchtert in jcinen Ab-
gaben und gcsördcrl durch die Lermchrung der
Absatzwege, entwickclt sich zu rinem ersreulichen
Aujschwung. Sie werdcn den Enlwurf eines
allgemcinen BerggejetzSS znr Prüfung empsan-
gen, welches die RcchtSverhällnisse deS Berg-
baues zu ordnen bestimmt ift. Die im Jnte-
resse dcs SeehandelS unjercr «eehäfen für die
Dauer deS KriegeS erlasiene Verordnung in
Betreff der ertravrdinären Flaggengelder wird
Jhnen zu nachlräglicher Genchmigung zugehen.

„Es isl meincr Regicrnng gelungen, die
Hindcrnisjc, «elche oen Forldestand deS deut-
jchen Zollvereins nach Ablauf der Vertrags-
periode zu gcfährden drohten, zu beseitigen.
Die mit der Regierung Sr. Maj. deS Kaisers
dcr Franzosen abgcjchlossenen Vcrträgc haben
die Zussimmung der sämmtlichcn BcreinSregie-
rnugcn erhaltcn, und die ZollvereinSverträge
sind mit einigen durch die Ersahrung gerecht-
scrligten Abänderungen erncuert wvroen. Diese
Vcrträge, jowie ein uachträglich mit Frankreich
getrostenes Abkommcu in Bclrest einiger von
unjcren Zollverbündeten gellend gemachtcn
Wüusche wcrdcn behufs Zhrcr Zustimmung
vvrgelegt wcrdc».

„Die in Folgc jencr Vcrträgc iu Gcmcin-
jchast niit dc» Regiernngen »on Bahcrn und
Sachsen eingelcitclen Vcrhandlungcn mit
Ocsterrcich zur Erleichtcrung und Bcfördc-
rung dcr beidcrseitigen VerkehrSbeziehungen
lassen ein baldiges Ergebniß gewärligen.

„DaS Wcrk, welcheS durch dic Verträge mit
Frankreich im August 1862 cingclcitct und
dessen Durchführnng jeitdcm vvn mciner Re-
gicrung wic von der Sr. Maj. des KaiserS
dcr Franzosen mit gleichcr Bcharrlichkeit <p-
jörderl wurdc, nähcrt sich jvmit cincm Äb-
jchlufse, wclcher in wcitcn Gebieten dem Handcl
cine sreic Bcwegung gestalten u»d dcn sreund-
jchaftlichcn Beziehungen bcnachbartcr Nationcn
durch dic Gemeinjamkeit der Enlwicklung ihrcr
Wohstahrt eine ncue Bürgschafl verleihen wird.

„Jch habc -der Thaten mcines Kricgshceres
nicht gcdcnken könncn, ohne die glcichc srcudige
und hcrzliche Anerkcunung für das österreichijche
Hecr mil cinznbcgreifcn. Wie die Krieger bcider
Hecre in Waffenbrüderschaft de» Lorbcer ge-
theilt haben, jo hat die beiden Höse bci dcn
eingetrctcnkn Vcrwicklungen ein cnges Bünd-
n i ß verknüpjt, welcheS scinc seste und dauerndc
Grundlage in mcinen nnd ineincS erhabencn
Verbündckcn denkichcn Gesinnungen fand. Jn
diesen Gcsinnungen und i» der Trenc gegcn
die Verlräge liegl dic Bürgschaft sür die Er-
haltnng dcS BandeS, wclcheS die dcutjchcn
Slaaten »mschlingt und ihnen den Schutz dcS
BundeS sicherl. Dcr Fricde mit Dänemark
hat Dculschland seinc bcstriltenen Nordmarkcn
und dicscn die Möglichkeit dcr lebcndigcn Bc-
theiligung an unjerem nationalen Lebcn zurück-
gcgeben. Es wird dic Aufgabc meincr Politik
sein, dieje Errnngenschaft durch Einrichtungen
sicher z» stcllcn, wclche unS die Eyrenpslicht
des SchutzeS jener Grenzcn erleichtern und die
Herzogthümer in dcn Stand sctzen, ihre reichen
Kräjlc sür die Entwicklung der Land- und
Seemacht wie der matcricllcn Znteresscn des
gemeinsamen VaterlandcS wirksam zu verwer-
khen. Unter Ausrechlhaltung dicscr bcrcchtig-
ten Forderungcn wcrde ich die Ersüllung dcr-
jcldc» usit alle» begründetcn Ansprüchcn jo dcS
LandcS wic dcr Fürsten i» Einklang zu bringen
suchen. Zch habe daher, uin eincn sichercn
Anhalt für mcine Bcurlheilung der strcitigen
RcchtSfragen zn gcwinnen, die Shndici meincr
Kronc, ihrem. Berufc cntsprcchcnd, zu cinem
RcchtSgutachten ausgefordert. Meiuc rechtliche
Ucberzeugung nnd die Pfiichten gegcn mein
Land wcrden nsich l-iten bei dem Bestreben,
mich mit meinem Hohcn Verbündeten zu ver-
stindigcn, init welchcm ich inzwischen den Be-
sitz und d!e Sorge jür eine geordnele Ver-
waltnng der Herzogthümer theile.
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