Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Ueidelbtrger Aeilung.

KreisverkündigMgsblatt für den Kreis Heidelberg unü amtliches Berkündigungsblatt für die Amts- und Amts-
Gerichtsbezirke Heidelbcrg und Wiesloch Md den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünü.

M «2 Donnerstag. 20- April 18«S.

* Politische llmschau.

D°s Ob-rland-sgericht hat die Berufung des
Eigcnthümers d-r Constitutionellen Voritadt-
zeitung gegen dic vom k. k. Landesgcrichte Wien
ausgcsprochenc dreimonatliche Suspension vcr-
worfen und das -rstrichterlichc Erkcnntniß voll-
inhaltlich bestätigt.

Die „Gesxräche deS Labienus" sind in Wicn
plötzlich, ohne vorangcgangenes Verbot, überall
confiscirt worden.

Der schwcizerische Bundesrath hat bejchlossen,
jedem Polen in der Schweiz, der fich zur Aus-
wanderung nach Amcrika entschließt, einen Bci-
trag von 100 Fr, zn verabreichen, svwic sämmt-
liche Auswandercr des Schutzcs der schweizeri-
schen Consuln in Amerika ugd der Verwen-
dung bei dcr dortigen Regierung behufs Er-
wcrbung von Landbcsitz zur Gründung einer
polnischcn Colonie zu versichern.

Der Papst hat in der Sxcyerer Angelcgen-
heit ein Schrciben crlassen, welches der Re-
gierung hoffentlich die Augcn öffnen und sie
vcranlassen wird, auch keincn Finger breit den
clericalen Uebergriffcn nachzugebcn, sofern sie
Herr in ihrem eigenen Hause bleiben will.

Nach einer offiziellen Dcpeschc von General
Grant vom 4. April Nachmittags, vo» Wilson's
Station datirt, hofftc er die bcreits in Auf-
lösung begriffenen Neste vo» Lee's Armee bald
einzuhole» und vollends zu zersxrengen. Shcri-
dan mit seiner Kavallerie und dem 5. Armee-
corps war dicht hinter deu Flüchtigen her; ihm
folgtc General Meadc mit dem 2. u. 8. Corxs,
darauf General Ord längs der Southside-Bahy.
WaS von Lee's Armcc uoch ciner Organisation
Lhnlich war, hatte stch nördlich vom Appomatox
gewendct und ciltc, wie es schien, nach Lynch-
bnrg zu. Die Verlnste dcs Feindes waren jehr
bedeutend; fast alle Häuser im Lande waren
in Hosyitäler für Berwundete verwandelt. Die
Rebcllen - Soldaten wandten sich in größeren
und kleineren Abtheilungen ihrer Heimath zu,
die meiste» ohnc Wafsen.

D e i, t s ch l a n d.

Karlsruho, 18. April. Se. Kgl. Hoheit
der Großherzog haben Sich unterm 30.
MLrz d. I. gnädigst bewogen gcfunden, dem
Hofrath Platz am Lyceum zu Karlsruhe daS
Ritterkreuz deS Ordcus vom ZLHringcr Löwen
zu verleihen; ferner der von dcn betheiligten

AuS Steiermark, 6. April. Ein von den Ge-
brübern Feh leisen (zwci Württcmberger) erfunde-

Len Sachverständigen großes Aufsehen. Die Vor-
thetlc gcgenüder dem bisherigcn Sprengpulver sind
folgende: Es beseitigt bis auf einen hohen Grad
von Sichcrhcit jcde Gcfahr, da dic Art dcr Wir-
kung eine fast ruhige genannt werdcn darf, ein
Umstanv, der namcntlich für den Bergbau beach-
tenswerth ist. Es ist ferner ungefähr um dte Hälftc
billiger, als das gkwöhnliche Pulver, da man in
einem gegcbenen Fall von Halorylin nur dic Hälfte
vom Gewicht des üblichen Pulvers zu'nehmen hat.
Ss entwtckelt weiter fast gar k-incn Ranch, -inc
schr wichtige Sachc ebcn wiedcr für den Bcrgbau.
Die Wirkung endlich an und für fich Ist cinc durch-
aus befricdlgeNd!, dcm d-s gewvhnlichen PnlverS
jcdenfallS nicht nackstchcnde fwenn wir schon daS
Gcringste sagcn wollcn), obwohl wir glauben, daß
dem Halorylin >n diestr Bezirhung der Vorrang
gebührt.

Vor ca. 12 Jahren, meldet der„Publ.", erregte
die Ermordung und Beraubung rtneS in Schlesien

Gcmeinden geschchcnen Ernennung des Forst-
praktikantc» Allgust Vogel aus KarlSruhc zum
Gemeindebezirkssörstcr zn Schönau die höchste
Geuehmigung zu erthcile»; den bei der großh.
BuudeStagSgesandtschast angestellten Kanzlei-
sccretär Franz Kaiser wegcn körperlicher
Dienstuntauglichkeit bis zu etwaigcr Wicdcr-
herstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand
zu verjetzen.

Karlsrirhe, 18. April. Das hrute er-
schiencnc Rcgbl. Nr. 17 cnthält (außer Per-
sonalnachrichten):

I. Versügungen und Bekanntmachungcn der
Ministerien. 1), Bekanntmachung des großh.
Zustizministeriums: Als Notar sür den Nota-
riatSdiftri'ct RheinbischofSheim wird dcr Notar
Franz Futhcrcr in Schutterwald angestellt.

2) Bekanntmachungen des großh. MinisteriumS
d-S Znnern. n) Die Stellvertretung für Be-
zirksbeamte bctreffend. d) Die Erbgroßherzog-
Friedrich-Stiftung betrcffcnd. Darnach haben
Se. Königl. Hohcit der Großherzog mit
höchster Entschließung a»S großh. Geheimen
Cabinet vom 6. l. M. das im RegierungSblatt
von 1857, Rr. 34, bekannt gemachte Statut
der Erbgroßherzog-Friedrich-Stiftung dahin ab-
zuändern gnädigst gernht, daß an die Stelle
dcr vormaligen vier Rcgicrungskreise dic jctzt
den vicr großh. Laiidescominisjären unterjtellten
Bezirke und an die Stelle der vormaligcn Krcis-
regierungen die großh. Landescommissärc treten.

3) Verordnung der großh. Ministerien deS Zn-
nern nnd deS Handels: Die Bcrcitung, Ver-
scndung und den Verkauf von Reibfeuerzcugen
betreffend.

II. Diensterlcbigung. Der erledigte Nota-
riatsdistrict Schutterwald, AmtSgerichtsbczirk
Offenburg, wird zur Bewerbnng ausgcschrieben.

Heidelberg, 19. April. Des WandernS
noch nicht müde, hielt gestern das wandernde
Castno in Neckarsteinach eine Versammlung
und machte in dcm romantisch liegenden hesfi-
schen Dorfe in verjüngtem Maßstabe dieselbe
Erfahrung, wie in dcr badischen Stadt Mann-
heim. AlS sie vvn der Burg, wo dic Berathung
stattgefunden hattc, herabkamen, ertönte der
Ruf: „Hinaus mil den Schwarzen, zum Ort
hinauS!" Mehrerc Miiglicder deS Castno sollen
nicht »ur verhöhnt, fondern thätlich inißhandelt
worden scin von handfestcn Schiffbauern, ebenso
mehrcrc heffische GenSdarmen, die das Land-
gericht Hirschhorn entsandt hatte.

Aus Bnden, 13. April. Der cv. Obcr-
kirchenrath hat auf dcn ncuen Protest von 97
Geistlichen in der Schenkel'scbcn Angelegcnheit
nachträglich doch noch eine Aniwort gegebcn,
dahin lautend, daß die Oberkirchenbehörde sich
nicht veranlaßt sehen könne, mit einzelncn Geist-
lichen in weilere Discussion einzulreten, nach-
dem sie sich über die betreffende Fragc den
Diözesansynoden gegenüber bereits ausgespro-
chen habc. — Der »on Fabrikanl Metz in
Freiburg und Konsorten wegen der gleichen
Sache in Scenc gcsctzte Adressensturm beginnt
im Sand zu verlaufcn, scitdem die Gegener-
klärungcn der Kirchengemeindevcrsammlungen,
nnd zwar nicht nur ans den größern, sondern
anch auS den klcinern Städtcn und Landorten
stch mchren. (S. M.)

Münchon, 13. April. Der Verlauf der
neulichen Hoftasel hal bei allcn Abgeordnetcn
ohnc Ausnahme einen so günstigcn Eindruck
hinterlassen, und die LiebenSwürdigkeit nud
Oss-nh-it des KönigS, welcher sich mit jedem
cinzelnen Anwesenden unterhielt, war so ge-
winnend, daß sic bis heute daS allgemeine
Tagesgespräch bildct. Ueberhaupt gestaltct sich
die Stellung der Regierung gegenüder der Ab-
geordnctcnkammer weit günstiger, als man e«
im Anfang vermuthetc, und es steht zu erwar-
ten, daß die Regierungsvorlagcn, ctwa mit
Ausnahme dcs Credits für die Militärbcdürs-
nisse, sich der Zustimmung der Kammern er-
sreuen, »achdem die Fortschrittspartei durch das
jüngste Entgegenkommen dcr Regierung Mlt
dcm Finanzpcrioden- und Amnestiegesetz sich zu
bcjondercr Mäßigung veranlaßt finden wird,
und die Miltelparteien, wic aus der lctzten
AuSschußwahl zu ersehen, flch so consoljdirt
haben, daß sie das Hest in dcr Hand behalten.

München, 17, April. Der „Bayr, Kurr,"
erzähll: Als dem Könige durch eine Deputation
der Reichsralhökammer dic Adreffe übcrreicht
wurde, stellte er an einen ReichSrath die Frage,
was er von der neuen zweijährigen Finanz-
periode halte. Der Reichsrath antwortete: daß
diese Abänderung für das finanzielle Wohl
Bayerns sehr ersprießlich sein werde. Der Kö-
nig entgegnete ihm: „Zch kann mich aber, Hr.
Reichsrath, sehr wohl erinnern, daß Sie und
die Mehrzahl der ersten Kammer früher dage-
gen waren!" „Allerdings", crwiederle be-
troffen der Reichsrath; „allein dicß geschah
aus treucr Anhänglichkeit an den höchstseligen

, wvhnhastcn LiehhändlerS kcin genngcS Aussehcn,
alle Recherchcn aber nach dem Mörder blicben re-
sultatlos. Dcr Verräther fedoch schläft ntc! Die
Tochter dcs Ermordcten hattc einen Schlächter-
i meistcr gehcirathct; bcim lctzten Umzugstcrmine
und Einpackcn dcr Sachcn thrcs Gatten rc. fand
, fie unter denselben cine gcsticktc Gcldkatze vor,
wklchc fie für ihrcn Vatcr gestickt hnttc, und welche

ist der Mörder ihres Vaters! Wte der „Publ."

(Krankf. Lat.) Ueber den Mannbetmer Spckta-
kcl haben auch verschiedcnc italicnische Zritungen
höchst ergötzlichc Bertchtc gcbracht. So war tn cinem
Aournale zu lesen: Jn Mannheim sei cine herum-

handelt worden. Ein andereö Blatt brachte seinen
Lescrn tn astcm Ernste folgende Ncbersetzung: Jn
Mannheim ist.ein hcrumzichender Menagerie-
wagcn geplatzt. Wenn gutr Katholtken vte

Sacke fo auffassen, darf man fich tann noch wun-
dern, wenn ein im Irrthum befangener
Mannbeimer Ketzcr in dcn düstern Kutten
„zum AuSbauen bestimnitcS Schwarzwild" zu
erblickcn wähnie?

! (Interessantc Anzeige.) Der „Bcrgifchcn
, VolkSzcitnng" Nr, 38 und dem „Volksblatt i, Berg
und Mark" Nr. 24 entnehmcn wir Folgcndcs:

„Polizei-Verordnung, Da zusolge landräthlicher
, Vcrfügung vom gcstrlgen Tage cin der Tollwuth
! vcrdächtigcr Hund in der Gemeinde Lüttringhauscn
mehrere Hunde gebisscn hat, so wird hicrmit auf
! bcn Grund der 8sf. 5 und 6 dcS GesctzeS über dte *
PoUzei-Verwaltung vom II. MSrz 18SÜ nach-
stchrnde Poltzei-Verordnung erlaffen rc. Hückcs-
! wagen, den 18, März I88S. Der Bürgcrmeister,

! Wirth."

Wirn. Jn Schtau (Böhmcn) starb vvr etwa
14 Tagen cin AmtSdiener, der scin aus 3000 fl.
bestehrndes Vcrmögen vem Kaisrg vcrmachtc; der
! Tcstator hattc in setner Iugend bei der kaiferlichen
! Gardc gedient.
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