Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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lein herausnimmt, mit seinen Ansichten die
Mehrheit unterdrücken zu wollen, so wird
die letztere entschiedcn Verwahrung einlegen.

Die Adresse lautet:

Durchlauchtigster Großherzog!

Gnädigster Fürst und Herr!

Wie wir aus den Zeitungcn vernehmen,
haben zwöls katholische Bürger Heidelbergs,
angeblich im Nameu einer großen Anzahl ihrer
kath. Mitbürger, Eurcr königlichen Hoheit eine
Schrift überreicht, worin sie scierlich Verwah-
rung gegen das ncue Schulgesctz einlegen und
Eure königliche Hoheit bitten, aus eigner
Machtvollkommenheit der katholischen Kirche
daß bisherige MitleitungSrecht an der katholi-
schen Volksschule zurückzugeben, oder 'volle
Schulfreiheit zu gewähren.

Diese Schrift nimmt zugleich den Schein
an, alS sprächc sie im Auftrag der ganzen
katholischen Bürgerschaft unserer Stadt und im
Sinne der katholischen Bevölkerung von ganz
Baden. Jene zwölf Bürger Heidelberg's be--
haupten, sie scien von einer großen Anzahl
ihrer Mitbürger in öffentlicher Versammlung
gewählt, und stellen sich somit als die Abge-
sandtcn der katholischen Bürgerschaft Heidel-
berg's dar.

Unter solchen Umständen ist es unsere Pflicht,
nicht im Schweigen zu verharren, damit wir
nicht als zustimmend zu dem Auftreten dieser
zwölf Bürger augesehen werdcn. Eö sind des-
halb alle katholischen Einwohner Heidelberg's,
welche die, Eurer königlichen Hohcit überreichte
Adresse mißbilligcn, öffentlich zu einer Ver-
sammlung eingcladen wordcn, und nachdcm in
dieser Vcrsammlung die wirkliche Gesinnung
der großen Mehrzahl der Katholiken Heidel-
berg's sich auSgesprochen hat, erlauben wir
unS, dieser Gesinnung in Folgcndem Ausdruck
zu geben.

Vor Allem erklären wir es für eine Un-
wahrheit, daß jene zwölf Bürger in öffent-
licher, d. h. öffentlich berufener Vcr-
saMmlung ernannt worden scien. Mit solcher
Heimlichkeit wurde im Gegentheil diese
Sache betrieben, daß bis heute jene Zwölf
noch nicht einmal ihre Namen genannt haben.
Dieselben sind daher in keiner Weise berechtigt,
als die Vertreter der öffcntlichen Meinung
der Katholiken Heidelbcrg's sich darzustcllen.

Die große Mehrzahl der hiesigen Katholiken
ist auch in keiner Wcise mit dem Jnhalt jener
Schrift einverstanden; sze kennt keineswegs die
angeblichen Mißstände, welchc diese Schrift
aufzählt, und mißbilligt das Vorgehen ihrer
zwölf Mitbürger auf das Entschiedenste. Sie
ist durchaus zufricden damit, daß dnrch das
Gesetz über die Schulaufsicht den Bürgern das
Recht gewährt worden ist, bnrch die Männer
ihres Verlrauens an der Aufsicht über die
Schule Theil zu nehmen. Sie hat durch die
starke Betheiligung an der neulichen Schul-
rathswahl, trotz den maßlosen Umtrieben der
Gegenpartei, diese ihre Gesinnung deutlich
ausgesprochen.

Um so mehr hat es uns empört. als wir
vernahmen, daß die Unterzeichner der erwähn-

seiner Verlobten, Flora Trümpy, angestellte che-
mische Erpertise das Gerüchk, bie beiden Unglück-
iichen hätten fich mit dem gleichen Gifte, welcheS
den Tod des Vaters Flora's herbeigeführt, das
Leben genommen, in der That bestätigt hat; mit

lische Gesandtschaft dem Bundesrath so eben die
Akten übergeben hat, welche auf Verlangen der
Brrner Negierung in London über den Diamanten-
Diebstahl, welchen Dr. H. Demme an einer Eng-
länderin tm „Berner Hofe" verübt haben soll, er-
hoben worden find. Diese Akten sollen leider die
Schuld drs Angeklagten zur Evidenz herausstellen.

Nordamerrkanischcs Cyclorama.

Mannheim, 5. Febr. Nachdem ich die drei
Abthetlungen von Herrn Beyer's Cyclorama ge-
sehen, von dem einzrlne Bilder, die wie wandelnde
Decorationen an unserm Blicke vorbeiziehcn, in
Beziehung auf Wahl, Anlegung und Eolorit als
wirkliche Meisterwerke anzusehen find, fühle tch mich

ten Schrift es sogar gewagt haben, Eurer könig-
lichcr Hoheit zuzunUlthen, ein anerkanntes, in
verfassungsmäßiger Weise zu Stande gekomme-
nes Gesetz'zu verletzen, während sie von Ver-
trägen und Nechten sprcchen, welche uns un-
bekannt sind.

Das Schulgesetz von 1864 ist nur die folge-
richtige Anwcndung bcs Grundsatzes in § 6
deö 'Gesetzes vom 9. October 1860, daß dcr
öffentliche Unterricht vom Staate geleitet wird.
Mit diesem Grundsatz ist auch die von jenen
Zwölf geforderte Schulfreihcit (ein erhabe-
nes Wort, womit sie frevelhaften Mißbrauch
lreiben) pollkommen verträglich, sobald sie nur
richtig verstanden wird. Schulfreiheit, wie sie
von je als Forderung des freisinnigen Volkes
aufgestellt wurde, bcsagt vor Allcm, daß die
Schule von dem hemmenden Einfluß der Kirche
frci sein soll, damit sie ihrer großen Aufgabe,
das nachwacksende Geschlecht zu edlen, tüchtigen
Menschcn zu erziehen, wahrhaft genügen kann.
Von der Forderung aber, daß jede Schulc
der fteten Aufsicht des Staates und seiner ge-
setzlichen Vertrcter unterworfen sei, kann dcr
Staat, ohne seine Pflicht schwer zu verletzen,
nicht abgehen. Deshalb kann es unseres Er-
achtens auch nie gestattet sein, Schulen zu er-
richten, wclche etwa der Aufsicht des freige-
wählten OrtSschulraths nicht unterständen.

Wir lcben mit unsern Mitbürgern auderer
Bekcnntnisse gottlob in glücklichem Frieden, und
wollen, daß dieser, durch langen und harten
Kampf crkaufte Frieden nicht gcstört werde.
Wir sagcn uns deshalb fcierlich los von den
forl und fort, angeblich im Namen der Katho-
likcn getriebencn Hctzereien, welche gegcn dicsen
Frieden gerichtet sind, und bitten Euer könig-
liche Hoheit, denselben kcinerlei Gchör zu gcben.

Heidelberg, 2. Februar 1865.

Jn tiefster Ehrfurcht:

(Folgen die Unterschriften.)

c5 Heidelberg, 8. Febr. Das neue Kai-
serthum in Mexico hat bis jetzt eincn über
Erwartcn günstigen Erfolg erziclt: Der Kaiser
hat die liberale Partei an sich zu ziehen ge-
wußt, hat eine Reihe kluger und sachgemäßer
Anordnungen erlasscn, und auch sein Ministe-
rium theilwcise aus liberalen Elementen gcbil-
det. Dagegen geht seinc Regierung jctzt wahr-
scheinlich einem Kampfe mit dem Clerus ent-
gegen; den Anlaß hiezu gibt ein mit der Rö-
mifchen Curie angebahntes Concordat, und die
Säkularisirung der kirchlichen Güter in Me-
xico. Die Ergebnissc eines in diescr Beziehung
vom Justizminister in Mexico ausgearbeiteten
Gesetzentwurss sind folgende: .1) Duldung aller
Confessionen, 2) Besoldung des Clerus durch
den Staat, 3) Unentgeltlicher Cultusdienst (so
daß die an die Gcistlichen seither für gottes-
dienstliche Verrichtungen bezahlten Gcbühren
hinwegfallen), 4) Uebertragung aller Kirchen-
güter an den Staat, 5) Kirchliche Associationen
können nur mit Genehmigung des Staates
bestehen, 6) Uebertragung der Führung der
Kirchenbücher von den Geistlichen an Civil-
standsbeamte. Alles dieses kommt so ziemlich
einem Bruche mit Rom gleich, und jedensalls

lebbaften Bildrrn das Leben und Treiben der
großen Weltstadt New-Uork. Die Darstellungen
sind bis auf das Einzelne so getreu wahr, daß für
jeden, der einmal in dieser Stadt war, nichts mehr
zu wünschen übrig bleibt. Ebenso gebrn die herr-
lichen Niagara-Fälle durch die vielseitigen Anfich-
trn, in denen fie uns der Künstler vorführt, ein
eben so gktreues, als lebhaftes Bild dieses größten
aller Wafferfälle der Welt.

Es bleibt nur zu wünschen übrig, daß die Iahre
lange Arbeit, deren die Vollendung des Werkes
bedurfte, und die Mühe und Kosten, welche Auf-
stellung und in Bewegung setzen der ganzen Mecha-

wird sich Kaiser Marimilian die gründliche
Feindschaft dcr ultramontanen Partei in seinem
Lande zugezogen habcn, wclche Partei bekannt-
lich die Franzosen ins Land gerufen hat. Alles
kommt nun bezüglich der Fortdauer seiner
Herrjchaft darauf an, daß er sich daS Zutrauen
der liberalen Partei zu erhalten versteht, und
hinsichklich der äußeren Verhältnissc, daß die
allmälig wicder erstarkende nordamcrikanische
Union keinc Einfprache erhebt, vielmehr den
Bcstand der zunächst durch europäisches Macht-
gebot an ihren Grenzen geschaffenen Monarchie
ungefährdet läßt.

Karlsruhe, 6. Fcbr. Das hcute erschic«
nene Regierungsblatt Nr. 6 enthält eine Ver-
ordnung des großh. Justizministeriums über
das Verfahren in Forststrafsachcu. Dasselbe
ist in Folge der ncuen Gerichtsorganisation
von den Aemtern an die Gerichte übergcgan-
gen. Das Amtsgericht als „Forstgericht" führt
jetzt die polizeigerichtliche Untersuchung und
erkennt Freiheitsstrafe bis 4 Wochen (ohne
Zuzug von Schöffen). Jst eine Freihcitsstrafe
von 4 bis 8 Wochen auszusprechen, so gebührt
die Aburtheilung dcm Amtsgericht als ordent-
lichem iLtrafgericht (also mil Zuzug von Schöf-
fen); ist eine höhere Freiheitsstrafe zu crken-
nen, so urtheilen die Strafkammern dcr Kreis-
und Hofgerichte.

Frankfurt, 5. Febr. Dem „Nürnb.Korr."
wird von hier geschriebcn: Man vcrsichert, die
großh. hessische und dieNassauer Negie-
ru ng hätten sich für jetzt gcgen eine Re-
vision der normativen Bundesbestimmungen
über die Presse und das Vcrcinswesen aus-
gesprochen.

Dürkheim, 7. Febr. (Mannh. Anz.) Der
Verwaltrrngsrath der Bexbacher Eisenbahn-Ge-
sellschaft hat gestern die sofortige Jnangriff-
nahme des Baues der Linie Dürkheim-
Monsheim einstimmig beschlossen.

Berlin, 6. Febr. Jn einpr Conferenz mit
dcm Kriegsmiuistcr über die Armeereorganisa-
tion haben einflußreiche Deputirte von dcr Fort-
schrittspartei sich bereit erklärt, die Ziffer 200,000
alS definitiv anzunehmen.

Verlin, 7. Febr. Die „Zeidl. Corresp."
bemerkt zum Ltand ddr österreichisch-prcußischen
Zollvertragsverhandlungen: Außer der Diffe-
renz über die WeinzöUe bcstehe auch noch eine
Differcnz über die Eiscnzöllc. Jm Lauf der
Woche finde wieder eine Sitzung der Confe-
renz statt. — Weiter bemerkt „Zeidlers Corre-
spondenz" : Verschiedenen Anzcichcn zufolge lege
Frankreich jetzt weniger Gewicht auf die natio-
nale Scite der Herzogthümcrfrage, als auf der
Londoncr Conserenz.

Kr a „ k r e i ch

Paris, 7. Febr. Gestern hat der Staats-
rath gegen den Bischof von Moulins und den
Erzbischof von Besancon die Censur wegen
AmtSmißbrauchs ausgesprochen, wie die France
meldet. — Herr Drouyn dc Lhuys hat dem
päpstlichen NuntiuS wegcn der Beglückmün-
schung des Bischofs von Poitiers energische
Vorstellungen gcmacht.

* Literarisches.

Victoria, illustrirte Muster- und Mode-
Zeitung. Diese Zeitung ist im Inncrn und
Aeußern stets mit der Zeit fortgeschritten, hat
darum jährlich an Abonnenten gewonnen und ist die
gediegenste, schönste und preiSwürdigste
Mode-Zeitung. Trotz aller Concurrenzen hat
fich die „Victoria" von Jahr zu Iahr dcn Bei-
fall des gebildeten Publikums in erhöhtem Grade

nommen, fie hat stets gehalten, was sic versprach.
Diese Zeitung übertrifft andere an Schönheit,
Mannichfaltigkeit und Gediegcnheit, und dic Ver-
lags-Buchhandlung hat ihre Anstrengungen ver-
doppelt, den Umsang des Journals erweitert, so
daß der Preis: vierteljährlich I fl 12 kr., als ein
geringer erscheint. Ohne einer weitläufigen Aus-
einandersetzung zu bedürfen, wird die Gemein-
nützigkeit und das allgemeine Intereffe der Mode-
zeitung Iedermann einleuchten, und wir dürfen
wohl sagen, daß durck diese Zeitung dte Zeitungs-
I welt eine wesentlicke Bereicherung erhält und eine
l fühlbare Lücke derselben ausgefüllt wird.
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